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Montag, 1. September 2025

Historische Grounds #10 - Kampfbahn Glückauf in Gelsenkirchen

Wer heute ein Heimspiel des FC Schalke 04 besucht, steht inmitten einer modernen Fußballwelt: Die Veltins Arena, im Stadtteil Erle gelegen, zählt zu den größten und technisch fortschrittlichsten Stadien Europas. Nur wenige Kilometer südwestlich jedoch, im eigentlichen Stadtteil Schalke, befindet sich ein weit weniger bekanntes, aber historisch umso bedeutsameres Bauwerk: die Glückauf-Kampfbahn, auch bekannt als Kampfbahn Glückauf.
Im Jahr 1928 eröffnet, war sie über Jahrzehnte hinweg die sportliche Heimat des FC Schalke 04 und Schauplatz einer der erfolgreichsten Epochen des Vereins. Hier entwickelte sich der legendäre Schalker Kreisel, hier wurden Meisterschaften errungen, und hier spiegelte sich die enge Verbindung zwischen Fußball und Bergbau, wie sie wohl kein anderer Ort verkörpert. Die Glückauf-Kampfbahn liegt nur wenige Gehminuten von der ehemaligen Zeche Consolidation entfernt, deren Schächte das Stadtbild bis heute prägen.
Die Anlage befindet sich im dicht besiedelten Stadtteil Schalke, nördlich des Gelsenkirchener Zentrums, eingebettet in ein Wohngebiet, das bis heute den Charakter einer klassischen Ruhrgebiets-Arbeitersiedlung trägt. Die Nähe zur Zeche war kein Zufall: Der FC Schalke 04 verstand sich als Verein der Kumpel, gegründet und getragen von Arbeitern aus dem Bergbauumfeld, deren Alltag von Schichtdienst, Kohleförderung und kollektiver Solidarität geprägt war. Ein eigenes Stadion in unmittelbarer Nähe zu den Lebens- und Arbeitswelten seiner Anhänger zu errichten, entsprach dieser Identität auf eindrückliche Weise.
Zuvor hatte der Verein auf einem provisorischen Platz an der Grenzstraße gespielt welcher ein Fassungsvermögen von 5.000 Plätzen hatte, doch mit dem sportlichen Aufstieg der Mannschaft wurde der Wunsch nach einer modernen Spielstätte immer dringlicher. Teilweise 40.000 Zuschauer wollen die Schalker in der Endrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1927 sehen. Das Achtelfinalspiel gegen 1860 München wird daher in der Dortmunder Kampfbahn Rote Erde ausgetragen. Zu diesem Zeitpunkt begann bereits die Planung eines eigenen Stadions, unterstützt von der Zeche Consolidation, die das nötige Gelände zur Verfügung stellte. Schon allein die Standortwahl war ein deutliches Bekenntnis zur eigenen Herkunft und verankerte das neue Stadion tief im sozialen und räumlichen Gefüge des Stadtteils.
Das erste Fußballspiel in der Glückauf-Kampfbahn fand am 25. August 1928 statt, als die Schalker in einem Freundschaftsspiel auf dem amtierenden Westdeutschen Meister SpVgg Sülz trafen. Mit einer ursprünglichen Kapazität von rund 34.000 Zuschauern zählte die neue Anlage zu den größeren im Revier. Die Bauweise entsprach dem damaligen Standard – einfache Erdwälle und unüberdachte Stehränge prägten das Bild. Der Name vereinte zwei starke Begriffe: „Kampfbahn“, ein zu jener Zeit gängiger Begriff für Sportanlagen, und „Glückauf“, den traditionellen Gruß der Bergleute, der sinnbildlich für die Hoffnungen, Risiken und den Zusammenhalt des Arbeitslebens unter Tage stand. Offiziell wurde die Kampfbahn Glückauf eine Woche nach dem Spiel gegen die Kölner feierlich eröffnet. Am 2. September 1928 wurde das Stadion mit einem großen Sportfest offiziell eingeweiht. Feldhandball, Leichtathletikwettbewerbe und ein Fußballspiel zwischen Schalke 04 und Tennis Borussia Berlin was der Gastgeber mit 3:2 gewann, waren Teil der Eröffnungsfeier. 
Eine überdachte Sitzplatztribüne fehlte zunächst. Erst 1936, als der Verein bereits zwei deutsche Meisterschaften errungen hatte und sich auf dem sportlichen Zenit befand, wurde eine Stahltribüne auf der Westseite errichtet. Sie maß 114 Meter in der Länge, ruhte auf schmalen Stützen und verfügte über verglaste Seitenwände – ein für damalige Verhältnisse beachtliches Bauwerk. Die massive rückwärtige Wand aus Bruchstein ist bis heute erhalten geblieben und steht unter Denkmalschutz. Sie zählt zu den wenigen baulichen Zeugnissen der Vorkriegszeit, die im Ruhrgebiet erhalten geblieben sind, und ist untrennbar mit der Geschichte des Vereins und seiner Umgebung verbunden.
Ein spektakuläres Kapitel schrieb die Kampfbahn jedoch bereits im Juni 1931. Nach einer Sperre der ersten Mannschaft wegen verbotener Handgelder tauchte Schalke wieder auf der Bildfläche auf und bestritt am 1. Juni ein Freundschaftsspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Obwohl das Stadion offiziell nur 34.000 Zuschauer fasste, strömten laut Zeitzeugenberichten rund 70.000 Menschen herbei. Sie drängten sich durch Zäune, besetzten Tribünendächer, Tornetze und Fahnenmasten, hooliganartige Szenen waren nie zu beobachten. Es war ein Sakrament der Solidarität: Heimkehr der Mannschaft, Triumph des Vereins über offizielle Verbände. Und natürlich gewannen die Gastgeber mit 1:0 durch Hennes Tibulski.
In den Jahren nach dem spektakulären Spiel gegen Düsseldorf entwickelte sich die Glückauf-Kampfbahn endgültig zum Zentrum des deutschen Fußballs. Zwischen 1934 und 1942 gewann der FC Schalke 04 insgesamt sechs deutsche Meisterschaften. Alle Heimspiele dieser goldenen Generation wurden in der Kampfbahn ausgetragen. Die Schalker dominierten das Geschehen mit einer Spielweise, die unter dem Namen „Schalker Kreisel“ in die Fußballgeschichte einging. Kurzes Passspiel, ständiges Kreisen des Balls und eine bis dahin ungeahnte technische Überlegenheit prägten diesen Stil. Diese neue Form des Spiels begeisterte nicht nur die Fans im Ruhrgebiet, sondern fand bald landesweit Beachtung.
Die Heimspiele in der Glückauf-Kampfbahn wurden zu gesellschaftlichen Ereignissen. Trotz wirtschaftlicher Not, politischer Repression und den Herausforderungen der Kriegszeit strömten die Menschen in Scharen ins Stadion. Es war ein Ort der Identifikation, der Ablenkung und des Stolzes zugleich. Während andernorts die Stadien meist nüchtern und funktional blieben, entwickelte sich in Schalke eine geradezu mythologische Atmosphäre. Die enge Lage zwischen den Zechensiedlungen, der dunkle Kohlestaub in der Luft, der Zusammenhalt der Fans auf den Stehrängen. All das verlieh den Spielen einen Charakter, der tief in der Region verwurzelt war.
Trotz der schweren Zerstörungen gegen Kriegsende wurde die Glückauf-Kampfbahn im Juli 1946 wieder für den regulären Spielbetrieb freigegeben. Das erste Nachkriegsspiel bestritt Schalke am 14. Juli 1946 gegen Westfalia Herne und gewann vor 30.000 Zuschauern mit 5:0. Ende 1944 war das Stadion durch Bombenangriffe stark beschädigt worden, laut städtischer Chronik sogar fast vollständig zerstört. Doch bereits ein halbes Jahr nach Kriegsende wurden die nötigsten Reparaturen durchgeführt, um die Anlage wieder nutzbar zu machen. Ab 1950 ergänzte man Kassenbereiche, 1956 folgte die Installation einer Flutlichtanlage. Die Einrichtung der Kassen war ein wichtiger Schritt, um dem wachsenden Problem gefälschter Eintrittskarten zu begegnen. In den Jahren nach dem Krieg kam es immer wieder zu unkontrollierten Zuschaueranstürmen.
Beim Halbfinale um die Zonenmeisterschaft im Jahr 1947 zwischen Schalke und dem Hamburger SV wurden 19 Menschen verletzt. Besonders dramatisch war die Situation beim Revierderby am 12. März 1950 gegen Borussia Dortmund. Über 60.000 Zuschauer strömten in die Kampfbahn, die Polizei hatte das gesamte Stadtgebiet von Gelsenkirchen im Vorfeld zum Sperrgebiet für Kraftfahrzeuge erklärt, ohne nennenswerten Erfolg. Während des Spiels kam es zu schweren Zwischenfällen. 30 Zuschauer wurden verletzt, ein Bergmann erlag wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Im Rahmen der Nachkriegsinstandsetzungen erhielt die Glückauf-Kampfbahn bereits in den frühen 1950er Jahren weitere wichtige Verbesserungen. Besonders bemerkenswert ist die Erweiterung der Haupttribüne im Jahr 1953: Zu den bereits seit 1936 vorhandenen Sitzplätzen kamen zusätzliche Kapazitäten, um dem steigenden Besucherandrang gerecht zu werden.
Damit setzte der Club eine länger geplante Modernisierung fort, die bereits 1950 mit dem Einbau neuer Kassenbereiche begann und 1956 mit der Installation einer Flutlichtanlage abgeschlossen wurde. Diese kaskadenartige Entwicklung von der Tribünenerweiterung über Ticketkontrolle bis zu Flutlicht zeigt, wie wichtig Schalke es war, die Kampfbahn zukunftsfähig zu halten.
Auch der Deutsche Fußball-Bund wusste die Vorzüge des Stadions an der Kurt Schumacher Straße zu schätzen. Im Jahr 1954 trat die deutsche B-Nationalmannschaft in der Glückaufkampfbahn gegen die B-Auswahl Englands an. Vor rund 40.000 Zuschauern unterlagen die Deutschen deutlich mit 0:4. In den Jahren darauf diente das Stadion vereinzelt auch als Ausweichspielort für andere Vereine. So trug der SV Sodingen zwei seiner Begegnungen in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft auf Schalke aus. Für das dritte Spiel musste jedoch ins Müngersdorfer Stadion nach Köln ausgewichen werden, da die Platzverhältnisse in der Glückauf-Kampfbahn kein reguläres Spiel mehr zuließen.
Erstmals wurde die Schalker Kampfbahn in der Saison 1958/59 zum Schauplatz internationaler Vereinswettbewerbe. Im Europapokal der Landesmeister traf Schalke am 26. August 1958 im Hinspiel in Kopenhagen auf Kjøbenhavns Boldklub und verlor klar mit 0:3. Doch das Rückspiel am 17. September 1958 in der Glückauf-Kampfbahn mündete in ein sensationelles 5:2 für Schalke vor etwa 27.000 Zuschauern. Da der Gesamtscore nun 5:5 war, folgte am 1. Oktober ein Entscheidungsspiel, erneut in Gelsenkirchen, das Schalke mit 3:1 gewann und sich damit für das Achtelfinale qualifizierte .
Nur wenige Wochen später gastierte im November 1958 mit den Wolverhampton Wanderers ein englischer Topklub in der Glückaufkampfbahn. Schalke siegte mit 2:1 vor rund 43.000 Zuschauern und setzte sich damit eindrucksvoll auf europäischer Ebene in Szene. Im Viertelfinale traf man auf Atlético Madrid. Das Hinspiel in Spanien ging mit 0:3 verloren, doch im Rückspiel in Gelsenkirchen bewahrte die Mannschaft ihre weiße Weste im heimischen Stadion und rang den favorisierten Madrilenen ein 1:1-Unentschieden ab. Zwar reichte das nicht mehr für das Weiterkommen, doch die Glückauf-Kampfbahn blieb auch in dieser Europapokal-Saison ein uneinnehmbares Bollwerk.
Diese Spiele stehen bis heute für den Mythos Schalke. Vor ausverkauften Rängen, mit packendem Fußball und einer euphorisierten Atmosphäre im Stadion, so zeigte sich die Kampfbahn erstmals im Glanz des europäischen Wettbewerbs und bewies, dass sie mit den großen Stadien anderer Länder mithalten konnte.
Mit Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 blieb die Glückauf-Kampfbahn zunächst trotz ihres Alters weiterhin Spielstätte von Schalke 04. Am 24. August 1963 feierten die Knappen einen 2:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart vor etwa 34.000 Zuschauern, was unterstrich, dass die Anlage zu Beginn der höchsten deutschen Spielklasse noch wettbewerbsfähig war. Dennoch begann in den folgenden Jahren allmählich der Bedeutungsverlust. Die Zuschauerzahlen schwankten und die Infrastruktur kam zunehmend an ihre Grenzen. Im Mai 1972 feierte Schalke im Stadion seinen letzten Titel, den DFB-Pokal, ehe am letzten Spieltag der Saison 1972/73 ein 2:0-Heimsieg gegen den Hamburger SV den Klassenerhalt sicherte, das letzte Bundesligaspiel in der Kampfbahn.
Das letzte Pflichtspiel der ersten Mannschaft von Schalke 04 in der Glückauf-Kampfbahn gab es am 21.7.1973 im Rahmen des Intertoto-Cup als man auf Standard Lüttich traf und vor überschaubaren 6.000 Zuschauern mit 1:2 verlor.
Schon seit den späten 1960er Jahren reifte die Entscheidung für einen Neubau. Die Stadt Gelsenkirchen plante gemeinsam mit dem Verein ein größeres Stadion, realisiert im Rahmen der WM-1974-Vorbereitung. Das Parkstadion wurde anfangs mit über 70.600 Plätzen konzipiert und am 4. August 1973 mit einem Intertoto-Cup-Spiel gegen Feyenoord Rotterdam eröffnet
, 49.575 Zuschauer sahen eine 1:2 Niederlage zur Eröffnung der neuen Schalker Heimspielstätte. Damit endete eine prägende Ära in der Glückauf-Kampfbahn. Eine Zeit, die Schalke mit sieben Meistertiteln, zwei Pokalsiegen und zahlreichen regionalen Triumphen dominierte und die zur Fußballgeschichte des Vereins untrennbar gehört.
Nach dem Umzug des FC Schalke 04 in das Parkstadion im August 1973 trat die Glückauf-Kampfbahn zwar aus der ersten Liga heraus, blieb jedoch aktiv als Heimat für Amateur- und Jugendfußball. In den späten 1980er-Jahren wurden die großen Stehplatztribünen abgetragen, erhalten blieb lediglich die denkmalgeschützte Haupttribüne. Die Kapazität reduzierte sich dadurch auf etwa 11 000 Zuschauer. Bis Januar 2006 dienten die Nachwuchs- und Reserveteams von Schalke dort als Gastgeber.
Seit 2006 nutzt ausschließlich der Stadtteilverein DJK Teutonia Schalke-Nord das Stadion, seit 2020 trägt zudem die Frauenmannschaft des FC Schalke 04 ihre Heimspiele auf der Anlage aus. Der Platz verfügt mittlerweile über einen Kunstrasenbelag, der nach der WM 2006 verlegt wurde, um dauerhaft bespielbar zu bleiben.
Ein herausragendes Zeichen der Wertschätzung für die Stätte war die originalgetreue Rekonstruktion des historischen Eingangsportals. Am 26. Februar 2020 wurde es feierlich wieder eingeweiht. Entstanden nach den Plänen von 1928, ist es nun wieder das sichtbare Tor zur Sportstätte am Ernst‑Kuzorra‑Platz. Finanziert wurde das Projekt von der Stiftung Schalker Markt in Zusammenarbeit mit der Brost‑Stiftung, dank Unterstützung durch die Untere Denkmalbehörde, den Landschaftsverband Westfalen‑Lippe und die Stadt Gelsenkirchen. Eine breite Schalke‑Prominenz, darunter Clemens Tönnies, Olaf Thon und Klaus Fischer, war bei der Eröffnung vor Ort. Seit Oktober 2023 laufen umfangreiche Baumaßnahmen auf dem Vorplatz der Glückauf-Kampfbahn. Das Ziel: ein moderner „Sportgarten“, ein lebendiger Quartierspark, der Sport, Spiel, Erholung und Stadtkultur verbindet. Der erste Bauabschnitt, bestehend aus der grünen Promenade entlang der Kurt-Schumacher-Straße, dem neu gestalteten Ernst-Kuzorra-Platz und der Instandsetzung des historischen Ehrenmals, ist abgeschlossen und war pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft 2024 nutzbar.
Besonders hervorzuheben ist die aktuelle Situation des Eingangsbereichs: Die grüne Promenade lädt bereits zum Verweilen ein, ein neuer Trinkwasserbrunnen am Eingangsplatz ist in Betrieb, und der Ernst-Kuzorra-Platz fungiert als Treffpunkt und Zentrum des neuen Sportgartens. Seit dem 28. Juli 2025 ist der neu gestaltete Sportgarten an der Glückauf-Kampfbahn offiziell nutzbar. Die Bauzäune wurden am Morgen entfernt, und die Sport- und Bewegungsangebote – darunter Felder für Fußball, Basketball, Teqball, eine Trampolinanlage, eine Boulderwand, ein Motorik-Parcours, ein neuer Spielplatz, Sitzgelegenheiten sowie ein Trinkwasserbrunnen stehen nun allen offen. Das historische Ehrenmal wurde ebenfalls aufgewertet und integriert.
Die Geschichte der Glückauf-Kampfbahn ist damit weit mehr als die Chronik eines alten Fußballstadions. Sie ist ein Spiegelbild der Stadt Gelsenkirchen, ihrer Bergbautradition, ihres Aufstiegs und ihrer Krisen. Hier feierte Schalke 04 seine größten Triumphe der 1930er und 1950er Jahre, erlebte aber auch die Härten von Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau. Heute ist die Anlage kein Austragungsort des Profifußballs mehr, doch ihre Strahlkraft ist ungebrochen. Mit der Eröffnung des neuen Sportgartens im Jahr 2025 wurde das Areal noch stärker als Begegnungs- und Bewegungsraum für die Menschen im Stadtteil verankert. Untrennbar verbunden ist die Kampfbahn bis heute mit der Schalker Meile auf der Kurt-Schumacher-Straße, die mit ihren Kneipen, Fanklubs und Erinnerungsorten den Mythos Schalke lebendig hält. Auch die unzähligen Graffiti, Wandbilder und Fanbotschaften, die rund um die Glückauf-Kampfbahn zu finden sind, zeugen von dieser tiefen Verankerung im Stadtteil. Für Schalke 04 und seine Anhänger ist die Glückauf-Kampfbahn bis heute ein Symbol der Herkunft. Ein Ort, an dem der Mythos des Vereins geboren und über Generationen weitergetragen wurde.

