Montag, 17. August 2020

Roadtrip 2020 - Tag 3 - Erfurt & Jena

Tag drei war der erste Reisetag und vor allem auch der erste Tag ohne Spiel, genutzt wurde die Fahrt von Hotel zu Hotel aber natürlich trotzdem um Fußball-Kultur zu erleben. Nach einem erneut ausgedehnten Frühstück, hieß es gegen 9:30 Uhr Abschied nehmen aus Eisenach und ab nach Erfurt um dort das Steigerwaldstadion zu sichten. Die Stadt Erfurt lebt Fußball und das obwohl Rot-Weiss Erfurt nach einem Insolvenzverfahren diese Saison in der Oberliga neu starten muss. Für die Stadt muss das echt ein hartes Stück sein, denn im gesamten Stadtbild sind Graffiti und andere Streetarts mit Vereinssymbolen fest verankert. Die Fanszene reicht weit über die Stadtgrenze hinaus, selbst im etwa 50 Kilometer entfernten Eisenach waren die Aktivitäten der RWE-Fanszene kaum zu übersehen. Dabei war Erfurt zu DDR-Zeiten längst nicht der erfolgreichste Klub im Lande, zwar wurde man in den 1950er Jahren, damals noch als Turbine Erfurt, zwei mal Oberliga Meister und war insgesamt 37 Spielzeiten Mitglied der höchsten Spielkasse der DDR, in der ewigen Tabelle belegt man den siebten Platz. Nach der Insolvenz schien die Zeit von RWE im Steigerwaldstadion beendet zu sein und es gab den Plan die Oberligaspiele im kleineren "Stadion an der Grubenstraße" auszutragen. Dieser Plan scheint aber hinfällig zu sein, die Oberliga Süd ist bereits am Wochenende gestartet und zumindest bei fussball.de sind alle Heimspiele des RWE im Steigerwaldstadion angesetzt. Ich konnte das Stadion heute von außen umrunden einen wirklich guten Blick bekommt man aber kaum.
Beim zweiten Stopp des Tages sollte dies aber anders aussehen, es ging weiter Richtung Jena wo das "Ernst-Abbe-Sportfeld" geöffnet und frei zugänglich war. Ich hatte meine Spiegelreflex-Kamera im Auto gelassen weil ich mit dieser Möglichkeit gar nicht gerechnet hatte und war dann zu faul noch einmal zurückzugehen und sie zu holen. Stattdessen machte ich nur ein paar Fotos mit meinen iPhone. Der Blickfang des Stadions ist eindeutig der Turm mit seiner Zeiss-Linse, die in Jena als heimliches Wahrzeichen der Stadt betitelt wird. Als die Linse 2009 weichen sollte, gab es nicht nur in der Fanszene einen großen Aufschrei, es gründete sich eine Bürgerinitiative die dafür sorgte das die Linse restauriert wurde und erhalten blieb. Seit 1965 hängt die Zeiss-Linse am Holzturm des Ernst-Abbe-Sportfeld und vermittelt heute weiterhin den Flair der alten Tage. Jena führt die ewige Tabelle der DDR-Oberliga an und wurde drei Mal Meister, nach einigen Jahren in der 3. Liga begann am Wochenende die neue Saison für Carl-Zeiss in der Regionalliga Nordost. Nach dem das Stadion besichtigt war ging es noch ins Jenaer Stadtzentrum, es mag Geschmackssache sein, aber Jena sollte tatsächlich eine der hässlichsten deutschen Städte sein? Die Stadt hat außer dem Fußballverein, wirklich gar nichts zu bieten.
Nach dem Kulturschock ging es dann weiter ins Hotel, welches etwa 15 Kilometer südlich von Jena steht. Ich traute meinen Augen nicht, aber man erreicht das Hotel am Ende eines etwa 3 Kilometer langen Feldweges direkt am Waldrand. Exzellente ruhige Lage und im dazugehörigen Restaurant gab es für mich heute für mich Sauerbraten mit Rotkohl, ordentlicher Preis für eine ziemlich kleine Portion, so sah ich mit gezwungen noch einen Nachtisch hinterher zu bestellen. Ganz klarer Negativpunkt ist aber hier auf jeden Fall die Internetverbindung. Mobiles Netz ist sowieso komplett Fehlanzeige und das Hotel Wlan ist super langsam und auch noch auf 200MB pro Tag begrenzt. Eher First-World-Problems, aber bin ja nur zwei Nächte hier.

Streetart vor dem Stiegerwaldstadion
Heimspielstätte von Rot-Weiss-Erfurt
Ernst Abbe Sportfeld von Carl Zeiss Jena
Das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt Jena
Ziemlich kleine Portion Sauerbraten
Panna Cotta zum Nachtisch

