Donnerstag, 15. Oktober 2026

Valencia - Frühjahr 2026

Zwei Jahre nach meinem ersten Fußballtrip nach Madrid ging es im Frühjahr 2026 zurück in die spanische Hauptstadt. Während damals vor allem der Besuch bei Real Madrid mit dem Estadio Santiago Bernabéu im Fokus standen, sollte diesmal endlich das Estadio Metropolitano von Atlético de Madrid folgen. Ein Ground, der bei meinem ersten Besuch nur im Rahmen einer Stadiontour besucht, ein Spielbesuch war noch offen geblieben und konnte nun nachgeholt werden.
Madrid war allerdings nur der Auftakt einer Reise, deren eigentlicher Schwerpunkt einige hundert Kilometer weiter östlich lag. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug ging es anschließend nach Valencia, einer Stadt, die für Groundhopper gleich mehrere interessante Ziele bereithält. Im Mittelpunkt stand natürlich das legendäre Estadio de Mestalla. Die Gelegenheit, eines der traditionsreichsten Stadien Europas zu besuchen, wird schließlich immer seltener. Seit Jahren wird über einen Umzug diskutiert und auch wenn sich die Fertigstellung des neuen Stadions immer weiter verzögert soll der Umzug ins Nou Mestalla im Sommer 2027 stattfinden. Daher wollte ich die Chance nutzen, noch ein Spiel im originalen Mestalla zu erleben.
Doch Valencia hatte deutlich mehr zu bieten als nur den Besuch beim Valencia CF. Mit Levante UD stand auch der zweite Erstligist der Stadt auf dem Programm. Dazu kamen zwei weitere Spiele im spanischen Amateurfußball, die einen ganz anderen Blick auf die Fußballkultur des Landes ermöglichten. Zwischen den Stadionbesuchen blieb außerdem genug Zeit, um die Stadt selbst zu erkunden.
Dabei fiel die Reise zufällig genau in die Zeit der Fallas. Das berühmte Frühlingsfest prägt Valencia jedes Jahr im März und verwandelte die gesamte Stadt in eine einzige Festmeile. Riesige Figuren auf den Straßen, Musik an jeder Ecke, Feuerwerk zu jeder Tageszeit und eine Atmosphäre, die man so wohl nur in Valencia erleben kann. So wurde aus einem reinen Fußballtrip unerwartet auch eine kleine Kulturreise.
Fünf Spiele in zwei Städten, drei neue Erstligastadien, ein besonderes Jubiläum im Mestalla und dazu eine Stadt im Ausnahmezustand. Die Voraussetzungen für eine gelungene Spanienreise hätten kaum besser sein können.

24. Februar 2026 - Atlético de Madrid gg Club Brugge KV - 4:1
UEFA Champions League - Play-offs - Estadio Metropolitano, Madrid - 66.756 Zuschauer