Das historische Eingangsportal der Kampfbahn Glückauf
Stadiongelände aus Drohensicht
Die Haupttribüne steht unter Denkmalschutz
Die Tribüne hat noch die klassischen Holzsitzbänke
Der Rest des Stadionumlauf wurde über die Jahre zurückgebaut
Alte Eingangstore sind etwas in die Jahre gekommen
Rund um das Gelände befinden sich Schalke Graffitis
Im Hintergrund die Autobahnausfahrt Gelsenkirchen Schalke
Kampfbahn Glückauf Graffiti
Die Schalker Meile befindet sich in unmittelbare Nähe des Stadion
Grüße an die Nachbarn dürfen nicht fehlen
So endet der Besuch der Kampfbahn Glückauf

Die Fotos entstanden bei einem Besuch der Kampfbahn Glückauf am 31. Mai 2023.

Dies war der zehnte Teil unserer Serie über historische Fußballstadien, zuvor blickten wie bereits auf das mittlerweile abgerissene Stadion am Hermann-Löns-Weg in Solingen, das Röntgen Stadion in Remscheid, auf das Jahnstadion in Mönchengladbach, die Westkampfbahn in Düren, das Grotenburg-Stadion in Krefeld, das Stadion Mittelwiese in Ruhla, das Waldstadion am Erbsenberg in Kaiserslautern, das Millerntor-Stadion in Hamburg und zuletzt das Hermann-Löns-Stadion in Paderborn. Folgt mir bestenfalls auf Twitter und erfahrt dort sofort wenn ein neues Feature erscheint.