Sonntag, 16. August 2020

Roadtrip 2020 - Tag 2 - Eisenach & Ruhla

Tag 2 begann mit einem relativ ausgiebigen Frühstück im Hotel, Corona scheint es möglich zu machen, dass jeder Gast sein eigenes Büfett an den Tisch bekommt. Die Auswahl war groß: verschiedene Marmeladen, Nutella, Wurst, Käse, Jogurt, Spiegelei und noch vieles mehr. Da ich alleine reise, fragte ich mich wer das alles Essen soll. So viel gefrühstückt habe ich jedenfalls noch nie. Gut gestärkt ging es also raus und zunächst einmal in die Innenstadt von Eisenach, dort gibt es mitten in der Stadt eine Erhebung Namens "Michelskuppe" von welcher man einen idealen Blick auf die Sportstätten der Stadt hat. Mein Blick fiel dabei natürlich an erster Stelle auf das Wartburgstadion, der Ground scheint leider modernisiert wurden zu sein. An die alten Zeiten in der die Nationalmannschaft der DDR hier Länderspiele austrug erinnert, zumindest von oben, nur noch wenig. Leider war die Anlage selber geschlossen, wodurch ich keinen direkten Blick in das Stadion werfen konnte. Aktuell spielt im Wartburgstadion der FC Eisenach, die erste Mannschaft trug aber heute kein Spiel aus, wodurch es für mich nur bei dem Blick von oben blieb. Geplant war aber ohnehin ein anderes Spiel, dazu später mehr.
Nach der kleinen Wanderung durch die Innenstadt hatte ich aber noch nicht genug und entschloss mich auch noch dazu die Wartburg selber zu besteigen. Ich parkte dazu an irgendeinem Ortseingangsschild von Eisenach von dort aus führte ein Wanderweg direkt hinauf zur Burg. Oben sollte die Burg natürlich recht zahlreich von Touristen frequentiert sein, dieser Wanderweg war aber total ruhig. Sowohl bei Auf- als auch beim Abstieg begegnete ich hier keiner Menschenseele. Dabei war der Weg optimal, vielleicht zwei Kilometer lang und gut begehbar, naja die ganzen Touris schienen alle mit dem Auto hoch gefahren zu sein. Der Parkplatz war komplett überfüllt und war natürlich gebührenpflichtig. Für mich persönlich war die Wartburg jetzt nicht wirklich ein Highlight, eine Burg auf einem Berg eben. Schöner Fotopunkt das war es, aber mehr hat mich jetzt auch nicht daran gereizt. Der Blick von oben über Eisenach war auch ernüchternd, da hatte man von dem Aussichtspunkt mitten in der Stadt tatsächlich einen besseren Überblick.
Gegen 13 Uhr brach ich dann von Eisenach zum geplanten Spiel nach Ruhla auf, nach einer knapp 20 Kilometer langen Fahrt erreichte ich das "Stadion Mittelwiese". Mitten im Thüringer Wald am Rande des Rennsteiges gelegen ist der Ort vor allem für seine Wintersport-Angebote bekannt, aber auch in der Fußballwelt hinterließ Ruhla seinen Stempel, zumindest in der Geschichte des DDR-Fußballs. So spielte Ruhla Mitte der 1970er und Anfang der 80er Jahre unter dem Namen "TSG Ruhla" insgesamt drei Spielzeiten in der DDR Liga, welches die zweit höchste Spielklasse im Osten war. Heutzutage spielt man unter dem Namen SG EFC Ruhla 08, schon seit vielen Jahren nur noch in der Kreisklasse. Profifußball wird der kleine Ort eher nicht mehr zu sehen bekommen, vor dem Anpfiff hatte ich mit meiner Spiegelreflex-Kamera das mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommene Stadion ab gelichtet. Wenn ich nach Hause komme, habe ich a,so auf jeden Fall schon mal zwei neue Stadion-Fotostrecken in Reserve über die in Zukunft Artikel erscheinen werden. Mal schauen ob in den nächsten Tagen noch weitere dazu kommen.
Das angesetzte Spiel ging diesmal, im Gegensatz zu gestern, ohne Zwischenfälle über die Bühne und wurde ordnungsgemäß durchgeführt. Heute sollen laut offiziellen Angaben 40 Zuschauer vor Ort gewesen sein, welches mir heute zu niedrig gegriffen scheint. Ich würde diese Zahl sogar verdoppeln, das ganze aber erneut ohne Anwesenheitsliste und der Eintritt war auch kostenlos. Fast schon ein wenig wie früher... Nach dem Spiel ging es im Ort noch etwas essen, diesmal gab es Rahmschnitzel. Der Plan für die nächsten zwei Tage steht mittlerweile auch, morgen geht über Erfurt nach Jena wo wiederum zwei Nächte lang übernachtet wird. Morgen Montag ist auch spielfrei, für Dienstag ist aktuell ein Spiel in der Nähe von Jena angesetzt. Mal sehen ob man an dem Termin festhalten wird, oder wieder etwas dazwischen kommt. Die Auswahl an Dienstags-Spielen ist tatsächlich eher gering, wodurch man eher wenig flexibel ist, aber irgendwas wird es schon zu sehen geben.

Persönliches Frühstücks-Büfett im Hotel
Wartburg-Stadion von oben
Wartburg persönlich
Ernüchternd: Der Blick auf Eisenach
Ehemaliges DDR-Zweitliga Stadion in Ruhla
Spiel ging heute problemlos über die Bühne
Rahmschnitzel zum Abschluss

Samstag, 15. August 2020

Roadtrip 2020 - Tag 1 - Kaffeetälchen & Marksuhl

Jetzt sind wir also doch auf der Straße, eigentlich war im März eine etwa eineinhalb Wochen lange Tour durch Ost-Deutschland und Polen/Tschechien geplant, daraus wurde bekanntlich nichts. Ein plötzlicher Lockdown, machte einen harten Strich durch alle Pläne. Fünf Monate später wird die Tour nicht wirklich nachgeholt, aber eine gute Woche (vielleicht auch länger) werde ich jetzt durch Ostdeutschland reisen. Zwecks eventueller Reisewarnungen etc., wird es auf dieser Reise keine Auslandsbesuche geben. Der Fokus der Tour hat sich gezwungenermaßen natürlich auch verändert. Im März wollte ich mir eigentlich speziell die Fanszenen aus dem Osten angucken, diese gibt es natürlich nun vorerst nicht mehr zu bestaunen, wodurch nun die Amateur-Ground-Perlen in den Mittelpunkt rücken. Zum Start war eigentlich mit dem Besuch des Kaffeetälchen ein echtes Highlight geplant. Das Stadion von Kali Werra Tiefenort wird in der Groundhopper-Szene als die Stadionperle überhaupt angepriesen, und für den ersten Tag meiner Tour waren tatsächlich zwei Spiele im Waldstadion im Kaffeetälchen angesetzt. Der BSG Wismut Gera sollte mit seiner ersten und zweiten Mannschaft in Tiefenort gastieren. Scheinbar rechnete man mit einem erhöhten Zuschaueraufkommen, sodass beide geplanten Spiele gestern Abend ganz kurzfristig abgesagt werden mussten. Auf der Facebook-Seite des Gastgebers spricht man von zu hohen Anforderungen des Gesundheitsamtes, die man nicht umsetzen könne. Der erste Schlag ins Gesicht, bevor die Tour überhaupt gestartet war. Läuft. Gestern Abend noch schnell ein Alternativ-Programm zusammengestellt, dazu aber später mehr. Heute morgen gegen halb acht ging es dann los und nach einer entspannten Fahrt überquerte man nach weniger als drei Stunden die frühere innerdeutsche Grenze. Das Navigation-System war ins Kaffeetälchen programmiert, denn auch ohne Spiel wollte ich mir den Ground wenigstens angucken und tatsächlich war die Anlage sogar zugänglich. Ich konnte mit meiner Spiegelreflex-Kamera das komplette Stadion ablichten und werde die entstandenen Bilder, irgendwann in nächster Zeit in einem ausführlichen Artikel über das Stadion veröffentlichen. Die Anlage überzeugt wirklich durch ihre spezielle Lage mitten in einem Wald, ob das jetzt aber wirklich die Stadionperle ist die alle anderen übertrifft, will ich persönlich mir nicht anmaßen zu bewerten. Aber das ist ja gerade auch das schöne an unserem Hobby, es gibt so viele Plätze und Stadien zu entdecken, dass es ja fast schon unmöglich ist auf die Frage nach dem besten Ground eine Antwort zu finden. Das ist nämlich eine endlose Suche und das macht es doch gerade aus. Sicherlich werde ich aber noch einmal ins Kaffeetälchen zurückkehren um dort irgendwann auch noch ein Livespiel zu sehen.
Das geplante Alternativ-Programm bot ebenfalls eine spezielle Anlage. Die Wahl fiel auf einen Spielbesuch beim SG Marksuhl, der Ort liegt 12 Kilometer von Tiefenort entfernt. Die heimische Anlage, der "Sportplatz Weihersgrund" glänzt ebenfalls mit einer außergewöhnlichen Lage, quasi mitten in eine Kleingartensiedlung gebaut, spielt Marksuhl hier seine Heimspiele aus. Auf der Hauptgeraden grenzen sogar zwei Gärten direkt an die Außenlinie des Platzes. Die Gegengerade ist eine zweistufige Naturtribüne mitten in einem Grashang, auch die Hauptgerade hat auf einer Seite einen dreistufigen Graswall. Von beiden Seiten guckt man erhöht auf das Spielfeld und hatte von quasi überall einen perfekten Ausblick. Der Besuch hat sich in jedem Fall gelohnt, im Vergleich mit Spielen in NRW wurde hier keine offizielle Anwesensheitsliste geführt. In Thüringen scheint es auch keine einheitliche Lösung zwecks maximalen Zuschaueraufkommen zu geben. Beim Spiel in Marksuhl sollen laut fußball.de angeblich 100 Zuschauer vor Ort gewesen sein, die Zahl ist wahrscheinlich ein wenig zu hoch gegriffen. Ich würde sagen, dass es maximal 70 Leute waren, die sich am Platz aufhielten. Keine große Zahl, aber genug um ein Spiel zum Abbruch zu bringen. Die Gegner vom SV Wernshausen hatten einen farbigen Spieler in ihrem Kader, schon in der ersten Hälfte gab es immer wieder Zwischenrufe aus vereinzelten Ecken. In der zweiten Halbzeit brachte dann ein Foul des farbigen Spielers das Fass zum überlaufen, es war kein übles Foul vielmehr ein ganz normales einstiegen in einen Zweikampf. Teile des Publikums durchschritten nun aber komplett die gute Seite des Geschmacks, die Stimmung stand kurz vor der Eskalation. Auch von den Trainerbänken wurde es lauter, ziemlich unübersichtlich alles. Die Auswärtsmannschaft verließ nach den Anfeindungen gegenüber ihres Mitspielers geschlossen den Platz und kam nicht mehr wieder. Erster Tag im Osten, erster Spielabbruch... Da sage noch einer die ganzen Vorurteile wären aus der Luft gegriffen, hier bekam ich jedenfalls direkt am ersten Tag die unschöne Seite der östlichen Bundesländer präsentiert. Schade um den schönen Ground, aber mehr als 75 Minuten war mir leider nicht vergönnt. Auf den offiziellen Seiten der beiden Vereine, gibt es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch kein Statement zu dem Vorfall, ich bin mal gespannt ob da noch irgendwas kommt.
Nach dem Spiel entdeckte in Marksuhl noch ein Gasthaus, in welchem ich ein Jägerschnitzel verspeiste und von dort aus ging es dann nach Eisenach, wo ich die nächsten zwei Nächte in einem Hotel verbringen werde. Wie es danach weiter geht, weiß ich aktuell selbst noch nicht. Jetzt werde ich erst mal den morgigen Tag planen und mir dann über die weiteren Stationen der Reise Gedanken machen. Ich werde versuchen hier täglich einen Beitrag zu veröffentlichen, ob das klappt kann ich nicht versprechen. Das hängt auch immer ein bisschen mit der Internetverbindungen in den von mir gebuchten Low-Budgets Hotels ab, unter der Woche könnten die Beiträge eventuell auch erst Vormittags veröffentlicht werden da ich je nach dem was stattfindet, natürlich weitere Stadien und Grounds besuchen möchte.