Nach der Ankunft in Madrid blieb zunächst etwas Zeit, um durch die Stadt zu schlendern. Obwohl mein erster Besuch bereits zwei Jahre zurücklag, fühlte sich vieles noch erstaunlich vertraut an. Die Metrofahrten, die Plätze im Zentrum, die belebten Straßen rund um die Gran Vía. Es war ein wenig wie nach Hause kommen. Madrid ist eine dieser Städte, in denen man sich sofort wieder zurechtfindet und in denen man sich als Besucher schnell wohlfühlt.
Der fußballerische Auftakt der Reise führte am Dienstagabend ins Estadio Metropolitano, wo Atlético Madrid in der Champions League den Club Brügge empfing. Einer der Hauptgründe für die Rückkehr in die spanische Hauptstadt, denn bei meinem ersten Madrid Besuch war das Stadion nur im Rahmen einer Stadiontour erkundet wurden, ein Spielbesuch war offen geblieben. Diesmal sollte das Kreuz endlich gesetzt werden.
Erfreulich unkompliziert verlief dabei die Ticketbeschaffung. Während der Kauf von Eintrittskarten bei Real Madrid in der Vergangenheit deutlich mehr Planung erforderte, präsentierte sich Atlético ausgesprochen besucherfreundlich. Ein Benutzerkonto auf der Vereinsseite genügte und anschließend standen Tickets in verschiedensten Kategorien zur freien Auswahl. Wenige Minuten später war die Eintrittskarte gesichert.
Das Estadio Metropolitano liegt im Osten Madrids und ist durch die Metro hervorragend angebunden. Seit 2017 trägt Atlético hier seine Heimspiele aus, nachdem man die traditionsreiche Heimat am Vicente Calderón verlassen hatte. Mit über 70.000 Plätzen gehört die Arena zu den größten Stadien Spaniens. Trotz ihrer modernen Architektur wirkt sie keineswegs steril. Die steilen Tribünen sorgen für eine beeindruckende Nähe zum Spielfeld und verleihen dem Stadion einen deutlich kompakteren Charakter als vielen anderen Neubauten dieser Größenordnung.
Schon beim ersten Blick auf die Arena wurde schnell klar, warum das Metropolitano inzwischen zu den bekanntesten Fußballstadien Europas zählt. Bevor es wenige Tage später weiter nach Valencia gehen sollte, stand zunächst also ein Abend unter Flutlicht in der Champions League auf dem Programm.
Was
sich an diesem Dienstagabend im Estadio Metropolitano abspielte, sollte mit Abstand der stimmungsreichste Fußballabend werden, den ich bis dahin in Spanien erlebt hatte. Schon vor dem Anpfiff wurde im Fondo Sur eine gewaltige Choreographie präsentiert. Über den Rängen prangte der Schriftzug „Una lucha sin cuartel“, was sich sinngemäß mit „Ein Kampf ohne Gnade“ oder „Ein unerbittlicher Kampf“ übersetzen lässt. Dazu gab es ein aufwendiges Bildmotiv mit historischen Kriegern, das die kämpferische Mentalität von Atlético unterstrich. Eine passende Botschaft für eine Mannschaft, die sich im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League keinen Ausrutscher erlauben durfte.
Schon die Choreo war ein echter Hingucker, doch das sollte erst der Anfang sein. Im Laufe des Spiels entwickelte sich das Metropolitano immer mehr zu einem Hexenkessel. Besonders beeindruckend waren die Momente, in denen sich ganze Tribünen erhoben und gemeinsam die Vereinshymne anstimmten. „Atleti, Atleti, Atlético de Madrid …“ schallte es durchs Rund, und das nicht nur einmal. Wenn ein ganzes Stadion dieser Größenordnung geschlossen singt, bekommt man schon eine Ahnung davon, welche Wucht Fußball entwickeln kann. Für mich waren das definitiv die Momente, die diesen Stadionbesuch so besonders machten.
Auf dem Platz war die Angelegenheit zunächst allerdings längst nicht so eindeutig, wie es das Endergebnis vermuten lässt. Nach dem 3:3 im Hinspiel in Belgien war die Ausgangslage völlig offen und auch Club Brügge machte den Gastgebern das Leben alles andere als leicht. Atlético ging zwar in Führung, musste aber nach dem Ausgleich der Belgier wieder um den Einzug ins Achtelfinale bangen. Nach der Pause legten die Rojiblancos dann allerdings eine Schippe drauf. Johnny Cardoso brachte Atlético erneut in Führung, ehe Alexander Sørloth mit zwei weiteren Treffern seinen Dreierpack perfekt machte und den 4:1 Endstand besiegelte. Mit einem Gesamtergebnis von 7:4 war der Einzug ins Achtelfinale damit schließlich doch noch souverän unter Dach und Fach.
Für mich persönlich war das Ergebnis fast schon zweitrangig. Viel mehr bleibt dieser Abend wegen der Atmosphäre in Erinnerung. Ich hatte in Spanien schon einige Stadien besucht, aber diese Mischung aus Choreographie, gemeinsam gesungener Vereinshymne und der immer wieder aufbrandenden Lautstärke hatte ich so noch nicht erlebt. Das Metropolitano war an diesem Abend ein echter Hexenkessel und der Besuch damit ein absoluter Volltreffer. Madrid hatte also nicht nur das Gefühl vermittelt, nach Hause zu kommen, sondern auch direkt einen der eindrucksvollsten Fußballabende der gesamten Reise geliefert.
Der Morgen danach stand dann ganz im Zeichen des Weiterreisens. Relativ unkompliziert ging es mit dem Schnellzug von Madrid nach Valencia, wo der zweite Teil meiner Spanienreise auf mich wartete. Und der sollte es in sich haben. Während in der spanischen Hauptstadt zunächst ein Champions-League-Abend im Mittelpunkt gestanden hatte, standen in Valencia gleich vier weitere Spiele auf dem Programm. Für Groundhopper also beste Voraussetzungen, um die Stadionliste ordentlich wachsen zu lassen, zumal beide Erstligisten aus Valencia ein Heimspiel an diesem Wochenende hatten, was nicht häufig vorkommt.
Am Anreisetag und auch am darauffolgenden Tag herrschte auf dem Spielplan allerdings erst einmal Ruhe. Zeit, um ein wenig durchzuatmen und die Stadt kennenzulernen, blieb damit genug. Ganz ohne Fußball ging es natürlich trotzdem nicht. Schließlich gibt es in Valencia mit dem legendären Mestalla ein Stadion, das man sich als Groundhopper nicht einfach nur von außen anschauen kann. Also stand eine Stadiontour auf dem Programm, die gleichzeitig eine gute Vorbereitung auf den eigentlichen Spielbesuch am Sonntag sein sollte. Dieser sollte den Abschluss meiner Reise bilden. Der Ablauf der Führung war dabei weitgehend vergleichbar mit anderen Stadiontouren. Eine Gruppe von ungefähr 30 bis 40 Personen wurde von einem Guide durch die verschiedenen Bereiche des Stadions geführt. An den wichtigsten Stationen gab es die passenden Informationen zur Geschichte und zum Alltag des FC Valencia, während man einen Blick auf die Ränge, den Innenraum und weitere normalerweise nicht zugängliche Bereiche werfen konnte. Für mich stand dabei allerdings weniger das Zuhören im Vordergrund. Ich nutzte die Gelegenheit vor allem, um möglichst viele Fotos für ein geplantes Stadionfeature über das Mestalla auf meinem Blog zu machen. Schließlich sollte das traditionsreiche Stadion nicht nur bei einem kurzen Spielbericht auftauchen, sondern später noch einmal ausführlicher vorgestellt werden. Das Mestalla gehört zu den bekanntesten Fußballstadien Spaniens und hat im Vergleich zu vielen modernen Arenen einen ganz eigenen Charakter. Die steilen Tribünen und die unmittelbare Nähe zum Spielfeld lassen schon bei einer Tour erahnen, dass es hier an einem Spieltag durchaus laut werden kann. Auch wenn während der Führung natürlich keine echte Spieltagsatmosphäre aufkam, war es trotzdem interessant, das Stadion einmal in Ruhe kennenzulernen, bevor wenige Tage später endlich der Ball rollen sollte.
Zum Abschluss des Tages durfte dann auch die kulinarische Seite Valencias nicht zu kurz kommen. Schließlich gilt die Stadt als Heimat der Paella, und wenn man schon einmal hier ist, gehört eine originale valencianische Paella einfach dazu. Nach dem Stadionprogramm ging es also ans Essen, bevor die nächsten Tage wieder ganz im Zeichen des Groundhoppings stehen sollten. Noch war es die Ruhe vor dem nächsten Fußballmarathon, denn vier Spiele warteten schließlich noch auf mich.