Donnerstag, 17. November 2022

Historische Grounds #09 - Hermann-Löns-Stadion in Paderborn

Der SC Paderborn 07 ist mittlerweile eine feste Größe im deutschen Profifußball, 2005 stieg der Verein erstmals in die 2. Bundesliga und damit in den bezahlten Profifußball auf. Heimspielstätte ist seit der Saison 2008/09 die "Home-Deluxe-Arena", welche bei der Eröffnung noch "paragon arena" hieß und über die Jahre durch weitere Sponsorenverträge regelmäßige Namensänderungen erfuhr. Die Erfolgsgeschichte der Paderborner begann aber vier Kilometer weiter nördlich im Stadtteil Schloß Neuhaus, dort steht das "Hermann-Löns-Stadion", in dem der SC Paderborn seine ersten drei Zweitligajahre mit einer Sondergenehmigung des DFB spielen durfte.
Das 1957 eröffnete Stadion war ursprünglich die Spielstätte des TuS Schloß Neuhaus, welcher am 1. Juni 1985 zusammen mit dem 1. FC Paderborn zum TuS Paderborn-Neuhaus fusionierte. Dieser benannte sich 1997 zum heutigen SC Paderborn 07 um. Auch der TuS Schloß Neuhaus war durch eine Fusion entstanden, einer der Stammvereine war der SV 07 Neuhaus, welcher das Hermann-Löns-Stadion am 8. September 1957 mit dem ersten Fußballspiel eröffnete. Gegner, Ergebnis und Zuschauerzahlen sind nicht überliefert, allgemein gibt es kaum Informationen über die ersten Jahre der Spielstätte. Zwei Jahre nach Stadioneröffnung stieg der SV Neuhaus in die viertklassige Landesliga Westfalen auf und war damit Paderborns führender Fußballverein. Die städtische Führungsrolle konnte man aber nicht lange für sich beanspruchen, in der Saison 1964/65 stieg man in die Bezirksliga ab und wurde schon in der kommenden Spielzeit in die Kreisklasse durchgereicht. Am 8. Juni 1973 fusionierte man schließlich mit der Fußballabteilung des TuS Sennelager zum TuS Schloß Neuhaus und übernahm den Platz der Sennelager in der drittklassigen Verbandsliga Westfalen. Hier verbrachte man zunächst drei Spielzeiten, bevor 1976 der Abstieg in die Landesliga folgte, welcher aber mit dem sofortigen Wiederaufstieg schnell vergessen gemacht wurde. Zu dem qualifizierte man sich als erster Paderborner Verein für die Teilnahme am DFB Pokal und gewann in der ersten Runde ein Auswärtsspiel beim Hummelsbütteler SV mit 0:2. Für die Begegnung in der zweiten Runde bekamen die "Schloßherren" mit Eintracht Frankfurt einen Bundesligisten zugelost, am 20. August 1977 sahen 10.000 Zuschauer das bis dato größte Fußballspiel auf Paderborner Stadtgebiet. Für das Spiel wich der Verein in das größere Inselbadstadion aus. Das Stadion im Norden der Paderborner Innenstadt war zu diesem Zeitpunkt um einiges moderner und hatte auch ein höheres Fassungsvermögen als das Hermann-Löns-Stadion. Der TuS ging 2:0 in Führung, die Eintracht konnte in der zweiten Halbzeit ausgleichen, da es nach der Verlängerung immer noch 2:2 stand, kam es vier Tage später in Frankfurt zu einem Wiederholungsspiel, da es damals noch kein Elfmeterschießen gab. Im Frankfurter Waldstadion sahen 8.000 Zuschauer und damit 2.000 weniger als in Paderborn, einen klaren 4:0 Sieg der Eintracht. Die Verbandsliga-Saison beendete man auf einem guten dritten Platz und qualifizierte sich damit für die Teilnahme an der neu gegründeten drittklassigen Oberliga Westfalen.
In der Oberliga entwickelte sich der TuS Schloß Neuhaus zu einer der Spitzenmannschaften, wurde in der Premierensaison Vizemeister hinter dem SC Herford und verpasste nur um einen Punkt die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die Nordstaffel der 2. Bundesliga. Der Erfolg kam damals hauptsächlich durch die finanzielle Unterstützung des Achsenfabrikanten Josef Peitz zustande, seine Machenschaften als Mäzen wurden schon damals in der Presse kritisch beäugt. "Peitz würde sich Fußballer halten wie andere Rennpferde", hieß es unter anderem. Peitz hatte durch Stellenanzeigen in überregionalen Zeitungen nach neuen Arbeitern für seine Firma gesucht. Zusätzlich gab er an, dass vor allem Sportler, am liebsten Fußballer, sehr willkommen seinen. So lockte er vor allem Kicker aus dem Ruhrgebiet in die Region Ostwestfalen Lippe. Was zunächst als Betriebssportmannschaft begann, ging später in den TuS Schloß-Neuhaus auf. Zeitweise bestand die Hälfte der Mannschaft aus Mitarbeitern der Josef Peitz KG. Die Spieler gingen offiziell zwar einer Vollbeschäftigung nach, der Fokus lag aber eindeutig auf dem Fußball. Ein Modell das zumindest zu kurzfristigen Erfolgen führte. 1981/82 gewann man die Meisterschaft der Oberliga Westfalen und war damit für die Aufstiegsrunde zur mittlerweile eingleisigen 2. Bundesliga qualifiziert. Hier setzte man sich in einer Vierergruppe zusammen mit dem BV 08 Lüttringhausen durch und qualifizierte sich für die Teilnahme an der 2. Bundesliga in der Saison 1982/83. Das entscheidende Aufstiegsspiel gegen Tennis Borussia Berlin fand dabei im neutralen Stadion des VfL Wolfsburg statt, ein 1:1 reichte den Schlossherren um den Aufstieg perfekt zu machen.
Durch den Zweitiga-Aufstieg rückte das Hermann-Löns-Stadion erstmals in den Fokus größerer Fußballspiele, in der Sommerpause wurde die Haupttribüne des Stadions überdacht und um 2000 Sitzplätze erweitert, das Stadion hatte somit ein Fassungsvermögen für 15.000 Zuschauer. Dieses wurde nie vollständig ausgeschöpft, trotzdem war vor allen Dingen zu Saisonbeginn noch Euphorie zu spüren. Am ersten Spieltag kamen 9.000 Zuschauer ins HLS und sahen eine 0:2 Niederlage gegen den späteren Meister Waldhof Mannheim. Beim zweiten Heimspiel gegen die Kickers Offenbach erreichte man mit 10.000 Zuschauern bereits den Saisonhöchstwert. Das Team rangierte vom ersten Spieltag an auf einem Abstiegsplatz und verspielte sich im Saisonverlauf nahezu alle Vorschusslorbeeren. Insgesamt drei mal wechselte man den Trainer, ohne das sich Erfolg einstellte. Zum Saisonende war man abgeschlagener Tabellenletzter und stieg wieder in die Oberliga ab. Der Zuschauerschnitt ging im Saisonverlauf immer weiter zurück, negativer Höhepunkt war das Heimspiel gegen Wattenscheid, welches nur 800 Menschen sehen wollten. Der gesamte Zuschauerschnitt lag zum Saisonende aber immerhin bei durchschnittlich 4137 verkauften Karten, damit hatte man ein höheres Zuschaueraufkommen als beispielsweise Hannover 96 und der SC Freiburg.
22 Jahre sollte es dauern bis die Stadt Paderborn und das Hermann-Löns-Stadion wieder Schauplatz von Spielen der 2. Bundesliga wurden. Für TuS Schloß-Neuhaus ging es zwei Jahre nach dem Abstieg noch einmal fast zurück in den bezahlten Fußball, doch der westfälische Fußballverband wertete vier Spiele, welche die Schlossstädter ursprünglich gewonnen hatten, in Niederlagen um, da man den englischen Spieler Colin Bell ohne Spielberechtigung hatte auflaufen lassen. Statt Profifußball stagnierte man auf Grund des Richterspruchs weiter in der Oberliga, das war gleichzeitig auch das letzte Kapitel des TuS Schloß-Neuhaus. Am 1. Juni 1985 fusionierte man mit dem langjährigen Lokalrivalen 1. FC Paderborn zum TuS Paderborn-Neuhaus, dies war die offizielle Geburtsstunde des heutigen SC Paderborn 07.
Die Bündelung der Kräfte sollte die schnellstmögliche Rückkehr in den Profifußball möglich machen, bis Mitte der 1990er Jahre spielte man zwar regelmäßig oben mit, doch die Meisterschaft konnte man sich nicht sichern. Ein erstes Highlight des neuen Paderborner Klubs gab es kurz nach der Fusion im DFB Pokal, in der ersten Runde schmiss man die zweite Mannschaft des 1. FC Köln aus dem Wettbewerb und sorgte in der zweiten Runde bei der Partie gegen Borussia Dortmund für den vermeintlichen Zuschauerrekord im Hermann-Löns-Stadion. 14.000 Besucher sahen einen 2:4 Erfolg der Dortmunder, die Paderborner lagen zunächst 2:0 in Führung, bevor der BVB das Spiel in der zweiten Halbzeit zu seinen Gunsten drehte. In der Oberliga wurde man zweimal Vizemeister und qualifizierte sich dadurch für die Teilnahme an der Deutschen Amateurmeisterschaft, blieb hier aber jeweils erfolglos. Erst die Oberligasaison 1993/94 beendete die Paderborner Spielgemeinschaft auf dem ersten Tabellenplatz, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga an Fortuna Düsseldorf. Mit dem Paderborner Meistertitel endete auch die Zeit der drittklassigen Oberliga, zur Saison 1994/95 wurde die Regionalliga eingeführt, in der die Paderborner die nächsten Jahren spielen sollten. 1997 nahm der Verein vom bis dahin gebräuchlichen Namen TuS Paderborn-Neuhaus Abstand und nannte sich in SC Paderborn 07 um. Schloß Neuhaus war damit komplett aus dem Vereinsnamen verschwunden, blieb aber weiterhin die Heimat der Kicker aus Ostwestfalen Lippe. Das Hermann-Löns-Stadion vegetierte aber so vor sich her, seit dem Zweitliga Aufstieg in den 80er Jahren hatte sich am Stadion nicht mehr viel verändert, für die Spiele in der drittklassigen Regionalliga vor überschaubaren Zuschauerzahlen reichte es vollkommen aus.
Als die Regionalliga zur Saison 2000/01 auf zwei Staffeln reduziert wurde, verpasste der SC die Qualifikation und musste für ein Jahr zurück in die nun mehr viertklassige Oberliga Westfalen, welche man aber nach nur einer Saison als Meister wieder verlassen konnte und von da an Teil der Regionalliga Nordstaffel war. Durch die Reduzierung auf zwei Staffeln warteten in der neuen Regionalliga attraktivere Gegner als zuvor auf die Paderborner und auch im Hermann-Löns-Stadion wurde es wieder voller. Zum 1. Spieltag kamen 6.000 Zuschauer und sahen ein 2:1 Heimsieg gegen den VfL Osnabrück. Im DFB Pokal zog man mit dem FC Bayern das große Los, wich aber für die Partie gegen den Rekordmeister in die Bielerfelder Alm aus und verlor dort vor 26620 Zuschauern mit 1:5.
Drei Jahre nach dem Spiel gegen die Bayern trat man am 21. August 2004 erneut im DFB Pokal an und empfing den Hamburger SV im heimischen Hermann-Löns-Stadion. 7027 Zuschauer sahen ein bizarres Schauspiel, in welchem der HSV zunächst 0:2 in Führung lag und seiner Favoritenrolle gerecht zu werden schien. Doch dann drehte sich das Spiel, Paderborn bekam einen mehr als fragwürdigen Elfmeter zu gesprochen und verkürzte auf 1:2, der Hamburger Stürmer Emile Mpenza sah zu dem noch die rote Karte. Paderborn glich noch vor der Halbzeit aus, bekam auch in der zweiten Halbzeit wieder einen geschenkten Elfmeter und zog schließlich mit einem 4:2 Sieg in die zweite Runde ein. Was damals noch niemand wusste, das Spiel war Teil des größten Skandals der Deutschen Fußballgeschichte. Geleitet wurde die Partie von einem gewissen Robert Hoyzer, der das Spiel manipulierte, weil zuvor hohe Summen auf einen Paderborner Sieg gewettet wurden. Die Pokalpartie zwischen Paderborn und dem HSV ist die bekannteste Partie des ein Jahr später aufgedeckten Wettskandals. Der SC Paderborn wusste von den Machenschaften nichts und wurde unfreiwillig bevorteilt, in der zweiten Runde konnte man dann auch ohne Hilfe des Unparteiischen gewinnen und zog mit einem Sieg über den MSV Duisburg erstmals ins Achtelfinale des Pokals ein. Dort endete die Reise vor ausverkauftem Haus (9.122 Zuschauer im Hermann-Löns-Stadion) im Elfmeterschießen gegen den SC Freiburg. In der gleichen Spielzeit schickte sich der SC Paderborn auch an, den lang ersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga zu verwirklichen. In der Regionalliga Nord setzte man sich von Beginn der Saison an in den Aufstiegsrängen fest, über den Saisonverlauf entbrannte ein Vierkampf zwischen dem SC Paderborn, Eintracht Braunschweig, VfL Osnabrück und VfB Lübeck um die beiden Aufstiegsplätze. Am vorletzten Spieltag hätte der SC den Aufstieg vor eigenem Publikum im Spitzenspiel gegen Braunschweig klar machen können. Das Hermann-Löns-Stadion war erstmals während eines Ligaspiels mit 10.222 Zuschauern ausverkauft (auf Grund von anderen Sicherheitsvorkehrungen waren mehr Zuschauer zugelassen als beim ausverkauften Pokalspiel gegen Freiburg). Braunschweig besiegte die Paderborner aber mit 1:3 und damit musste die Aufstiegsentscheidung am letzten Spieltag fallen. Paderborn reichte ein Sieg bei den bereits abgestiegenen Amateuren des VfL Wolfsburg, um sich für die 2. Bundesliga zu qualifizieren, der Auftrag wurde erfüllt, der SC gewann souverän mit 0:4 und war im bezahlten Fußball angekommen.
Plötzlich rückte das Hermann-Löns-Stadion wieder in den Fokus und wurde vom DFB angezählt, es genügte nicht mehr den Ansprüchen des immer moderner werdenden Fußballs. Seit dem Zweitliga Aufstieg von TuS Schloß-Neuhaus Anfang der 1980er Jahre hatte sich am Stadion nichts mehr verändert und es galt als baufällig, trotzdem erhielt der SC Paderborn eine Sondergenehmigung, seine Heimspiele weiter im HLS austragen zu dürfen, unter der Auflage, in näherer Zukunft in ein zweitligafähiges Stadion umzuziehen. Noch vor dem Start der neuen Saison 2005/06 begannen die Bauarbeiten der heutigen Home-Deluxe-Arena und schon zur Rückrunde sollte der SC Paderborn seine neue Heimspielstätte eröffnen. Auf Grund von Anwohnerklagen und ausgebliebenen Zahlungen kam es aber mehrfach zu monatelangen Baustopps und die ursprünglich auf sechs Monate angelegte Bauzeit verlängerte sich auf drei Jahre. Der SC Paderborn blieb länger als geplant im Hermann-Löns-Stadion und hielt im ersten Zweitliga-Jahr mit Tabellenplatz neun auch souverän die Klasse. Vor Beginn der neuen Saison 2006/07 erhielt das Stadion in Schloß Neuhaus nun erstmals auf Grund einer DFB-Richtlinie eine Flutlichtanlage, zudem wurde eine zusätzliche Stahlrohrtribüne errichtet. Das Flutlicht wurde bei einer Freitagabend-Partie gegen den 1. FC Köln eingeweiht, die Partie am 6. Spieltag gewann Paderborn mit 2:0. Das Hermann-Löns-Stadion war mit 10.165 verkauften Tickets bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch die zweite Saison im Bundesliga-Unterbau beendeten die Paderborner wieder auf einem Platz im gesicherten Mittelfeld der Tabelle. Ein Jahr später folgte dann der Abstieg und der Abschied aus dem Hermann-Löns-Stadion, die Zweitliga-Saison 2007/08 ist die letzte des Hermann-Löns-Stadion als Heimspielstätte des SC Paderborn. Sportlich eine Saison zum vergessen, Paderborn stand frühzeitig als Absteiger in die neu eingeführte 3. Liga fest. Zum letzten Spieltag am 18. Mai 2008 gab es trotzdem einen würdigen Abschluss für das ausgediente Hermann-Löns-Stadion, es gastierte Borussia Mönchengladbach und 12.000 Zuschauer sorgten für ein übervolles Stadion und beendeten das Kapitel SC Paderborn und Hermann-Löns-Stadion in Schloß Neuhaus. Nach dem Abschied des SC Paderborn wurden im Stadion sofort die Flutlichtanlage und die zusätzlich installierte Stahlrohrtribüne zurückgebaut. Die Flutlichtscheinwerfer fanden eine Wiederverwendung im neu eröffneten Paderborner Stadion, im Hermann-Löns-Stadion stehen seit dem nur noch die Masten und geben ohne Strahler ein merkwürdiges Bild ab.
Betritt man das Stadion heute, rund 14 Jahre nach dem letzten Profi-Fußballspiel, sieht das Hermann-Löns-Stadion quasi noch genauso aus wie zur damaligen Zeit. Direkt ins Auge springt die Hochspannungsleitung, welche direkt über dem Spielfeld verläuft, einmalig im Deutschen Profifußball. Die Haupttribüne ist der einzige überdachte Bereich des Stadions und bietet 4.000 Sitzplätze, wahlweise auf Holzbänken in den äußeren Bereichen oder auf blauen Sitzschalen in der Mitte der Tribüne. Auf dem Dach der Tribüne kleben auch heute noch die Sponsoren aus der frühen Zeit des SC Paderborn. Die Gegengerade und eine Kurve sind mit hohen Stufen inklusive Wellenbrecher ausgebaut. Der zweite Hintertorbereich hinter den Eingangstoren ist nicht ausgebaut und war damals für Zuschauer gesperrt.
Seit dem Abschied des SC Paderborn aus dem Hermann-Löns-Stadion sind die Footballer der Paderborn Dolphins Hauptnutzer der Anlage. 2022 stiegen die Dolphins in die höchste Deutsche Footballiga auf und ziehen regelmäßig vierstellige Zuschauerzahlen ins HLS.
Mit dem SC Aleviten Paderborn gab es auch eine Rückkehr des Fußballs in das Hermann-Löns-Stadion. Der Verein, der sich hauptsächlich für Inklusion und Integration engagiert spielt in der untersten Kreisklasse Paderborns und trägt seine Heimspiele seit 2016 in der traditionsreichen Spielstätte in Schloß Neuhaus aus.
Der SC Paderborn gehört mittlerweile zweifelsohne zu den besten 30 Fußballvereinen in Deutschland und ist eine feste Größe im Deutschen Profifußball geworden. Man hat nicht vergessen, wo man her kommt, seit 2013 dröhnt bei  Heimspielen "Hermann Löns die Heide brennt" als Torhymne durch die Lautsprecher. In der Saison 2022/23 ziert das Heimtrikot des SC Paderborn ein Hologramm, welches eine Illustration der ehemaligen Spielstätte zeigt, zu dem präsentierten die Fans eine Choreografie zum 65. Geburtstag des Hermann-Löns-Stadion (Foto rechts).
Die Geschichte des SC Paderborn begann in der Hermann-Löns-Straße, nach welcher das Stadion auch benannt wurde, denn der Dichter Hermann Löns hatte mit Paderborn Zeit seines Schaffens nie etwas zu tun. Mit der einsetzenden Kommerzialisierung war das Hermann-Löns-Stadion nicht mehr gut genug für den modernen Fußball und verschwand wie so viele traditionsreiche Spielstätten von der Bildfläche. Zwar gab es auch in Paderborn immer mal wieder Pläne für einen Abriss, diese wurden aber nie spruchreif und so steht in Schloß Neuhaus heute ein Relikt aus der Fußballvergangenheit.