Waldstadion im Kaffeetälchen
Stadionperle in Tiefenort
Naturtribüne in Marksuhl
Heimspielstätte des Marksuhler SV
Eine Bank in Marksuhl
Jägerschnitzel

Freitag, 10. Juli 2020

Groundhopping-Zwischenstopps 2019/20 - Teil 2

Die Vorsätze waren große für die Rückrunde, aber eine Pandemie zerstörte leider alle Pläne. Mit dem Corona Lockdown ging Anfang März mit einem Schlag auch die Groundhopping-Saison zu Ende. Statt einem großen Stadion-Roadtrip durch Deutschland, hieß es nun zu Hause die Zeit totschlagen. Zwischen Januar und März wurden es tatsächlich nur sechs Spiele (eines davon im Projekt der Oberliga Westfalen, welches glücklicherweise noch rechtzeitig beendet werden konnte) die ich in der Rückrunde gesehen habe. So fällt der zweite Teil des Saisonrückblicks also deutlich übersichtlicher aus, als der erste Teil welcher bereits Anfang des Jahres erschienen ist.

#22 - 5. Januar 2020 - Bonner SC gg RSV Meinerzhagen - 3:2
Freundschaftsspiel - Kunstrasenplatz an der Josefhöhe, Bonn - 250 Zuschauer


Ein ziemlich entspannter Auftakt ins Groundhopping-Jahr 2020, am ersten Wochenende des neuen Jahrzehnts trafen der Regionaligist Bonner SC und der RSV Meinerzhagen aus der Oberliga Westfalen in einem Freundschaftsspiel auf dem Kunstrasen an der Josefhöhe in der ehemaligen Bundeshauptstadt aufeinander. Der reichlich unspektakuläre Platz liegt am Parkplatz 2 des Sportpark Nord und wird von der Autobahn A565 vom Hauptspielort der Bonner getrennt, Dank einer Fußgängerbrücke ist man aber innerhalb von zwei Minuten am großen Stadion des Gastgebers. Dieses bespielt der ehemalige Zweitligist logischerweise nur bei Pflichtspielen, für die Freundschaftsspiele weicht man eben auf den benachbarten Kunstrasen auf, welche ansonsten von den Jugendmannschaften des Bonner SC´s bespielt wird. Einen Ausbau sucht man vergebens, nebenan gibt es einen Ascheplatz, welcher in Zukunft ebenfalls mit Kunstrasen ausgestattet werden soll. Namensgeber ist die anliegende Straße "An der Josefhöhe". Für einen Stopp in der Winterpause sicherlich einen Besuch wert, der Eintritt war auch kostenlos und so lockte es laut offiziellen Angaben immerhin 250 Zuschauer an den Platz. Das Fanprojekt des Bonner SC, sorgte mit Brötchen-, Kuchen- und Getränke-Verkauf für ein wenig Verpflegung. Auf dem Platz drehte der Gastgeber einen 0:2 Rückstand in der Schlussphase noch und verließ den Platz mit einem 3:2 Sieg.