27. Februar 2026 - Levante UD gg Deportivo Alavés - 2:0
La Liga - 26. Spieltag - Estadio Ciudad de Valencia, Valencia - 17.880 Zuschauer

Freitagabend rollte dann endlich wieder der Ball. Neben dem FC Valencia beheimatet die Stadt an der spanischen Mittelmeerküste mit Levante UD noch einen zweiten Verein, der in der Saison 2025/26 im spanischen Oberhaus vertreten war. Nach dem Aufstieg aus der Segunda División kehrte Levante zur neuen Spielzeit in die Primera División (La Liga) zurück. Damit gab es in Valencia wieder zwei Erstligisten und natürlich auch das traditionsreiche Stadtderby zwischen den beiden Klubs. Dass beide Vereine im Laufe eines Wochenendes ein Heimspiel austragen, kommt nicht unbedingt häufig vor. Für meine Reiseplanung war das natürlich ein echter Glücksfall.
Den Auftakt machte am Freitagabend Levante UD mit einem Heimspiel gegen Deportivo Alavés. Die Ticketbeschaffung verlief dabei völlig problemlos. Selbst am Spieltag waren noch die Tageskassen geöffnet, sodass man sich im Vorfeld keinen großen Kopf machen musste. Gerade bei solchen Besuchen ist das angenehm. Kein kompliziertes Ticketverfahren, keine wochenlange Planung, sondern einfach hinfahren und Fußball schauen.
Gespielt wurde im Estadio Ciudad de Valencia, der Heimstätte von Levante UD im Stadtteil Orriols. Das Stadion wurde am 6. September 1969 eröffnet und trug zunächst den Namen Estadio Antonio Román. Später wurde es als Nuevo Estadio beziehungsweise Nou Estadi bezeichnet, ehe es 1999 seinen heutigen Namen erhielt. Nach mehreren Modernisierungen präsentiert sich die Anlage inzwischen mit überdachten Tribünen und modernen Videowänden. Mit einer Kapazität von rund 26.000 Plätzen ist das Ciutat de València deutlich kleiner als das Mestalla, besitzt aber seinen eigenen Charakter und ist die feste Heimat des Vereins seit inzwischen mehr als fünf Jahrzehnten.
Die Geschichte von Levante und dem Stadtrivalen Valencia CF reicht weit zurück. Erste Duelle zwischen den beiden Klubs gab es bereits 1920 im regionalen Fußball, während sie sich erstmals 1963 in der Primera División gegenüberstanden. Das Derby wird häufig als „Derbi del Turia“ bezeichnet, benannt nach dem Fluss, der durch Valencia fließt. Auch wenn die Kräfteverhältnisse zwischen den Vereinen historisch nicht immer ausgeglichen waren, gehört die Begegnung bis heute fest zur Fußballgeschichte der Stadt.
Auf den Rängen wurde schnell deutlich, dass nach dem stimmungsvollen Champions-League-Abend bei Atlético wieder klassische spanische Fußballkost auf mich wartete. Das spielerische Niveau war hoch, während sich die akustische Unterstützung im Wesentlichen auf eine kleine Ultragruppe konzentrierte. Eine durchgehend laute Kulisse sollte man hier also nicht erwarten. Stattdessen ließ sich das Spiel ganz entspannt verfolgen, ohne großes Drumherum und ohne dass der Stadionbesuch zur aufwendigen Veranstaltung wurde. Sportlich setzte sich Levante am Ende mit 2:0 gegen Alavés durch. Ein Heimsieg, der den Abend abrundete, ohne dass daraus ein besonders spektakulärer Fußballkrimi wurde. Für mich war es vor allem ein unkomplizierter Erstligabesuch in einem weiteren spanischen Stadion, bei dem alles reibungslos funktionierte. Nach dem intensiven Abend bei Atlético war der Kontrast durchaus auffällig. Hier ging es wieder deutlich ruhiger zu, mit gutem Fußball auf dem Platz und einer Atmosphäre, bei der man sich einfach zurücklehnen und das Spiel genießen konnte.

28. Februar 2026 - Patacona CF gg Manises CF - 2:0
Lliga Comunitat Valenciana Grupo Nord - 23. Spieltag - Estadio de Patacona de Alboraya, Alboraya - ca. 50 Zuschauer