Die Kassenhäuschsen zeigen anno 2022 das Logo der
Paderborner Dolphins, im Hintergrund ein Flutlichtmast ohne Strahler
Blick von der Gegengerade auf die Hauptribüne,
die Hochspannungleitung verläuft direkt über dem Spielfeld
Die Gegengerade besteht ausschließlich aus Stehplätzen inklusive Wellenbrecher
Überdachte Stehplätze gibt es im Hermann-Löns-Stadion nicht
Die zurück gebauten Flutlichtmasten sind heutzutage ein Blickfang
Markenzeichen des Stadions ist die Hochspannungsleitung die direkt über dem
Spielfeld verläuft und eine Einmaligkeit im deutschen Profifußball darstellte
Eine Kurve ist mit Stehstufen ohne Wellenbrecher ausgebaut
Die ausgebaute Kurve geht direkt in die Haupttribüne über
Die Haupttribüne verfügt über 4.000 überdachte Sitzplätze
Größtenteils finden die Zuschauer auf Holzbänken einen Platz
Im Mittelteil gibt es zu dem eine handvoll blauer Sitzschalen
Einige Sitzschalen verfügen zusätzlich über eine Rückenlehne
Direkt neben der Tribüne steht ein ausrangierter Flutlichtmast
Über den nicht mehr benutzten Ein- und Ausgang der Gegengerade
verlassen wir das Hermann-Löns-Stadion

Die Fotos entstanden bei einem Besuch des Hermann-Löns-Stadion am 30. Oktober 2022.

Dies war der neunte Teil unserer Serie über historische Fußballstadien, zuvor blickten wie bereits auf das mittlerweile abgerissene Stadion am Hermann-Löns-Weg in Solingen, das Röntgen Stadion in Remscheid, auf das Jahnstadion in Mönchengladbach, die Westkampfbahn in Düren, das Grotenburg-Stadion in Krefeld, das Stadion Mittelwiese in Ruhla, das Waldstadion am Erbsenberg in Kaiserslautern und zuletzt auf das Millerntor-Stadion in Hamburg. Folgt mir bestenfalls auf Twitter und erfahrt dort sofort wenn ein neues Feature erscheint.