#23 - 12. Januar 2020 - RKSV Groene Ster Heerlerheide gg SV OSS '20 - 0:1
Derde Divise Zondag - 17. Spieltag - Sportpark Pronsebroek, Heerlen - ca. 250 Zuschauer


Während in Deutschland der Fußball Anfang Januar noch ruhte und maximal einige Vorbereitungsspiele ausgetragen wurden, spielten unsere niederländischen Nachbarn bereits die ersten Pflichtspiele des neuen Jahres aus und das nicht nur in den Profiligen, sondern auch in den unterklassigen Amateur-Divisionen. Grund genug um meinen zweiten Ground in der "Derde Divisie Zondag" anzusteuern. Es ging zum RKSV Groene Ster, einem Stadtteilverein im limburgischen Heerlen, unweit der Deutschen Grenze. Schnell bemerkte man, dass noch zahlreiche weitere deutsche Groundhopper ihre "Winterpause" in Holland verbrachten. Im Sportpark Pronsebroek wurde jedenfalls an allen Ecken Deutsch gesprochen und über Fußball philosophiert. Die Spielstätte des RKSV ist Teil eines großen Fußballparks, mit mehreren Spielfeldern sowohl aus Echt- als auch aus Kunstrasen. Der Hauptplatz hat einen Kunstrasenbelag und eine überdachte Sitzplatztribüne mit ziemlich gemütlichen Sitzschalen, gut 150 Fans finden hier einen Platz. Der Rest des Platzes hat keinen weiteren Ausbau, der Umlauf des Stadions ist allerdings freizugänglich, sodass man die Spiele von den verschiedtesten Positionen aus verfolgen kann. Hinter einem Tor befindet sich das Vereinsheim, welches eine große Getränke und die typischen holländischen Snacks anbietet.
Der 1926 gegründete RKSV Groene Ster ist am Ende der letzten Saison in der Derde Divisie aufgestiegen, das ist die vierthöchste Spielklasse im niederländischen Fußball, höherklassig hatte der Verein bis dahin noch nie gespielt. In seiner Vereinsgeschichte machte man sich mehr einen Namen als Pokalschreck. 1944 zog man bis in das Finale ein, verlor dieses dann gegen Willem II. Auch in der laufenden Pokalsaison machte der Klub aus Heerlen wieder auf sich aufmerksam und nahm in der ersten Runde den Erstligisten VVV Venlo aus dem Pokal, bei diesem Heimspiel waren 2.500 Zuschauer im Sportpark Pronsebroek zu Gast. In der zweiten Runde musste man dann aber die Segel nach einer 3-0 Niederlage gegen AZ Alkmaar streichen. Die 2.500 Zuschauer aus dem Pokal-Heimspiel scheinen aber eine Ausnahme zu sein, bei Begegnungen in der Liga sollen im Schnitt zwischen 200 und 300 Menschen an den Platz kommen.

#24 - 15. Januar 2020 - 1. FC Monheim gg SC Schwarz-Weiß 06 Düsseldorf - 2:1
Freundschaftsspiel - Rheinstadion (Kunstrasen), Monheim am Rhein - 50 Zuschauer


Während meiner Oberliga Niederrhein Tour in der vergangenen Saison, sah ich den 1. FC Monheim auf Naturrasen im heimischen Rheinstadion spielen, der benachbarte Kunstrasen blieb während der damaligen Oberliga-Saison weitgehend unbespielt. Ein Jahr später war ich unter der Woche auf der Suche nach einem Spiel um das klassische Groundhopping-Verlangen zu befriedigen und wurde auf einer Freundschaftsspiel der Monheimer gegen Schwarz-Weiß Düsseldorf aufmerksam, das Spiel war für den Kunstrasenplatz angesetzt und da mir dieser noch fehlte in meiner Sammlung wurde das Rheinstadion erneut angefahren. Die Überraschung war groß als ich vor Ort sah, dass der Naturrasenplatz aktuell gar nicht mehr existiert. Schnell den Erstbesten gefragt, was den Sache wäre. "Stadion-Neubau für 5,5 Millionen Euro", war die schnelle Antwort. Eine kurze Internet-Recherche später, fand ich noch mehr interessante Informationen. Abgerissen wurde der alte Platz, samt kleiner Tribüne bereits für drei Monaten, der erste Spatenstich für den geplanten Neubau viel aber tatsächlich erst wenige Tage vor meinem Revisit im Rheinstadion. Die Stadt Monheim scheint ihrem FC zum 110-jährigen Bestehen ein etwas größeres Geschenk machen zu wollen, die Kosten in Höhe von 5,5 Millionen Euro trägt komplett die Stadt. 2,1 Millionen sollen für den Bau des Rasenplatzes samt Tribüne anfallen, die weiteren Kosten verteilen sich auf neue Umkleideräume für Spieler und Schiedsrichter. Nach aktuellem Plan soll das Bauprojekt bereits im September dieses Jahres abgeschlossen sein. Weitere Pläne der Stadt sehen vor danach auch den Sportfreunden Baumberg, dem Stadtrivalen des 1. FC Monheim, ein neues Fußballzentrum zu bauen. Es tut sich also einiges in der Stadt zwischen Düsseldorf und Köln und man kann davon ausgehen, dass dies also nicht der letzte Besuch im Monheimer Stadtgebiet war.
Das Spiel gegen Düsseldorf auf dem Kunstrasen verlief mehr oder weniger unspektakulär. Der Platz liegt direkt neben dem Vereinsheim, welches Dank eines Vorbaus auch überdachte Stehplätze für die Zuschauer bietet. Hinter einem Tor gibt es eine Reihe nicht überdachter Sitzplätze, welche in einen Schutzzaun installiert wurden, dies ist aber wirklich der einzige erkennbare Ausbau auf dem Kunstrasenplatz im Rheinstadion.

#25 - 26. Januar 2020 - Vitesse Arnhem gg FC Emmen - 1:1
Eredivisie - 20. Spieltag - GelreDome, Arnhem - 13265 Zuschauer


Fortuna Sittard war im September der erste Halt im niederländischen Oberhaus, nun war die Zeit da mit Vitesse Arnhem den zweiten Verein aus der Eredivisie anzufahren. Der Anstoß im GelreDome war zur Groundhopper-Freundlichen-Zeit auf Sonntags 12:30 Uhr angesetzt. Etwa Eineinviertel Stunde vor dem Anpfiff wurde mit dem Auto auf das Gelände des Stadions eingebogen, das Arenal war ohne größere Staus zu erreichen. 10€ musste man dann allerdings für einen Parkplatz blechen, dieser verläuft rund um das Stadion und man hat quasi freie Platzwahl. Der Kauf von Tickets an der Tageskasse war auch kein Problem und so hatte man noch genug Zeit einen kurzen Blick in den anliegenden Fanshop zu werfen um festzustellen, dass auch hier genau wie in Deutschland die Fanartikel zu völlig überhöhten Preisen angeboten werden. Im Stadion kann man Speisen und Getränke nur mit einer Klubkarte kaufen, welche man sich aber kostenlos und schnell besorgen kann und über mehrere Automaten problemlos aufladen kann. Angeboten wurden im Stadion die üblichen holländischen Snacks und Getränke, wer nach Schlusspfiff noch Hunger oder Durst hatte ging aber leer aus. Schon vor Ende der Partie wurden an den Verkaufsständen die Rollladen runtergelassen.
Der GelreDome steht am äußerten Rand von Arnhem, am Rande einer Autobahn und wurde zwischen 1996 und 1998 mit Auge auf die Europameisterschaft 2000 erbaut. Mit Fertigstellung des modernen Neubaus hatte Vitesse Arnhem dann auch eine neue Heimspielstätte. Das alte "Stadion Nieuw-Monnikenhuize" wurde kurz nach Eröffnung des GelreDome abgerissen, das offizielle Eröffnungsspiel gewann Vitesse im März 1998 mit 4:1 gegen NAC Breda. Drei Tage nachdem Eröffnungsspiel fand mit den Spice Girls bereits das erste Konzert im Neubau statt. Die Multifunktionsarena verfügt über ein bewegliches Spielfeld, wodurch der Rasen völlig unkompliziert durch eine Konzertfläche ausgetauscht werden kann. Auch das Dach der Arena lässt sich komplett schließen, was bei dem von mir besuchten Spiel der Fall war. Aufgrund dessen gewinnt man von außen kaum den Eindruck, dass es sich um eine Fußballarena handelt.
Während der Fußball-EM 2000 fanden in Arnhem drei Vorrundenspiele statt, außerdem wurden während der U21 EM 2007 einige Spiele im GelreDome ausgetragen.
Obwohl Vitesse seit mehreren Jahren die Eredivisie beständig unter den ersten sechs der Tabelle abschließt, schafft man es nur in den seltensten Fälle das Stadion auszuverkaufen. Die offizielle Kapazität des GelreDome beträgt mittlerweile nur noch 21.000, zu Beginn waren es 25.000 verfügbare Plätze. Der Zuschauerschnitt von Vitesse beträgt aber nur etwa 14.000, zum Spiel mit der frühen Anstosszeit kamen sogar nur 13.000 Fans. Die Stimmung war auch ziemlich enttäuschend, organisierten Support gab es überhaupt keinen. Der Gästeblock war mit etwa 150 mitgereisten Fans aus Emmen auch kaum gefüllt. Ziemlicher Downer das Spiel, aber was solls. Immerhin den zweiten Ground der Eredivisie erfolgreich abgehackt.