Am Samstag lag der Fußball in Valencia dann eher brach. Im Stadtgebiet gab es zwar einige Amateurspiele, allerdings überwiegend auf den üblichen Kunstrasenplätzen, die aus Groundhoppersicht nicht unbedingt für Begeisterungsstürme sorgen. Auch das Wetter spielte nicht hundertprozentig mit, immerhin blieb es trocken. Meine Wahl fiel schließlich auf einen Besuch beim Patacona CF, dessen Sportanlage sich in der Küstengemeinde Alboraya nördlich von Valencia befindet.
Der Campo Municipal de la Patacona ist wirklich nur einen Steinwurf von der Mittelmeerküste entfernt. Eine durchaus nette Lage, die allerdings nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass es sich bei der Anlage um einen ziemlich unspektakulären Kunstrasenplatz handelte. Große Besonderheiten gab es hier nicht zu entdecken. Für die Stadionliste sollte der Ground trotzdem mitgenommen werden.
Immerhin ergab sich vor Ort noch eine kleine Gelegenheit für ein paar Fotos aus einer etwas ungewöhnlichen Perspektive. Von einem Garagendach aus ließ sich der Platz nämlich ganz gut von oben ablichten. Die Chance wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und erledigte die Fototour kurzerhand von dort oben. Lange dauerte es allerdings nicht, bis jemand vom Verein auf mich aufmerksam wurde und mir auf Spanisch offenbar erklärte, dass dieser Bereich nur Vereinsmitgliedern zugänglich sei.
Damit war die Sache dann auch geklärt. Also wieder runter vom Garagendach und zurück an den Spielfeldrand, von wo aus der Rest des Spiels verfolgt wurde. Nicht unbedingt der spektakulärste Ground der Reise und auch sonst ein Besuch ohne große Höhepunkte. Aber genau solche Plätze gehören beim Groundhopping eben ebenfalls dazu. Manchmal gibt es ein besonderes Stadion, manchmal eine beeindruckende Atmosphäre und manchmal bleibt am Ende vor allem die Erinnerung daran, dass man für ein paar Fotos kurz auf einem Garagendach stand. So blieb der Samstag ein eher unspektakulärer Groundhopping-Tag, an dem zumindest ein weiterer Haken auf der Liste gesetzt werden konnte. Viel mehr hatte der Besuch bei Patacona CF ehrlich gesagt nicht zu bieten. Dass der Sonntag dafür noch einmal deutlich mehr Fußball und hoffentlich auch mehr Erlebnischarakter bereithalten sollte, kam da gerade recht. Zum Abschluss meiner Spanienreise wartete noch einmal ein volles Programm, bei dem der Samstag schnell in Vergessenheit geraten sollte.

1. März 2026 - Torrent CF gg Terrassa FC - 0:1
Segunda División RFEF Group 3 - 25. Spieltag - Campo de San Gregorio, Torrente - ca. 300 Zuschauer

Der Sonntag sollte dann tatsächlich noch einmal deutlich mehr Fußball und Erlebnischarakter bieten. Da der Anpfiff im Mestalla erst für 16:15 Uhr angesetzt war, wollte ich den Tag natürlich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Statt auszuschlafen, stand deshalb bereits um 12 Uhr das nächste Amateurspiel auf dem Programm. Die Reise führte mich zum Torrent CF ins Campo de San Gregorio, wo ich mir vor dem eigentlichen Höhepunkt des Tages noch einen weiteren Ground sichern konnte.
Der Sonntag sollte dann tatsächlich noch einmal deutlich mehr Fußball und Erlebnischarakter bieten. Da der Anpfiff im Mestalla erst für 16:15 Uhr angesetzt war, wollte ich den Tag natürlich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Statt auszuschlafen, stand deshalb bereits um 12 Uhr das nächste Amateurspiel auf dem Programm. Die Reise führte mich zum Torrent CF ins Campo de San Gregorio, wo ich mir vor dem eigentlichen Höhepunkt des Tages noch einen weiteren Ground sichern konnte.
Schon beim ersten Blick auf das San Gregorio wurde deutlich, dass die Anlage einiges mehr zu bieten hatte als der Kunstrasenplatz, den ich am Vortag besucht hatte. Auch hier lag ein künstlicher Untergrund, doch die ausgebaute Spielstätte machte einen wesentlich stadiongerechteten Eindruck. Besonders die überdachte Haupttribüne mit ihren Sitzplätzen prägt das Bild der Anlage und sorgt dafür, dass sich das Geschehen nicht einfach nur auf einem beliebigen Sportplatz abspielt. Mit einer Kapazität von mehr als 4.000 Zuschauern bietet das San Gregorio zudem ordentlich Platz für die Anhänger des Vereins.
Für mich war das San Gregorio damit ein gelungener Auftakt in den letzten Fußballtag der Reise. Kein historisches Schmuckstück, das man unbedingt zu den schönsten Anlagen Spaniens zählen müsste, aber ein vernünftig ausgebautes Stadion mit eigener Geschichte und einem ordentlichen Rahmen für Fußball in der vierten Liga. Der Vormittag war sinnvoll genutzt und der nächste Haken auf der Liste gesetzt. Nun wurde es langsam Zeit, den Blick auf den eigentlichen Höhepunkt des Tages zu richten. Am Nachmittag sollte sich mit dem Mestalla endlich eine der großen offenen Stadionbaustellen meiner Spanienbesuche schließen.