Mittwoch, 15. Juni 2022

Historische Grounds #08 - Millerntor-Stadion in Hamburg

Das Millerntor-Stadion ist Kult. Auf dem Heiligengeistfeld im Hamburger Stadtteil St. Pauli steht eines der legendärsten deutschen Fußballstadien. Trotz seiner vergleichbaren noch jungen Geschichte ist das 1963 eröffnete Stadion ein Inbegriff für Fußballkultur. Hier entstand in den 1980er Jahren eine alternative Fanszene, welche den FC St. Pauli und das Millerntor weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannt machte. Auch wenn das Stadion zwischen 2006 und 2015 rundum erneuert und modernisiert wurde, grenzt sich das Millerntor-Stadion nach wie vor von anderen Spielstätten der 1. und 2. Bundesliga deutlich ab.
Schon seit seiner Gründung am 15. Mai 1910 ist der FC St. Pauli auf dem Heiligengeistfeld beheimatet. Erste Fußballplätze gab es hier bereits lange vor Gründung des Hamburger Stadtteil Clubs. Ab 1895 wurden hier regelmäßig Punktspiele des Hamburger Fußballbund ausgetragen. Der FC Viktoria 1895 war in der Spielzeit 1900/01 sogar fest auf dem Heiligengeistfeld beheimatet. Auch der FC St. Pauli fand hier seine Heimat und entwickelte sich schnell zu einem Spitzenteam im Hamburger Fußball. Der ursprüngliche Platz auf dem Heiligengeistfeld wurde im zweiten Weltkrieg komplett zerstört, schon 1946 konnte man auch Dank tatkräftiger Mithilfe von Mitgliedern und Fans eine neue Spielstätte an der Ecke Glacischaussee / Budapester Straße eröffnen. Heute befindet sich an diesem Standort der Eingang zum U-Bahnhof St. Pauli. Das neu gebaute Stadion wurde am 17. November 1946 vom FC St. Pauli mit einem 1:0 Sieg gegen Schalke 04 eröffnet. Die Existenz der Spielstätte war auf nicht einmal 15 Jahre begrenzt. 1961 musste das Stadion zu Gunsten der 1963 stattfindenden Internationalen Gartenbauausstellung weichen. Letzte Highlights des alten Pauli Stadions waren Spiele im Jahr 1960 anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums gegen die Blackburn Rovers und Eintracht Frankfurt, welche der FC St. Pauli beide mit 3:2 gewinnen konnte.
Bereits im Jahr 1960 begann der Bau des neuen St. Pauli Stadions an der Stelle wo das Millerntor-Stadion noch heute steht. Der Neubau wurde zum Politikum, gab es doch Diskussionen über die mögliche Installation einer Flutlichtanlage oder einer angedachten Kapazität für 50.000 Zuschauer. Eine Flutlichtanlage in einem Stadion wäre in den frühen 1960er Jahren ein Novum in Hamburg gewesen. Schließlich baute man das erste Hamburger Flutlicht doch im Volksparkstadion des HSV, welcher sich für den Europapokal 1960/61 qualifiziert hatte, die Anlage wurde aber nicht rechtzeitig fertig, wodurch der HSV seine internationalen Auftritte bei Tageslicht absolvieren musste. Bis es Flutlicht auch auf dem Heiligengeistfeld geben sollte, verstrichen noch viele Jahre. Erst während der Bundesliga Saison 1988/89 erstrahlte das Millerntor-Stadion erstmals im Scheinwerferlicht. Auch die Idee der Zuschauerkapazität von 50.000 konnte nicht umgesetzt werden, stattdessen plante man für 30.000 Zuschauer. Nach Fertigstellung wurde die offizielle Kapazität schließlich mit 28.500 Zuschauern angegeben, andere Quellen sprechen von nur 27.500 Plätzen. Das erste Spiel im neuen St. Pauli Stadion wurde Ende Juli 1961 ausgetragen, als der FC St. Pauli mit 4:7 gegen CDNA Sofia verlor. Es war nur ein kurzes Intermezzo, stellte sich doch schnell Baupfusch am neuen Stadion heraus. Das beauftragte Bauamt hatte vergessen eine Drainage in den Rasen einzubauen, was dazu führte, dass der Platz regelmäßig unter Wasser stand und nicht bespielbar war. Als sich St. Pauli Verteidiger Heinz Deininger am 4. Mai 1962 in einem Spiel gegen den Berliner SV schwer verletzte, kam der Spielbetrieb auf dem Heiligengeistfeld zum erliegen. Deininger hatte sich auf Grund der schlechten Platzverhältnisse einen Speichenbruch zugezogen und fiel lange aus. Während die neue Anlage renoviert werden musste, wurde dem FC St. Pauli die unentgeltliche Nutzung des Volksparkstadions zugesagt. Eine Offerte, die der Verein allerdings ablehnte und stattdessen übergangsweise in den Stadien Hoheluft und Rothenbaum seine Heimspiele austrug. Die Bauphase am Millerntor dauerte rund eineinhalb Jahre, am 10. November 1963 kam es zur Wiedereröffnung bei einem Regionalligaspiel zwischen St. Pauli und dem VfL Wolfsburg. In den Geschichtsbüchern ist dies auch die offizielle Eröffnung des Millerntor-Stadion und der eigentliche Startpunkt der heutigen Kultstätte.
Namensgeber der Anlage ist das ehemalige Hamburger Stadttor "Millerntor", welches St. Pauli im 16. Jahrhundert von der damaligen Nachbarstadt Altona abgrenzte. Heute ist von der Anlage noch ein Wachhaus übrig, welches gegenüber dem Heiligengeistfeld auf dem Millerntorplatz am Anfang der Reeperbahn steht.
Die neu eröffnete Spielstätte bekam zwar den Namen "Millerntor-Stadion", es dauerte aber seine Zeit bis sich der Name durchsetzte. Auf Spielplakaten und Tickets war bis 1970 noch der alternative Name "St.-Pauli-Platz beim Millerntor" zu lesen. Die ersten Duftmarken auf dem neuen Vereinsgelände setzte der FC St. Pauli in der Saison 1965/66, in welcher man sich bis ins Viertelfinale des DFB Pokal vorspielte und auf Ligaebene nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses den Bundesliga Aufstieg verpasste. Der sportliche Erfolg zog auch die Zuschauermassen auf das Heiligengeistfeld. Für das DFB-Pokal Viertelfinale gegen den 1. FC Nürnberg wollten die Hamburger 26.000 Tickets verkaufen. Es gab aber Sicherheitsbedenken der Stadt, nach einem tödlichen Unfall bei einem Spiel im Februar 1966 in Kaiserslautern wurden die Sicherheitsstandards während Fußballspielen stärker hinterfragt und kontrolliert. Der damalige Hamburger Vizebürgermeister sprang dem Verein zur Seite und vermittelte, das Sportamt erlaubte daraufhin den Verkauf von 23.000 Tickets für den Pokalkracher am Millerntor. Später war dann in einigen Quellen von Zuschauerzahlen zwischen 26.000 und 27.000 zu lesen. Es ist nicht überliefert, ob die Schätzungen falsch waren oder der Verein Tickets unter der Hand verkauft hatte. Die Ticket-Diskussion wiederholte sich wenige Wochen später vor dem entscheidenden Bundesliga Aufstiegsspiel gegen Rot-Weiss Essen. Diesmal verständigten sich Verein und Senat darauf, dass 25.000 Karten verkauft werden durften. Aus der Ticket-Debatte entstand eine Diskussion über einen möglichen Ausbau des Millerntorstadions, die elitäre Lage auf dem Heiligengeistfeld mitten in der Stadt setzte aber Grenzen in Sachen Stadionerweiterung. Zumal laut Stadtsprecher auch der populäre Hamburger Dom, welcher seit 1893 auf dem Heiligengeistfeld stattfindet, nicht beeinträchtigt werden sollte. Heute sind das Stadion und das Volksfest fest miteinander verbunden und die Bilder legendär, wenn direkt neben dem Spielfeld das große Riesenrad seine Runden dreht. Die Diskussion über den Stadionausbau ebbte aber in den drauf folgenden Jahren schnell wieder ab, die St. Paulianer spielten in der Regionalliga Nord, ohne an die sportlichen Erfolge anknüpfen zu können. Das Zuschauerinteresse ging daraufhin deutlich zurück. Erst als der FC St. Pauli zur Saison 1977/78 erstmals in die erste Fußball Bundesliga aufstieg, geriet das Millerntor-Stadion wieder in den Fokus. Der Verein wollte seine Heimspiele ohne Frage auf dem Heiligengeistfeld austragen, doch nach dem 3:1 Heimsieg vor 20.000 Zuschauern am ersten Spieltag gegen Werder Bremen, bekam der FC St. Pauli einen Auflagenkatalog der Stadtverwaltung zugeschickt. Es wurde unter anderem die Begrenzung der Kapazität auf 18.000 gefordert und die Behebung zahlreicher Baumängel. Der FC St. Pauli musste daraufhin den Großteil seiner Heimspiele im ungeliebten Volksparkstadion des HSV austragen. Erst zum Saisonende konnte der Verein für wenige Spiele in seine eigentliche Heimat zurückkehren. Das Kuriose; bei den insgesamt fünf Spielen am Millerntor blieben die St. Paulianer ungeschlagen, trotzdem stiegen sie am Ende der Bundesliga Saison als Tabellenletzter ab. Auch in der Zuschauertabelle liegt der FC St. Pauli mit einem Schnitt von 9.711 abgeschlagen auf dem letzten Platz. Noch dicker kam es für den Verein ein Jahr später, als der DFB dem Team auf Grund von hohen Zahlungsrückständen die Profilizenz entzog. St. Pauli musste aus der 2. Bundesliga zwangsabsteigen und fand sich in der Spielzeit 1979/80 in der drittklassigen Oberliga Nord auf Amateur-Niveau wieder. Eine triste Epoche am Millerntor begann, zum ersten Oberliga Heimspiel gegen Olympia Wilhelmshaven verirrten sich 1.050 Zuschauer auf das Heiligengeistfeld.