#26 - 26. Januar 2020 - Sportclub Bemmel gg TVC ´28 - 1:1
Eerste Klasse Zondag E - 13. Spieltag - Sportpark Ressen, Ressen - ca. 100 Zuschauer


Direkt nach dem Schlusspfiff in Arnheim ging es ohne größere Abreiseprobleme direkt weiter ins etwa 15 Kilometer entfernte Ressen, wo der Sportclub Bemmel im Sportpark Ressen noch ein Ligaspiel in der "Eerste Klasse Zondag" austragen sollte. Ursprünglich war das Spiel für 14:30 Uhr angesetzt, wurde dann aber allem Anschein nach auf 14:00 Uhr vorverlegt, wodurch man leider die erste Hälfte der ersten Halbzeit verpasste. Die "Eerste Klasse" in welcher der Sportclub Bemmel spielt ist eine reine Amateurliga, welche in elf verschiedene Gruppen á 16 Teams aufgeteilt wird. Bemmel spielt in der Gruppe "Oost Zondag E", hier trifft man ausschließlich auf Teams aus der näheren Umgebung. Im gesamten niederländischen Ligensystem stellt die Eerste Klasse die 6. Liga dar. Höherklassig spielte der Sportclub Bemmel noch nie, gegründet wurde man 1946 kurz nach Ende des 2. Weltkrieges. Highlight der Vereinsgeschichte war ein Freundschaftsspiel gegen PSV Eindhoven anlässlich des 50. Vereinsjubiläums im Jahr 1996. Der Sportpark Ressen wurde im August 2000 eröffnet und ist seit dem die Heimspielstätte des SC Bemmel. Blickfang auf dem Hauptplatz ist eine Sitzplatztribüne aus Stahlträgern die etwa 300 Plätze bietet. Weiterer Ausbau ist bis auf eine Anzeigetafel, keiner zu erkennen. Dank der Tribüne aber doch ein sehenswerter Ground und im Vereinsheim gibt es eine große Auswahl an Speisen und Getränken, sowie eine ausführliche Sammlung an Trikots und Schals welche sowohl die Wände als auch die Decke zieren. Mit Ende der Partie ging ein schöner Niederländischer Doppler zu Ende und die Heimreise wurde angetreten.