1. März 2026 - Valencia CF gg CA Osasuna - 1:0
La Liga - 26. Spieltag - Estadio de Mestalla, Valencia - 44.415 Zuschauer

Die Weiterreise von Torrent zum Mestalla verlief anschließend völlig problemlos mit der Bahn. Als ich am Stadion ankam, war es bis zum Anpfiff zwar noch eine ganze Weile hin, rund um die Arena herrschte aber bereits reges Treiben. Der übliche Spieltagsbetrieb war in vollem Gange. Besonders in Erinnerung blieb mir eine Blaskapelle, die rund um das Stadion zog und mit Trompeten und Trommeln für zusätzliche Geräuschkulisse sorgte. Ob die gespielten Lieder nun speziell für Valencia CF gedacht waren oder einfach zum allgemeinen Treiben gehörten, kann ich nicht sagen. Klar war aber: Hier war Matchday.
Auch die Ticketbeschaffung hatte sich im Vorfeld völlig unkompliziert gestaltet. Ich konnte mir problemlos eine Eintrittskarte sichern und wählte dabei ganz bewusst einen Platz in der letzten Reihe. Wenn schon Mestalla, dann wollte ich schließlich auch einmal von ganz oben auf das Geschehen blicken. Und spätestens beim Betreten des Stadions wurde klar, dass diese Entscheidung eine gute war. Die Ränge ziehen sich unglaublich steil nach oben. Gerade aus den oberen Reihen bekommt man dadurch einen beeindruckenden Blick auf das Spielfeld, während die Tribünen fast senkrecht über einem aufzuragen scheinen. Das Mestalla ist eben kein moderner Stadionbau, bei dem alles großzügig und weitläufig wirkt. Hier sitzt man dicht am Geschehen und hat gleichzeitig das Gefühl, hoch über dem Spielfeld zu thronen.
Dazu kam das Wetter, das pünktlich zum Spielbeginn noch einmal richtig mitspielte. Während der Himmel zuvor nicht unbedingt spektakulär ausgesehen hatte, kam rechtzeitig die Sonne heraus und ließ das Stadion unter strahlend blauem Himmel erstrahlen. Die offenen Tribünen, die steilen Ränge und das satte Grün des Rasens ergaben zusammen ein Bild, das man sich als Groundhopper eigentlich nur wünschen kann. Was für ein Szenario! Allein für diesen Anblick hatte sich der Besuch bereits gelohnt.
Dabei schwingt beim Mestalla inzwischen natürlich auch eine gewisse Wehmut mit. Das 1923 eröffnete Stadion gehört zu den traditionsreichsten Fußballstätten Spaniens und soll mit dem Umzug in das neue Nou Mestalla nach der Saison 2026/27 seine Pforten schließen. Viel Zeit bleibt also nicht mehr, um diesen besonderen Ground im regulären Ligabetrieb zu erleben. Genau deshalb ist für meinen Blog ein ausführlicher Beitrag über das Mestalla geplant, in dem ich mich intensiver mit der Geschichte und den Besonderheiten des Stadions beschäftigen möchte. Veröffentlicht werden soll dieser zum Abschied der Kultstätte. An dieser Stelle soll es deshalb erst einmal bei meinen Eindrücken von diesem Spieltag bleiben.
Wer nach dem beeindruckenden Stadionbild allerdings eine ebenso mitreißende Atmosphäre erwartet hatte, wurde zumindest an diesem Nachmittag eher enttäuscht. Ähnlich wie bei meinen Besuchen bei Real Madrid und dem FC Barcelona war auch hier ein großer Anteil an Touristen auf den Rängen unterwegs. Eine wirklich geschlossene und dauerhaft laute Unterstützung wollte deshalb nicht aufkommen. Natürlich gab es immer wieder Reaktionen auf das Spielgeschehen, insgesamt blieb es im großen Rund aber eher ruhig. Der Kontrast zum Champions-League-Abend bei Atlético Madrid war jedenfalls kaum zu übersehen.
Interessant war dafür ein Blick auf den Gästeblock. Die mitgereisten Anhänger von Osasuna, schätzungsweise um die 200 Personen, waren in einem kleinen Bereich im Oberrang untergebracht. Eine massive Abtrennung durch Zäune oder hohe Trennwände, wie man sie aus vielen anderen Ländern kennt, gab es dort nicht. Der Gästebereich war vielmehr einfach ein Teil der Tribüne, ohne dass zwischen den Anhängern beider Vereine eine große bauliche Barriere gezogen wurde. Aus deutscher Sicht wirkt das beinahe ungewohnt, schließlich kennt man aus vielen Stadien deutlich stärker abgegrenzte Gästeblöcke. Hier schien die räumliche Trennung wesentlich unkomplizierter gelöst zu sein.
Auf dem Platz setzte sich Valencia CF schließlich mit 1:0 gegen Osasuna durch. Largie Ramazani erzielte in der 67. Minute per Elfmeter den entscheidenden Treffer. Ein großer Fußballklassiker war es spielerisch vielleicht nicht, für mich stand an diesem Nachmittag aber ohnehin etwas anderes im Mittelpunkt. Mit dem Mestalla konnte ich endlich einen der großen offenen Punkte meiner Stadionliste abhaken. Die steilen Ränge, der Blick von ganz oben und das sonnige Wetter machten den Besuch zu einem würdigen Abschluss des fußballerischen Teils meiner Spanienreise.
Mit dem Abpfiff war der Fußballtag allerdings noch nicht beendet. Von Mestalla ging es anschließend zurück ins Zentrum von Valencia, wo auf dem Rathausplatz im Rahmen der Fallas das tägliche Feuerwerk stattfand. Nach einem Tag zwischen Amateurfußball und Erstligastadion wartete damit noch ein ganz anderes Highlight, das den letzten Abend meiner Spanienreise abrunden sollte.
Am Vortag hatte ich bereits das große Eröffnungsfeuerwerk der Fallas erlebt, das um Mitternacht den Himmel über Valencia erhellte. Am Sonntag stand nun noch einmal die tägliche Pyroshow auf dem Programm, diesmal bereits um 20 Uhr auf dem Rathausplatz. Und spätestens hier wurde klar, dass Pyrotechnik in Valencia während der Fallas defintiv kein Verbrechen ist und das abbrennen auch nicht
 verboten ist. Während man im Stadion vergeblich auf ein bisschen Pyro gehofft hatte, wurde im gesamten Stadtgebiet geknallt und gezündet, was das Zeug hielt. Überall waren Böller zu hören, selbst Kinder hatten sichtlich Freude daran, ihre Knallkörper auf der Straße zu zünden. Es wirkte fast so, als würde während dieser Festtage im Umgang mit Pyrotechnik eine völlig andere Normalität gelten.
Das große Feuerwerk auf dem Rathausplatz setzte dem Ganzen schließlich die Krone auf. Eine extrem laute Show, bei der in kurzer Zeit gewaltige Mengen an Pyrotechnik in den Himmel geschossen wurden. Es knallte, donnerte und leuchtete, dass einem beinahe die Ohren wegflogen. Mit einem gemütlichen Feuerwerk zum entspannten Zuschauen hatte das nur bedingt etwas zu tun. Die Fallas sind eben auch ein Fest für alle Sinne, und der Lärm gehört genauso dazu wie die Lichteffekte am Himmel.
Damit ging eine abwechslungsreiche Spanienreise zu Ende, die unterschiedlicher kaum hätte sein können. Vom stimmungsvollen Champions-League-Abend bei Atlético Madrid über entspannte Erstliga- und Amateurbesuche in Valencia bis hin zum traditionsreichen Mestalla und dem pyrotechnischen Ausnahmezustand der Fallas war alles dabei. Nicht jeder Ground entpuppte sich als Volltreffer, aber genau das gehört beim Groundhopping dazu. Am Ende bleiben neue Stadien auf der Liste, viele Eindrücke und vor allem die Erkenntnis, dass Spanien auch abseits der großen Fußballbühnen einiges zu bieten hat. Und das Mestalla? Das Kreuz ist endlich gesetzt, auch wenn der Abschied von dieser besonderen Kultstätte schon absehbar ist.