Der FC St. Pauli war zu diesem Zeitpunkt ein Verein wie jeder andere, als man in der Saison 1984/85 in die zweite Bundesliga zurückkehren konnte, hatte dies keinen besonderen Effekt auf die Zuschauerzahlen. Kein einziges der 19 Heimspiele war ausverkauft und am Ende der Saison stand man auf einem Abstiegsplatz und fand sich erneut in der Oberliga wieder. Heute undenkbar, aber auch auf St. Pauli fanden sich damals, wie in allen Fußballstadien, schwarz weiß rote Reichsflaggen auf den Tribünen wieder. Einen Startpunkt der heute weltweit bekannten Sankt Pauli Fankultur lässt sich nicht exakt benennen. Während der Partie zwischen dem FC St. Pauli und dem ASC Schöppingen am 8. Juni 1986 im Rahmen der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, kam es direkt neben dem Stadion zu einem rechtswidrigen Polizeieinsatz, der als "Hamburger Kessel" bekannt wurde. Die Polizei hielt 861 Anti-Atomkraft-Demonstranten 13 Stunden lang fest, eine Aktion, die für einen großen Aufschrei in der Bevölkerung sorgte, ins Stadion am Millerntor wurde der Protest damals aber nicht getragen. Erst in der folgenden Saison, St. Pauli war wieder Teil der 2. Bundesliga, waren am Millerntor erstmals linksgesinnte politische Parolen zu hören und zu lesen. "Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, nie wieder 3. Liga!" Berühmt ist heute der Punkrocker Doc Mabuse, der aus der Hausbesetzerszene in der Hamburger Hafenstraße kam. Er schwenkte in dieser Zweitligasaison 1986/87 erstmals die heute legendäre Totenkopfflagge auf der Gegengerade des Millerntor-Stadions, ein Symbol der Widerstandshaltung der Hausbesetzer. Heute ist der Totenkopf fest mit dem Verein verbunden und wird als erfolgreiches Merchandising-Motiv vermarktet. Für viele ist Doc Mabuse mit seiner Flagge der Startpunkt der neuen Fankultur am Millerntor. Der Zuschauerzuspruch nahm im Laufe der Saison enorm zu und am 30. Mai 1987 war das Millerntor-Stadion zum 35. Spieltag gegen Hannover 96 zum ersten mal seit 21 Jahren wieder ausverkauft. Ihren ersten Höhepunkt erreichte die neue St. Pauli Fanbewegung im Jahr 1989, der Fußball auf dem Heiligengeistfeld tobte. Die heutigen Kiezkicker waren wieder Teil der 1. Bundesliga und spielten so erfolgreich wie noch nie. Der Ticketverkauf boomt derartig, dass 1988 hinter den Stehtraversen der Gegengerade sogar eine zusätzliche Sitzplatztribüne errichtet wurde. Der damalige Präsident des FC St. Pauli Otto Paulick gibt daraufhin auf einer Pressekonferenz im Januar 1989 überschwänglich bekannt, das Millerntor-Stadion abreißen zu wollen und an selber Stelle ein überdimensionaler "Sport-Dome" mit 50.000 Plätzen, Kongressräumen und Einkaufszentren entstehen zu lassen. In der jungen Fanszene entsteht ein Sturm der Entrüstung, man befürchtet nicht nur den Verlust der gerade erst gefundenen Vereinsidentität, sondern auch steigende Mieten im Viertel. Im März 1989 kam es zu Deutschlands erstem organisierten Stimmungsboykott in einem Fußballstadion. Unter dem Motto "Schweigeprotest gegen den Sport Dome" blieb das Stadion im Heimspiel gegen den Karlsruher SC stumm. Es folgten weitere Aktionen in Form von Flugblättern und Transparenten und der Protest zeigte Erfolg, zwei Monate später nahm das Präsidium Abschied von seinen Plänen. Zu dieser Zeitepoche gab es im St. Pauli Museum eine Sonderausstellung mit dem Untertitel "Die zweite Geburt des FC St. Pauli!". Der Erfolg gegen den Bau den Sport-Dome beflügelte die St. Pauli Fans zu weiteren Aktionen. Im August 1989 verteilten Fans bei einem Heimspiel einen zweiseitigen offenen Brief gegen Rassismus und Diskriminierung, welcher von der kompletten Mannschaft unterschrieben wurde. Auch dies war eine Premiere, Antirassismus-Maßnahmen hatte es bis dahin im deutschen Profi-Fußball noch nicht gegeben und sollten erst viele Jahre später salonfähig werden. Ebenfalls zu dieser Zeit gründete sich mit dem "Millerntor Roar" das erste Deutsche Fanzine. Heute ist der Titel der Zeitschrift, welche 1993 eingestellt wurde, ein Inbegriff für die einzigartige Stimmung bei Heimspielen des FC St. Pauli.
Weitere Aktionen der Fanbewegung richteten sich auch gegen Werbepartner des Vereins, als in der Saison 1989/90 ein Freizeitpark ein Plüschtier durch das Stadion spazieren lies, stieß dies auf St. Pauli auf erheblichen Gegenwind. Bis heute ist der Verein einer der wenigen im Profifußball ohne offizielles Maskottchen. Im März 1991 musste ein Spiel gegen Hertha BSC Berlin aus Sicherheitsgründen ins Volksparkstadion verlegt werden und wurde daraufhin vom St. Pauli Fanblock boykottiert, stattdessen versammelten sie sich im heimischen Stadion am Millerntor und verfolgten die Radioreportage des Spiels von dort und unterstützten dabei ihren Verein aus der Ferne. Eine Protestaktion die damals ein überregionales Presseecho nach sich zog. Im Herbst des gleichen Jahres wurde auf Initiative der Fanszene die Stadionordnung geändert, in der fortan das Rufen von rechtsradikalen Parolen mit Hausverbot geahndet wurde. Zur Bekanntgabe trugen Fans zusammen mit dem damaligen Geschäftsführer Manfred Campe ein Banner mit der Aufschrift "Kein Fußbreit den Faschisten" über den Platz. Bei einem Heimspiel im Dezember 1992 gegen Hertha BSC Berlin blieb ein Teil der Gegengerade frei, um diese mit Transparenten gegen Rassismus auszustatten. In der Hertha Kurve waren zu diesem Zeitpunkt bekanntermaßen zahlreiche rechtsextreme Gewalttäter vertreten, weshalb die Demonstration der St. Pauli Fans gezielt bei diesem Spiel stattfand.
Für internationales Aufsehen sorgte die Absage des Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und England welches am 20. April 1994 im Hamburger Volkspark stattfinden sollte. Tags zuvor sollte nach Willen des DFB bereits ein Spiel der beiden Reservemannschaften am Millerntor ausgetragen werden. Die neuen Pauli Fanzines "Der Übersteiger" (Nachfolger des Millerntor-Roar, existiert bis heute) und "Unhaltbar!" (1999 eingestellt) machten gegen diese Spiele mobil, denn der 20. April ist der Geburtstag von Adolf Hitler und galt unter Rechtsextremen als Feiertag. Man wollte verhindern, dass Nazis sich die Spiele zum Anlass nehmen sich im Stadtgebiet auszutoben. Das B-Länderspiel wurde relativ schnell abgesagt, am Aufeinandertreffen der beiden A-Nationalmannschaften hielt der DFB aber zunächst fest. Weitere Aktionen der St.-Pauli-Fans, wie Flugblätter und Aktionstage brachten Ende Januar 1994 auch das Spiel im Volksparkstadion zur Absage. Der DFB hielt es daraufhin für eine gute Idee, das Spiel am selben Tag im Berliner Olympiastadion auszutragen, welches aber auf Grund der Olympischen Spiele 1936 noch mehr mit der Nazizeit verbunden war. Deutsche und englische Sicherheitsbehörden warnten mittlerweile von Plänen rechter Gruppen aus beiden Ländern. Der englische Fußballverband zog seine Mannschaft dann Anfang April vom Spiel zurück, nachdem Autonome einen Buttersäureangriff auf die Geschäftsstelle des Berliner Fußballverbandes verübt hatten. Das geplante Länderspiel fand nie statt, auch auf Grund des Einsatzes der St. Paulianer, welche bereits frühzeitig die Austragung in Hamburg verhindert hatten.
Zu einem weltweit einzigartigen Vorgang kam es auf Sankt Pauli in den Jahren 1997 und 1998. Was heute kaum noch bekannt ist, zwischen 1970 und 1998 war das Sankt Pauli Stadion nach dem ehemaligen Vereinspräsidenten Wilhelm Koch benannt. Autor René Martens wies in seinem 1997 veröffentlichten Buch "FC St. Pauli - You´ll never walk alone" auf die NSDAP Mitgliedschaft des ehemaligen Präsidenten hin, zu dem habe Koch 1933 ein jüdisches Handelsunternehmen übernommen. Auf der Jahreshauptversammlung 1997 zogen die Veröffentlichungen von Martens hohe Wellen und die Forderungen wurden laut, die heimische Spielstätte wieder in Millerntor-Stadion umzubenennen. Zunächst wurde ein neutraler Gutachter beauftragt, der die Aktivitäten Kochs in der Nazi-Zeit genauer erforschen sollte. Die Recherchen dauerten mehrere Monate, brachten abgesehen von dem Parteibeitritt keinerlei weitere politische Aktivitäten Kochs hervor. Auch die Übernahme der jüdischen Firma sei in beiderseitigem Einverständnis erfolgt und die Alteigentümer hätten auch nach dem Aufkauf ein enges freundschaftliches Verhältnis zu Koch gepflegt. Auf der Jahreshauptversammlung stellte die aktive Fanszene trotzdem den Antrag zur Umbenennung des Stadions, mit der Begründung, dass ein öffentliches Bauwerk nicht nach einem NSDAP Mitglied benannt sein darf und man könne die politische Ausrichtung des Vereins mit einer Stadion-Umbenennung weiter unterstreichen. Der Antrag wurde schließlich mit 133:77 Stimmen verabschiedet und das "Wilhelm-Koch-Stadion" war Geschichte. Seit der Saison 1999/2000 spielt der FC St. Pauli wieder im Millerntor-Stadion. Auf der Jahreshauptversammlung 2007 beschlossen die Mitglieder, dass der Stadionname nicht an Werbeträger oder Sponsoren veräußert werden darf. Eine "XY-Arena" wird es auf St. Pauli nie geben. Zum Zeitpunkt dieses Beschluss lief bereits der Umbau des Millerntor-Stadion zu seiner heutigen Form, dieser wurde zwischen den Jahren 2006 und 2015 schrittweise vollzogen. In den Jahren zuvor war der FC St. Pauli wieder in eine finanzielle