Mittwoch, 17. Juni 2020

Historische Grounds #05 - Grotenburg-Stadion in Krefeld

Mit Veröffentlichung dieses Beitrag war es genau 25 Jahre her, als der FC Bayer 05 Uerdingen sein letztes Spiel als Werksmannschaft austrug. Am Ende der Bundesliga-Saison 1994/95 zog sich die Bayer AG als Sponsor vom Krefelder Verein zurück und aus Bayer Uerdingen wurde der KFC Uerdingen. Am 17. Juni 1995 verabschiedete man den langjährigen Hauptsponsor mit einem 3:2 Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach, dadurch wurde auch der vor Saisonbeginn wenig wahrscheinliche Bundesliga-Klassenerhalt endgültig in trockene Tücher gebracht. Eine Saison später folgte dann unter neuem Namen der Abstieg in die 2. Bundesliga, der Beginn eines steilen Abstiegs, welcher Ende der 2000er Jahre sogar in die sechstklassige Verbandsliga führen sollte. In den letzten Jahren wendete sich das Blatt in Uerdingen aber wieder und man marschierte innerhalb von zwei Spielzeiten von der Oberliga über die Regionalliga bis in die 3. Liga und war damit wieder im überregionalen Fußball angekommen. Der Meistertitel der Regionalliga West in der Saison 2017/18 und der damit verbundene Aufstieg (nach Relegationssieg gegen Waldhof Mannheim) wurde aber auch mit einem weinenden Auge aufgenommen, stellte er doch auch vorerst das Ende der Uerdinger Heimspielstätte da. Das legendäre Grotenburg-Stadion entsprach nicht den DFB-Richtlinien für Partien in Liga drei, sodass der KFC in seiner ersten Drittliga-Saison nach Duisburg ausweichen musste und mittlerweile in Düsseldorf seine Heimspiele austrägt. Eine Rückkehr in die Grotenburg ist aktuell für die Saison 2021/22 geplant, sollte die Sanierung der Spielstätte bis dahin abgeschlossen sein. Wie wichtig die Festung Grotenburg für den KFC ist, zeigt ein kurzer Blick in die Statistik. Bereits für das Relegationshinspiel gegen Waldhof Mannheim musste der KFC nach Duisburg ausweichen, zu diesem Zeitpunkt war man auf Ligaebene in der heimischen Grotenburg seit über zwei Jahren ungeschlagen. Somit ist bis heute (Stand: Juni 2020) der FC Bocholt das letzte Team, welches den KFC Uerdingen bei einem Ligaspiel in der Grotenburg besiegen konnte. Bocholt gewann am 3. April 2016 mit 1:2, eine weitere Niederlage gab es nur noch im Februar 2018 als Uerdingen das Viertelfinale im Niederrheinpokal vor heimischer Kulisse mit 0:2 gegen Rot Weiss Oberhausen verlor.
Sollte die anvisierte Rückkehr in die Grotenburg in der Saison 2021/22 Realität werden, würde die Geschichte der Traditionsspielstätte weiter geschrieben. Diese Geschichte begann mit der Eröffnung am 18. September 1927, damals noch unter dem Namen Grotenburg-Kampfbahn. Fußball spielte in der Anfangszeit der Grotenburg maximal eine Nebenrolle, trotzdem fand bereits während der Eröffnung ein Fußballspiel im neuen Stadion statt. Im Rahmen eines großen Sportfestes trat eine  Krefelder Stadtauswahl gegen den DFC Prag an, weder das Ergebnis noch die Zuschauerzahl scheint überliefert. Die Grotenburg-Kampfbahn hatte nach der Eröffnung ein Fassungsvermögen von 12.000 Zuschauern inklusive einer Tribüne auf der heutigen Nordseite, die restlichen Seiten waren damals noch reine Stehwälle. Hauptsächlicher Nutzer der Anlage waren damals Leichtathleten, für die das Stadion ursprünglich auch gebaut wurde. In den Anfangsjahren veränderte sich das Erscheinungsbild der Grotenburg kaum, trotzdem stellte ein Fußballspiel im September 1936 einen ersten Zuschauerrekord auf. 18.000 Menschen verfolgten ein Länderspiel zwischen Deutschland und Luxemburg, welches die DFB Elf mit 7:2 gewinnen konnte, Doppeltorschütze damals die Schalker Legende Ernst Kuzorra. Es ist bis heute das einzige Länderspiel der A-Nationalmannschaft, welches in Krefeld ausgetragen wurde. Der Fußball rückte erst ab den 1960ern Jahren verstärkt in den Fokus der Grotenburg, es war allerdings der benachbarte TUS Duisburg 48/99 (in anderen Quellen auch TSV Duisburg 48/99), der die Grotenburg erstmals als seine Heimspielstätte bezeichnen durfte. Der TUS qualifizierte sich 1963 für die neu geschaffene Regionalliga West, damals die zweithöchste Spielklasse unter der Bundesliga. In Duisburg gab es damals einen Überschuss an Vereinen und das Wedau-Stadion war bereits die Spielstätte von drei anderen Mannschaften. Der TUS entschied sich deshalb für den Umzug nach Krefeld, dies schmeckte wiederum den dortigen Vereinen nicht, die einen Zuschauereinbruch befürchteten. Der Fall landete schlussendlich vor einem Sportgericht, welches dem TUS die Spielgenehmigung für die Grotenburg erteilte. Nach einer Saison war das Intermezzo aber bereits wieder beendet, der TUS Duisburg stieg als Tabellenvorletzter ab und verschwand nach einer Fusion mit dem Duisburger SpV kurze Zeit später sogar ganz vor der Bildfläche. Was bleibt von der Duisburger Zeit in der Grotenburg sind 12.000 Zuschauer, die jeweils zu den Spielen gegen Aachen und Düsseldorf kamen. Danach lag die Grotenburg aus fußballerischer Sicht zunächst wieder brach. Am 12.7.1969 waren es dann erneut Vereine von außerhalb der Krefelder Stadtgrenzen, die die Grotenburg mit 12.000 Zuschauern füllten. Im Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft besiegte damals der SC Jülich die SpVgg Erkenschwick mit 2:1.
Erst ab den 1970er Jahren spielte dann endlich eine Krefelder Fußball-Mannschaft dauerhaft in der Grotenburg und die Geschichte des 1953 entstandenen FC Bayer 05 Uerdingen und des Grotenburg Stadions sind bis heute eng miteinander verbunden. Fußball wurde in Uerdingen, welches erst seit 1929 zu Krefeld gehört, zuvor war man eigenständig, bereits vor 1953 gespielt. Der Stammverein FC Uerdingen 05 wurde im November 1905 gegründet, dieser fusionierte während des 2. Weltkriegs mehrfach mit verschiedenen Krefeldern Vereinen, meist erfolglos. Erst die Fusion 1953 mit der Uerdinger Werkssportgruppe der Bayer AG war der Startpunkt zu einer Jahrzehnten langen Erfolgsgeschichte. Bayer startete nun durch und arbeitete sich im Ligensystem immer weiter nach oben, 1971 war der Aufstieg in die zweitklassige Regionalliga West der vorläufige Höhepunkt. Nun stand man vor einer Stadionfrage, die eigentliche Heimspielstätte, das Stadion am Löschenhofweg, entsprach nicht mehr den Standarts. So zog man vom Stadtteil Uerdingen nach Krefeld-Bockum in die Grotenburg-Kampfbahn und fand hier seine neue Heimat. Mit Einzug der Bayer-Elf veränderte sich zusehend auch das Erscheinungsbild des Stadions in direkter Nachbarschaft zum Krefelder-Zoo. Das Fassungsvermögen von 18.000 reichte in den drei Regionalligaspielzeiten zwischen 1971/72 und 1973/74 noch aus, doch schnell begannen Planungen das Stadion weiter auszubauen. Mit der Qualifikation zur neu gegründerten 2. Bundesliga Nord in der Saison 1974/75 begannen die Erweiterungsmaßnahmen und wurden rechtzeitig zum ersten großen Spiel der Uerdinger Fußballgeschichte fertiggestellt. Die Saison in der 2. Bundesliga Nord beendete man hinter Meister Hannover 96 auf Platz zwei, dies hatte zwei Aufstiegsspiele gegen den zweiten der Südstaffel zur Folge. Man bekam es mit dem FK Pirmasens zu tun, das Hinspiel ging 4:4 aus, Uerdingen musste das Rückspiel in der Grotenburg nur gewinnen und der erste Bundesliga-Aufstieg wäre in Stein gemeißelt. Gesagt, getan! Pirmasens war in der Grotenburg chancenlos und wurde mit 6:0 sprichwörtlich an die Wand gespielt, das Spiel sahen 22.000 Zuschauer, die damit einen neuen Zuschauerrekord aufstellten. Mit dieser Partie wurde die Haupttribüne auf der Südseite eingeweiht, diese umfasst 4.000 Sitzplätze in Kombination mit 3.500 vorgelagerten überdachten Stehplätzen. In der Bundesliga hielt man sich zunächst nur eine Saison, trotzdem wurde die Grotenburg weiter ausgebaut. 1976 wurden dank der finanziellen Unterstützung der Bayer AG die mittlerweile vom DFB geforderte Flutlichtanlage installiert. Mit dem zweiten Uerdinger Bundesliga-Aufstieg 1979 begann der Ausbau der Westkurve, diese bot nach Fertigstellung 10.210 Zuschauern Platz und wurde im Dezember 1979 im Rahmen eines Bundesligaspiels gegen den 1. FC Köln eingeweiht. Das Fassungsvermögen stieg somit weiter auf nunmehr 28.000, ausverkauft wurde die Grotenburg zunächst aber nicht mehr. Einen neuen Zuschauerrekord gab es im Mai 1980, als 25.000 Menschen ein Abstiegsduell gegen den MSV Duisburg sehen wollten. Uerdingen konnte damals gewinnen und hielt sich für ein weiteres Jahr im deutschen Fußballoberhaus, bevor man ein Jahr später wiederum den Gang in die mittlerweile eingleisige 2. Bundesliga antreten musste. Dies war der Beginn der wilden 80er Jahre in Uerdingen, die von zahlreichen Highlights geprägt sein sollten.