Dienstag, 26. Mai 2026

Groundhopping - Winter 2025/26

Lange hat es gedauert, aber ich hatte in letzter Zeit einfach keine Kapazitäten dafür noch Berichte über meine Spielbesuche zu schreiben. Es ist nicht weniger geworden, das Hobby wurde genauso intensiv betrieben wie auch sonst. Nur um die zahlreichen Spielbesuche zusammenzufassen und hier zu präsentieren, fehlte irgendwie immer die Zeit. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Jetzt wird nämlich nach und nach alles nachgeholt und den Auftakt macht der Rückblick auf die Wintersaison, welche mit einem Besuch bei einem legendären Freundschaftsduell in der Veltins Arena begann. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde noch erstmals eine ausländische Liga komplettiert und das neue Jahr wurde mit drei Trips nach Frankreich eröffnet. Auch ein großer neuer Stadionpunkt in den Niederlanden wurde eingetütet.
Auch wenn es hier im Blog diesmal etwas länger dauerte bis zum Update, auf meinem WhatsApp-Kanal der mittlerweile seit über ein Jahr aktiv ist, versende ich immer ein Bild direkt aus dem Stadion. Also folgt gerne dort rein, wenn es hier mal wieder etwas länger dauert ist man dort zumindest kurzfristig auf dem aktuellen Stand meiner Aktivitäten. 
#01 - 14. Dezember 2025 - FC Schalke 04 gg 1. FC Nürnberg - 1:0
2. Bundesliga
 - 16. Spieltag - Veltins-Arena, Gelsenkirchen 
- 62.078 Zuschauer (Ausverkauft)


Los ging es mit einem echten Traditionsduell in der 2. Bundesliga. Am 16. Spieltag stand in der Veltins Arena das Aufeinandertreffen zwischen Schalke 04 und dem 1. FC Nürnberg auf dem Programm. Auch wenn es tabellarisch „nur“ ein Ligaspiel ist, bringt diese Partie durch die gewachsene Fanfreundschaft eine ganz eigene Atmosphäre mit sich. Statt klassischer Feindseligkeit überwiegen hier Respekt und gegenseitige Anerkennung, was man auf den Rängen deutlich spürt.
Zum Anpfiff wurde es direkt sehenswert. In der Nordkurve gab es eine aufwendige Wendechoreographie, bei der abwechselnd die Logos von Schalke und Nürnberg präsentiert wurden. Ein starkes Bild, das die besondere Verbindung der beiden Fanszenen unterstrich. Ohne große Pyroshow, dafür mit klarer Aussage und sauber umgesetzt. Für mich definitiv eine der besten Choreos, die ich bisher auf meinen Touren gesehen habe.
Für mich war es gleichzeitig die Rückkehr in die Veltins Arena. Mein letzter Besuch lag noch gar nicht so lange zurück, damals im Rahmen der EM 2024, als ich hier England gegen Serbien gesehen habe. Diesmal also wieder Vereinsfußball und damit auch der Haken hinter einem weiteren Stadionpunkt im regulären Ligabetrieb.
Sportlich ging es natürlich um wichtige Punkte im Aufstiegsrennen beziehungsweise im Tabellenmittelfeld, aber wie so oft bei solchen Spielen bleibt vor allem das Drumherum hängen. Volles Haus, gute Atmosphäre und eine Partie, die zeigt, dass Fußball auch ohne klassische Rivalität funktionieren kann. Genau solche Spiele machen den Reiz aus.
#02 - 21. Dezember 2025 - FC Viktoria Köln gg MSV Duisburg - 0:0
3. Liga
 - 19. Spieltag - Sportpark Höhenberg, Köln 
- 7.943 Zuschauer 


Kurz vor Weihnachten ging es nochmal in den Sportpark Höhenberg. Viktoria Köln empfing den MSV Duisburg und wie so oft brachten die Zebras ordentlich Leute mit. Der Gästeblock platzte aus allen Nähten und insgesamt hatte man schon das Gefühl, eher bei einem Duisburger Heimspiel zu sein.
Vor dem Anstoß um 19:30 Uhr blieb noch Zeit für einen Abstecher über die komplett überfüllten Kölner Weihnachtsmärkte, bevor es mit der Straßenbahn Richtung Stadion ging. Dort wartete dann direkt zum Start eine ordentliche Pyro und Feuerwerkshow aus dem Duisburger Block. Mehr brauchte es an dem Abend eigentlich auch nicht.
Auf dem Platz passierte wenig, das Spiel endete 0:0 und ging ohne große Highlights durch. Gleichzeitig war es das letzte Spiel auf deutschem Boden im Jahr 2025. Mit dem Abpfiff verabschiedete sich der Profifußball hierzulande in die Winterpause. Für mich stand allerdings noch ein letzter Kick im Kalender.
#03 - 27. Dezember 2025 - RAAL La Louvière gg Oud-Heverlee Leuven - 0:0
Jupiler Pro League 
- 20. Spieltag - Easi Arena, La Louvière (Belgien) 
- 8.500 Zuschauer (Ausverkauft)