Notlage geraten. Im Jahr 2002 wurde man nach einem Bundesliga Sieg gegen den FC Bayern noch zum selbsternannten "Weltpokalsiegerbesieger", wurde dann aber von der Bundesliga bis in die Regionalliga Nord durch gereicht. Um die Lizenz für die drittklassige Regionalliga zu erhalten, musste aber erst eine Finanzlücke von 1,9 Mio Euro geschlossen werden. Der St. Pauli Vorstand, angeführt von Corny Littmann, veräußerte das Jugendleistungszentrum des Vereins für 720.000 € an die Stadt Hamburg und rief die legendäre Retter-Kampagne ins Leben. Es wurden 140.000 "Retter" T-Shirts verkauft und Uli Hoeneß kam mit seinem FC Bayern München zum Benefizspiel ans Millerntor. Die Budget-Lücke wurde durch die Einnahmen geschlossen und der Zwangsabstieg in die Oberliga verhindert werden. Für die Regionalliga-Saison 2003/04 verkaufte der Verein unfassbare 11.700 Dauerkarten, was einen nie zuvor dagewesen und nie mehr erreichten Rekord darstellte. Die finanziellen Schwierigkeiten blieben bestehen; nachdem man die Rückkehr in die 2. Bundesliga klar verpasste, drohte ein erneuter Zwangsabstieg in die Oberliga, welcher diesmal durch den Verkauf von lebenslangen Dauerkarten verhindert werden konnte. Die Kiezkicker leisteten ihren Teil auf dem Platz und brachten dem Verein durch ein gutes Abschneiden im DFB Pokal 2005/06 finanzielle Entspannung. Die Siege gegen Burghausen, Bochum, Hertha BSC Berlin, Bremen und die Halbfinal-Niederlage gegen Bayern München gingen als "B-Serie" in die Fußball-Geschichte ein. Eine Saison später kehrte man unter Neu-Trainer Holger Stanislawski in die 2. Bundesliga zurück. Zu diesem Zeitpunkt war der Umbau des Millerntor-Stadions bereits gestartet, im Dezember 2006 wurde die alte Südtribüne abgerissen. Der Neubau konnte erst ein halbes Jahr später beginnen, da Verträge zur Finanzierung des Bauprojekts nicht ausreichend gedeckt waren. Durch die Verzögerung gingen dem Verein unnötig viele Einnahmen verloren, da der Spielbetrieb am Millerntor während des gesamten Umbaus aufrecht erhalten wurde. Die Stadionlücke am Standort der ehemaligen Südtribüne wurde von den Fans "Littmann Loch" getauft. Im November 2007 durften erstmals wieder Zuschauer die Stehplätze auf der neu eröffneten Südtribüne benutzen. Vollauslastung gab es aber erst ein halbes Jahr später, als die fertiggestellte Tribüne bei einem Freundschaftsspiel gegen die kubanische Nationalmannschaft offiziell eröffnet wurde. Die Backsteinfassade erinnert von außen an ein klassisches englisches Fußballstadion und hat dadurch in Deutschland seinen ganz eigenen Charme. Neben dem Fanshop und Event-Räumlichkeiten befinden sich in der Südtribüne auch die Büros der Geschäftsstelle des FC St. Pauli.
Im nächsten Umbauschritt wurde die Haupttribüne erneuert, welcher ursprünglich im Sommer 2008 starten sollte. Auf Grund fehlender Kredite verzögerte sich der Baubeginn um mehr als ein Jahr, erst im November 2009 wurde die alte Haupttribüne abgerissen. Eröffnet wurde die neue Haupttribüne mit Beginn der Saison 2010/11, historisch, denn die Kiezkicker waren wieder Teil der 1. Bundesliga. 10 Jahre nach der Fast-Insolvenz war St. Pauli wieder im Fußball-Oberhaus angekommen und das nun mehr neue Millerntor-Stadion sah wieder erstklassigen Fußball. Mit der Eröffnung der neu gebauten Haupttribüne erhöhte sich das Fassungsvermögen des Stadions auf 24.800 Plätze. Während der Bundesliga-Saison standen die Bauarbeiten still, nur die Ecke zwischen den beiden bereits fertigstellten Tribünen musste auf Grund einer DFL-Richtlinie noch geschlossen werden. Für die Eckbebauung hatte man eine grandiose Idee, statt diese mit weiteren Zuschauerplätzen auszubauen entstand hier der weltweit erste Kindergarten in einem Fußballstadion. Die Eröffnung der Kindertagesstätte war am 15. November 2010, heute werden in der "Kita Piraten-Nest" 100 Kinder betreut. Man entschloss sich bewusst gegen weitere Plätze für Zuschauer, da dies das Fassungsvermögen auf über 30.000 Plätze erhöht hätte und für den FC St. Pauli weitere auf dem Heiligengeistfeld nicht umsetzbare DFL Richtlinien zur Folge gehabt hätte, wie zum Beispiel den Bau einer Tiefgarage. In den beiden neu gebauten Tribünen befindet sich allerdings auch der VIP Bereich des Stadions, im Prinzip ein Widerspruch der Vereinsidentität. Aber wenn man im Kreise der Großen mithalten will, muss man eben kompromissbereit sein. Auf der Haupttribüne befinden sich 2.491 Business-Seats, zu dem gibt es über Süd- und Haupttribüne verteilt insgesamt 39 Séparées. In anderen Stadien würden diese vermutlich als Logen bezeichnet werden, es sind Räume mit Blick aufs Spielfeld, die von den Mietern individuell eingerichtet werden dürfen. Aktuell sind diese an große Sponsoren wie Congstar und Astra vermietet, aber auch an reiche Unternehmer aus Nah und Fern.
Am Ende der Saison 2010/11 stieg man nach nur einem Jahr wieder in die 2. Bundesliga ab und verlor zu dem den langjährigen Erfolgstrainer und Pauli-Legende Holger Stainslawski an die TSG Hoffenheim. Der Stadionumbau ging am Ende der folgenden Saison weiter als mit dem Abriss der Gegengerade begonnen wurde. Anfang 2013 wurde der Neubau eröffnet und das Millerntor hatte nun ein Fassungsvermögen von 29.063 Plätze. Die neue Gegengerade bietet dabei Platz für 13.000 Menschen, 3.000 davon sind Sitzplätze im oberen Bereich und der untere Teil der Tribüne besteht aus 10.000 Stehplätzen. Zur Erinnerung, auf den Stehplätzen der Gegengerade entstand in den 1980er Jahren die heute weltweit bekannte St. Pauli Fankultur.
Abgeschlossen wurde der jahrelang andauernde Umbau im Jahr 2014 mit dem Neubau der Nordtribüne. Auf Grund einer Partie gegen Borussia Dortmund in der zweiten DFB Pokal Runde, verschob man den Baubeginn noch einmal um wenige Woche, kurz danach verschwand aber auch die letzte alte Tribüne des Millerntor-Stadions. Die neue Nordtribüne wurde schließlich am ersten Spieltag der Zweitliga Saison 2015/16 eröffnet. Zu Gast war Arminia Bielefeld und das Millerntor selbstverständlich ausverkauft. Die neue Kapazität von 29.546 Plätzen wurde komplett ausgeschöpft und markierte gleichzeitig auch einen neuen Zuschauerrekord auf St. Pauli. Die Fans aus Bielefeld eröffneten auch den neuen Gästeblock auf der Nordtribüne, dieser kann je nach Gäste-Aufkommen in der Größe verstellt werden. Kommt beispielsweise aktuell der SV Sandhausen mit einer handvoll Fans ans Millerntor, können so weitere Plätze für St. Pauli Fans zur Verfügung gestellt werden.
"Welcome to hell!", das Millerntor-Stadion hat auch nach den Umbaumaßnahmen seinen ganz eigenen Flair und ist mit anderen Stadien der deutschen Profiteams nicht zu vergleichen. Vielen Auswärtsmannschaften wird das Fürchten gellehrt, wenn sie durch den Geisterbahn ähnlichen Spielertunnel ins Stadion einlaufen. Mit den Glockenschlägen von AC/DC´s Hells Bells wird seit Anfang 2000 der Fußballgottesdienst auf St. Pauli eröffnet. Bevor die legendäre Einlaufzeremonie beginnt, werden 10 Minuten vorher sämtliche Werbedurchsagen und Musikabspiellungen gestoppt. Stattdessen starten die St. Pauli Fans schon vor dem Anpfiff ihren ersten "Millerntor-Roar" und verwandeln das Stadion regelmäßig in einen Hexenkessel. Auswärtige Fans sehen im Millerntor direkt die Ideologie des Vereins, die Tribünen sind mit politischen Parolen versehen. Auf der Gegengerade steht unübersehbar "Kein Fußball den Faschisten", die Nordtribüne trägt den Slogan "Kein Mensch ist illegal". Für Pauli-Fans Identifikation, für andere Anlässe unverständlicherweise nur schwer vermittelbar. Als der DFB seine Nationalmannschaft im Millerntor-Stadion trainieren lies, mussten die Botschaften mit Banderolen überhangen werden. Man wollte nicht, dass es Fotos von deutschen Nationalspielern mit politischer Meinungsäußerung im Hintergrund gibt. Aber auch der Verein selber wählt sich seine Gäste bewusst aus, erst kürzlich lehnte man eine Anfrage von Teutonia Ottensen ab. Der Hamburger Pokalsieger wollte sein DFB Pokal Erstrundenspiel in der kommenden Saison 2022/23 gerne am Millerntor austragen. Sankt Pauli lehnte die Anfrage ab, da man RB Leipzig keine Bühne im heimischen Stadion geben möchte. Der Verein wie auch die Fanszene sehe das Modell von RB äußerst kritisch und unterstreicht mit dem Entschluss, dass das Millerntor-Stadion als Symbol für solidarischen und gerechteren Fußball steht. Bisher durfte nur der USC Paloma Hamburg als auswärtige Hamburger Mannschaft ein Heim-Pflichtspiel am Millerntor austragen. In der DFB-Pokalsaison 2002/03 empfing man auf dem Heiligengeistfeld in der ersten Runde den 1. FC Kaiserslautern.
Der FC Sankt Pauli ist heute selbst jedem Nicht-Fußball-Fan ein Begriff, das Millerntor-Stadion hat Kultstatus und wird diesen auf ewig tragen. Stadion und Verein polarisieren. In Sankt Pauli hat man es geschafft, seine Identität in Zeiten des Kommerz-Fußballs nicht zu verlieren. Hamburg ist Braun-Weiss!