Ein erstes Highlight waren die Bundesliga Relegationsspiele gegen Schlake 04 im Juni 1983, zum Hinspiel kamen 26.000 Fans und sahen einen 3:1 Uerdinger Sieg, welcher den Grundstein zum dritten Bundesliga Aufstieg darstellte. Im Buch "111 Gründe, den KFC Uerdingen zu lieben", ordnet Autor Christian Krumm diese Relegationsspiele gegen Schalke noch vor weiteren großen Spielen ein die in den nächsten Jahren noch folgen sollten. Zurück in der Bundesliga purzelt im November 1983 der nächste Zuschauerrekord, als 27.000 Zuschauer dem Niederrhein-Derby Bayer Uerdingen gegen Borussia Mönchengladbach beiwohnten. Im Oktober 1984 wird die erste Anzeigetafel in der Grotenburg installiert, weitere Baumaßnahmen folgten in der Sommerpause 1986.
Davor gab es aber noch das Spiel der Spiel. Der Tag, an dem die Grotenburg weltberühmt wurde und sich für immer in den Geschichtsbüchern verewigte. Bayer Uerdingen hatte sich durch den sensationellen Sieg im DFB Pokal Finale 1985 gegen den FC Bayern München für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert, spielte sich bis in das Viertelfinale vor und bekam hier Dynamo Dresden aus der DDR zugelost. Vor allem für die Vereine aus dem Osten waren diese Ost-West Duelle immer von besonders hohem Erwartungsdruck geprägt, Dresden gewann das Hinspiel 2:0 und trat am 19. März 1986 zuversichtlich die Reise in den Westen an. Als man nach der ersten Halbzeit 1:3 führte, schien der Halbfinaleinzug von Dynamo nur noch Formsache zu sein, doch es folgten 45 Minuten, die heute als "Das Wunder von der Grotenburg" bekannt sind. Bayer Uerdingen schoss in der zweiten Halbzeit sechs Tore, gewann das Spiel mit 7:3 und zog in das Europapokal Halbfinale ein. Ein Spiel zu dem es zahlreiche weitere Geschichten, sowohl auf als auch neben dem Platz gibt. So war es beispielsweise für Dynamo Torwart Bernd Jakubowski das letzte Spiel seiner Karriere, als er sich bei einem Zusammenprall in der ersten Halbzeit die Schulter brach und nie wieder ein Spiel bestreiten konnte. Der Dresdner Spieler Frank Lippmann setzte sich nach dem Spiel von seiner Mannschaft ab und verblieb in der Bundesrepublik. Zu dem Spiel gibt es unzählige Literatur, unter anderem eine 45-minütige WDR Dokumentation oder das Buch "Weltjugend bis Kernschmelze: 10 Tore für die Ewigkeit" von Steffen Pockart, welches aber aus Dynamo Sicht verfasst wurde. Von den Fachjournalisten der "11Freunde" wurde die Begegnung zwischen Uerdingen und Dresden zum "größten Fußballspiel aller Zeiten" gewählt. Im Halbfinale bekam es Bayer Uerdingen mit Atletico Madrid zu tun, hier schied man zwar aus, konnte die Grotenburg aber erstmals in der Geschichte bis auf den letzten Platz ausverkaufen. In der Bundesliga erlebte man ebenfalls seine erfolgreichste Spielzeit und fand sich am Ende der Saison 1985/86 auf dem dritten Tabellenplatz wieder.
Diese sportlichen Erfolge hatten dann den weiteren Ausbau der Grotenburg im Sommer 1986 zur Folge, so wurde die alte Nordtribüne abgerissen und durch eine neue reine Sitzplatztribüne ersetzt, auch die Ostkurve wurde entfernt und durch eine unüberdachte Stehplatztribüne mit Platz für 12.000 Zuschauer ersetzt. Ebenfalls die Südtribüne wurde im Zuge dieser Baumaßnahmen modernisiert. Nach dem die gesamten Umbaumaßnahmen abgeschlossen waren, war die Grotenburg-Kampfbahn Geschichte und nun mehr eine reine Fußballarena, da man die Leichtatheltik-Laufbahn entfernt hatte, in Zuge dessen wurde der Beiname Kampfbahn aus dem Stadionnamen gestrichen und offiziell in "Grotenburg Stadion" abgeändert, welches nun 30.000 Menschen fassen konnte. Ausverkauft wurde das Stadion unter dem neuen Namen erstmals im November 1986, als der FC Barcelona im Uefa-Pokal Achtelfinale zu Gast in Krefeld war. Das war gleichzeitig bis heute auch der letzte große internationale Auftritt einer Uerdinger Fußballmannschaft. Ende der 80er und Anfang der 90er-Jahre war die Bayer-Elf noch mehrfach im Intertoto Cup aktiv und konnte diesen viermal gewinnen, die Uerdinger sind damit Rekordsieger des 2008 eingestellten Wettbewerbs.
Nach Fertigstellung der Ostkurve stieg das Fassungsvermögen weiter auf 35.700 Zuschauer an und gilt als die größte Zuschauerkapazität welche die Grotenburg jemals fassen konnte. Als 1990 eine neue digitale Anzeigetafel in der Ostkurve installiert wurde, musste das Fassungsvermögen erstmals nach unten korrigiert werden und betrug daraufhin noch 34.500. Die alte Anzeigetafel in der Westkurve, welche noch von Hand bedient werden musste, verschwand aus der Grotenburg und steht nun in der "Hubert-Houben-Kampfbahn" im Krefelder Stadtteil Kliedbruch.
Der bis heute gültige Zuschauerrekord der Grotenburg ist datiert auf den 5.11.1994, als der FC Bayern München mal wieder in Krefeld gastierte. Das Spiel endete aus Uerdinger Sicht mit einem umjubelten 1:1 unentschieden. Es war gleichzeitig auch das letzte Mal, dass man die Bayern als Bayer Uerdingen empfang. Am Ende der Saison zog sich die Bayer AG dann als Sponsor zurück und der KFC Uerdingen war geboren. Unter dem neuen Namen verbrachte man dann noch eine Saison im Oberhaus, bevor man 1996 abstieg. 14 Jahre war man somit Teil der ersten Bundesliga. Mit dem Ausstieg von Bayer und den Abstieg aus der Bundesliga begannen der langsame Untergang des Traditionsklubs. Auch das Grotenburg-Stadion wurde immer mehr vernachlässigt und kam in die Jahre, trotzdem blieb es auch in den dunkelsten Zeiten die Heimspielstätte der Uerdinger. Selbst in der Verbandsliga spielte man noch im altgedienten Stadion, nur hießen die Gegner nun nicht mehr Bayern oder Mönchengladbach sondern Viktoria Goch oder FC Wülfrath. Zeitweise stand die Zukunft des Stadions sogar auf ganz wackeligen Beinen, so gab es Ende der 1990er Jahre den Plan für ein "Grotenburg-Einkaufcenter" auf dem Standort des Stadions, auch den Plan, das Stadion in den benachbarten Zoo zu integrieren, wurde nie verwirklicht. Im Vorlauf zur Fußball-WM 2006 fand in der Grotenburg ein Testspiel zwischen den Nationalmannschaften der Türkei und Mazedonien statt, welches von 5.500 Zuschauern vor Ort verfolgt wurde. Für ein Spiel der Deutschen Frauen-Nationalelf gegen Italien kamen im selben Jahr sogar 16.000 Fussballinteressierte ins Grotenburg-Stadion. Der KFC Uerdingen steckte zu diesem Zeitpunkt schon in einer finanziellen Notlage und hatte gerade seinen zweiten Insolvenzantrag eingereicht, konnte Dank eines Retterspiels gegen FC Bayern die klammen Kassen aber erst mal wieder füllen. Über 18.000 Zuschauer strömten im Januar 2006 in die Grotenburg um den Rekordmeister gegen die mittlerweile in der Oberliga spielenden Uerdinger zu sehen. 2007 folgte aber schon das nächste Insolvenzverfahren gegen die Uerdinger, diesmal half der Uerdinger Rekordspieler Friedhelm Funkel seinem ehemaligen Verein, er trainierte zu diesem Zeitpunkt Eintracht Frankfurt und gastierte zum nächsten Retterspiel in der Grotenburg. 2008 folgt mit dem Abstieg in die Niederrheinliga der Tiefpunkt in der Uerdinger Fußball-Geschichte, einzige Konstante in diesen Jahren war tatsächlich das Uerdinger Maskottchen, der Grotifant schaffte es durch skurrile Aktionen immer wieder in die überregionale Presse. Namensgeber und Heimat des Grotifanten, das Grotenburg-Stadion wurde in diesen Jahren sich selbst überlassen, was zur Folge hatte, dass die Stadt Krefeld im Jahr 2013 sämtliche Stehplatzberiche wegen akuter Sicherheitsmängel schließen musste. Die Ostkurve wurde bis heute nicht mehr geöffnet, die Westkurve hingegen wurde ertüchtigt und teilweise wieder eröffnet. Zeitweise war das Fassungsvermögen auf unter 10.000 gesunken, nach der Reparatur der Westkurve stieg die Kapazität wieder auf 13.100 Plätze.
In der jüngsten Vergangenheit hat sich der KFC Uerdingen sportlich wieder stabilisiert, auch Dank des Einstieges des russischen Investors Michail Ponomarew. Doch für die Grotenburg kam der schnelle Aufstieg in die 3. Liga zu schnell, dass das Stadion nicht drittligafähig ist wusste man schon länger. Gekümmert hat sich um die Modernisierung aber niemand, so musste der KFC erst nach Duisburg und mittlerweile nach Düsseldorf ausweichen. Im November 2018 stellte der Krefelder Stadtrat 10 Millionen Euro für die erforderlichen Baumaßnahmen zur Verfügung. Der wirkliche Beginn der Ertüchtigung der Grotenburg soll aber erst rund ein Jahr später im Winter 2019 begonnen haben. Nach Abschluss der Arbeiten soll das Grotenburg-Stadion eine Kapazität von rund 11.000 Plätzen haben, darunter 1.200 Sitzplätze für Gästefans auf der Nordtribüne und ein Teil der zuvor maroden Westkurve soll zum Stehplatz-Bereich der Gäste werden. Vor der Saison 2021/22 wird der KFC aber nicht in seine Kultstätte zurückkehren können und weiter im Düsseldorfer Exil spielen müssen. Ob die Grotenburg seinen alten Scharm auch nach der abgeschlossenen Renovierung haben wird, ist fraglich. Wir werfen jedenfalls noch einmal einen Blick auf das Grotenburg-Stadion in seiner ursprünglichen Form, die folgenden Fotos wurden bereits am 2. November 2018 aufgenommen.