Das Fußballjahr 2025 endete für mich in La Louvière. Ein Ort, der auf den ersten Blick nicht unbedingt als klassisches Fußballziel durchgeht. Viel grauer Alltag, ältere Bebauung, wenig Glanz, vor dem Stadion streiften sogar zwei herrenlose Hunde umher. Umso überraschender wirkt dann das, was dort aktuell rund um den Fußball entstanden ist.
Mit der Easi Arena hat RAAL La Louvière eine neue, moderne Spielstätte bezogen, die so gar nicht in das restliche Stadtbild passen will. Klar strukturiert, kompakt gebaut und deutlich auf den Profifußball ausgelegt. Der Umzug dorthin markiert einen echten Neustart für den Klub. Direkt daneben steht noch das alte Stade du Tivoli, das lange Zeit die Heimat des Fußballs in La Louvière war. Der Kontrast zwischen alt und neu ist hier besonders greifbar und zeigt ziemlich deutlich, wohin die Reise gehen soll.
Sportlich hat sich das Ganze ebenfalls ausgezahlt. RAAL La Louvière ist in die erste belgische Liga aufgestiegen und sorgt dort nicht nur auf dem Platz für Aufmerksamkeit. Vor allem die Fanszene sticht heraus. In einem Land, in dem organisierte Ultrakultur eher punktuell vertreten ist, gehört La Louvière aktuell zu den aktivsten Standorten. Gegen OH Leuven wurde das auch deutlich. Über die kompletten 90 Minuten kam durchgehend Support aus der Kurve, konstant und ohne große Pausen. In der Schlussphase wurde dann noch einmal nachgelegt, als in einem großen Fahnenmeer mehrere Blinker gezündet wurden und die Kurve sichtbar aufdrehte.
Das Spiel selbst war am Ende fast zweitrangig, auch wenn es natürlich zum Gesamtbild dazugehört. Viel entscheidender war das Gesamtpaket aus neuem Stadion, aktiver Fanszene und dem Gefühl, hier einen aufstrebenden Standort zu erleben. Für mich hatte der Besuch noch eine zusätzliche Bedeutung. Mit dem Kreuz in La Louvière ist die Jupiler Pro League erstmals komplett in meiner Sammlung. Ein sauberer Abschluss für das Jahr 2025 und ein Ground, der trotz oder vielleicht gerade wegen seines Umfelds im Kopf bleibt.
#04 - 17. Januar 2026 - SR Colmar gg FC Chambly - 0:1
Championnat National 2 - Groupe B 
- 15. Spieltag - Colmar Stadium, Colmar (Frankreich) 
- ca. 150 Zuschauer 


Das Fußballjahr 2026 wurde Mitte Januar eröffnet und führte mich direkt nach Frankreich. Ziel war Colmar im Elsass, wo beim SR Colmar ein Spiel in der Championnat National 2 auf dem Programm stand. Vor dem Anpfiff blieb noch Zeit für einen kurzen Abstecher in die Altstadt, ein Kakao in entspannter Atmosphäre, bevor es zu Fuß Richtung Stadion ging. Der Weg dorthin ist unkompliziert, vom Zentrum aus in etwa zehn Minuten machbar, auch wenn die Anlage selbst etwas außerhalb liegt.
Die Championnat National 2 ist die vierthöchste Spielklasse in Frankreich und damit der höchste reine Amateurbereich unterhalb der landesweiten Profiligen. Entsprechend gemischt ist das Niveau, mit ambitionierten Klubs, zweiten Mannschaften größerer Vereine und klassischen Amateurteams.
Gespielt wurde im Colmar Stadium, einer eher unspektakulären, aber funktionalen Anlage. Ein Rasenplatz, eine kleine überdachte Tribüne entlang der Längsseite und dazu viel Platz rund ums Spielfeld. Alles wirkt offen und zugänglich, typisch für den französischen Amateurfußball. Keine großen Barrieren, kurze Wege und eine angenehme Nähe zum Spiel. Zuschauer verteilen sich locker entlang der Seitenlinien, dazu ein paar Stammgäste auf der Tribüne.
Ein ruhiger Start ins neue Hopperjahr, ohne großes Spektakel, aber genau das macht solche Spiele oft aus. Neue Liga, neuer Ground, anderes Land und ein solider Auftakt für 2026.
#05 - 18. Januar 2026 - RC Strasbourg Alsace gg FC Metz - 2:1
Ligue 1 - 
18. Spieltag - Stade de la Meinau, Straßburg (Frankreich) 
- 30.612 Zuschauer