Der FC Sankt Pauli ist im Herzen von Hamburg zu Hause
Auf dem Heiligengeistfeld unweit der Reeprbahn...
... steht das Millerntor-Stadion
Die Ursprungsversion des Stadions wurde 1963 eröffnet
Die Umkleideräume der Profi-Mannschaft
Die furchteinflößende Spielertunnel
Der St. Pauli Totenkopf ist am Millerntor nicht mehr
wegzudenken
Über dem Ausgang des Spielertunnels befindet sich der
weltweit erste Kindergarten in einem Fußballstadion
"Kein Fussball den Faschisten", die Gegengerade
"Voran Sankt Pauli", die Südtribüne
"Kein Mensch ist illegal", die Nordtribüne
Der größenverstellbare Gästeblock auf der Nordtribüne
Auf den Stehplätzen der Gegengerade entstand in den 1980er
die heute bekannte St. Pauli Fankultur
Über den Stehplätzen befinden sich heute noch Sitzpläte
Auf Pauli trinkt man Astra
Die Fassade der Südtribüne nach englischem Vorbild
Hamburg ist braun weiss!

Die Fotos entstanden im Rahmen der Millerntour, der FC St. Pauli Stadionführung, am 9. Mai 2022.

Dies war der achte Teil unserer Serie über historische Fußballstadien, zuvor blickten wie bereits auf das mittlerweile abgerissene Stadion am Hermann-Löns-Weg in Solingen, das Röntgen Stadion in Remscheid, auf das Jahnstadion in Mönchengladbach, die Westkampfbahn in Düren, das Grotenburg-Stadion in Krefeld, das Stadion Mittelwiese in Ruhla und zuletzt auf das Waldstadion am Erbsenberg in Kaiserslautern. Folgt mir bestenfalls auf Twitter und erfahrt dort sofort wenn ein neues Feature erscheint.

Quellen-Verzeichnis:
- "Niemand siegt am Millerntor. Die Geschichte des legendären St.-Pauli-Stadions" - René Martens - Verlag die Werkstatt - 2008
- "Das große Buch der deutschen Fußball-Stadien" - Werner Skrentny - Verlag die Werkstatt- 2009
- Ankekdoten aus der "Millerntour" - Stadionführung des FC St. Pauli