Das Grotenburg-Stadion befindet sich im Krefelder Stadtteil Bockum
Erbaut wurde das Stadion bereits 1927,
Heimat des KFC Uerdingen ist es seit 1971
Einer der Eingänge zum Stadion
Die Kassenhäuschen
Auf dem Stadiongelände selbst stehen noch weitere Kassenhäuser
Hier ein Kassenhaus am Gästeeingang
Der Lageplan des Grotenburg-Stadions
Auf dem Gelände gibt es verschiedene Fan-Shops
Das KFC Logo neben dem Wappen der ehemals
eigenständigen Stadt Uerdingen
Die Fanecke des Supporters Club Krefeld
Auch eine gemeinnützige Organsistion welche den Jugendsport unterstützt
Ein Blick in das Stadion von der Westkurve aus
Die Westkurve besteht ausschließlich aus Stehplätzen
Die Westkurve wurde 1979 erweitert und vergrößert
2013 wurde die Westkurve erneuert, zuvor blieb diese jahrelang ungenutzt
Und ein Blick von der Westkurve auf die Südtribüne
Die Südtribüne ist eine Kombination aus Steh- und Sitzplätzen
Ein Blick von der Ostkurve auf die 1975 erbaute Südtribüne
Rund 4000 Zuschauer sollen auf der Südtribüne Platz finden
Ein Blick in das Grotenburg-Stadion von der Osttribüne
Auch die Osttribüne bestehend nur aus Stehplätzen
Die Osttribüne wurde ab 1986 eingerichtet,
war aber ab 2013 für Zuschauer auf Grund von Baumängeln gesperrt
Ebenfalls auf der Osttribüne findet man die Anzeigetafel der Grotenburg
Ein Blick von der Osttribüne auf die Nordtribüne
Die Nordtribüne ist eine reine Sitzplatztribüne
1986 wurde diese erbaut und bietet 6000 Zuschauern Platz
Auf der Nordtribüne werden die Gästefans beheimatet
Dazu trägt die Nordtribüne die Aufschrift "Grotenburg Stadion Krefeld"
Insgesamt vier Flutlichtmasten machen Abendspiele möglich
Wie die Grotenburg in Zukunft aussehen wird ist ungewiss...
... aber der Nostalgie Faktor könnte verloren gehen.



Im Dezember 2019 erschien in der Reihe 111 Gründe ein Buch über den KFC Uerdingen, Autor Christian Krumm blickt hier, teilweise auch aus persönlicher Sicht, auf die Geschichte des KFC Uerdingen zurück. In Vorbereitung auf diesen Artikel habe ich das Buch durchgelesen.
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Dies war der fünfte Teil unserer Serie über historische Fußballstadien, zuvor blickten wie bereits auf das mittlerweile abgerissene Stadion am Hermann-Löns-Weg in Solingen, das Röntgen Stadion in Remscheid, auf das Jahnstadion in Mönchengladbach und die Westkampfbahn in Düren. Folgt mir bestenfalls auf Twitter und erfahrt dort sofort wenn ein neues Feature erscheint.