Das erste richtige Spektakel ließ nicht lange auf sich warten. Einen Tag nach dem ruhigen Auftakt in Colmar ging es nach Straßburg ins Stade de la Meinau zum Derby de l’Est zwischen Racing Straßburg und dem FC Metz. Ein Duell mit ordentlich Geschichte, auch wenn es durch unterschiedliche Ligazugehörigkeiten in den letzten Jahren nicht immer regelmäßig stattfand. Wenn beide aufeinandertreffen, ist die Brisanz aber sofort wieder da. Elsass gegen Lothringen, zwei Regionen mit eigener Identität und entsprechend aufgeladenen Fanlagern.
Das Stade de la Meinau präsentierte sich dabei in einem deutlich moderneren Gewand als noch vor einigen Jahren. In den letzten Jahren wurde hier einiges umgebaut und erneuert, das Stadion wirkt frischer, ohne seinen kompakten und durchaus charakteristischen Stil verloren zu haben. Für das Derby waren alle Tribünen geöffnet, was dem Ganzen einen passenden Rahmen gab.
In der Anfangsphase fiel allerdings auf, dass es aus der Straßburger Kurve ungewöhnlich ruhig blieb. Die Ultras verzichteten in den ersten rund 15 Minuten bewusst auf Support. Hintergrund waren Proteste gegen verschiedene Themen rund um den Verein und den französischen Fußball, unter anderem Entscheidungen der Verbände und der Umgang mit Fanszenen. Nach diesem Stimmungsboykott nahm die Kurve aber spürbar Fahrt auf und beteiligte sich im weiteren Verlauf auch optisch mit Pyrotechnik.
Zur zweiten Halbzeit setzte dann der Gästeblock aus Metz ein Ausrufezeichen. Mit einer Choreografie und Pyro starteten sie in die zweiten 45 Minuten und zeigten, dass auch auswärts ordentlich geliefert werden kann. Insgesamt ein Derby, das auf den Rängen von beiden Seiten lebte, mit den typischen Wechseln aus lautstarkem Support und hitzigen Phasen, auch wenn es stimmungsmäßig an die ganz großen Derbys jetzt nicht ran kam.
Auf dem Platz ging es ebenfalls zur Sache. Straßburg sicherte sich am Ende mit einem 2:1 den Derbysieg und sorgte damit für den passenden Abschluss eines intensiven Fußballtages. Ein Spiel, das dann aber doch genau das geliefert hat, was man sich von so einem Derby erhofft.
#06 - 25. Januar 2026 - KWSC Lauwe gg Olsa Brakel - 0:0
3de Nationale VV A - 
19. Spieltag - Stadion Jan Verhoeve, Menen-Lauwe (Belgien) 
- ca. 150 Zuschauer


Der nächste Halt führte in den belgischen Amateurfußball nach Lauwe, wo der KWSC Lauwe seine Heimspiele im Stadion Jan Verhoeve austrägt. Sportlich war die Partie gegen Olsa Brakel mit einem torlosen 0:0 eher schwere Kost, dafür wusste die Spielstätte selbst umso mehr zu überzeugen.
Das Stadion Jan Verhoeve gehört genau zu den Anlagen, die man als Groundhopper gerne mitnimmt. Klassisch gewachsen, kompakt und mit viel eigenem Charakter. Entlang des Spielfelds finden sich noch mehrere ältere Ausbauformen, dazu eine kleine überdachte Tribüne und viel Nähe zum Geschehen. Besonders auffällig ist, wie offen und gleichzeitig gemütlich die Anlage wirkt. Keine sterile Standardanlage, sondern ein Stadion mit gewisser Patina und typisch belgischem Fußballflair. Genau solche Grounds bleiben oft länger im Kopf als das eigentliche Spiel.
Die Zuschauer verteilten sich locker rund ums Feld, Gespräche am Spielfeldrand, dazu die ruhige Atmosphäre eines belgischen Amateurspiels an einem kühlen Wintertag. Fußballerisch passierte dagegen wenig. Chancen blieben Mangelware und so stand am Ende ein folgerichtiges 0:0 auf der Anzeigetafel.
Viel wichtiger war ohnehin der Stadionpunkt selbst, denn das Stadion Jan Verhoeve war definitiv der Star des Tages. Lange blieb ich dort allerdings nicht, denn am Abend wartete bereits der erste Doppler des Jahres.
#07 - 25. Januar 2026 - Lille OSC gg RC Strasbourg Alsace - 1:4
Ligue 1 - 
19. Spieltag - Stade Pierre-Mauroy, Lille (Frankreich) 
- 38.551 Zuschauer


Von Lauwe ging es am Abend nur noch ein kurzes Stück über die französische Grenze nach Lille. Dort stand mit dem Ligue 1 Spiel zwischen dem OSC Lille und Racing Straßburg direkt der erste Doppler des Jahres an. Gespielt wurde im Stade Pierre Mauroy, einer der modernsten Arenen Frankreichs. Besonders angenehm an diesem Winterabend war das geschlossene Stadiondach, wodurch man die kalten Temperaturen draußen schnell vergaß und eher das Gefühl einer großen Indoor Arena bekam.
Das Stade Pierre Mauroy wurde 2012 eröffnet und bietet Platz für rund 50.000 Zuschauer. Die Arena liegt etwas außerhalb im Stadtteil Villeneuve d’Ascq und ist hervorragend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Neben Fußball finden hier regelmäßig auch Konzerte und andere Großveranstaltungen statt. Internationale Aufmerksamkeit bekam das Stadion zuletzt während der Olympischen Spiele 2024, als hier unter anderem das legendäre Handball Viertelfinale zwischen Deutschland und Gastgeber Frankreich ausgetragen wurde, in dem die deutsche Mannschaft die Franzosen aus dem Turnier warf.
Zum Spielbeginn gab es zunächst eine kleinere Choreographie der Heimfans inklusive einiger gezündeter Bengalos. Insgesamt blieb die Stimmung im Stadion aber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Gerade nach dem frühen Rückstand wurde es auf den Rängen zunehmend ruhiger. Auch sportlich entwickelte sich der Abend für Lille zum Desaster. Straßburg spielte effizient und gewann am Ende deutlich mit 4:1. Mit zunehmender Spielzeit leerten sich die Tribünen immer weiter und zum Schlusspfiff war nur noch ungefähr die Hälfte der ursprünglich anwesenden Zuschauer im Stadion geblieben. Trotzdem ein interessanter Stadionpunkt und ein gelungener Abschluss des ersten Dopplers im Jahr 2026.
#08 - 7. Februar 2026 - RC Lens gg Stade Rennais FC - 3:1
Ligue 1 - 
21. Spieltag - Stade Bollaert-Deleis, Lens (Frankreich) 
- 38.174 Zuschauer


Es waren französische Wochen zum Jahresbeginn. Anfang Februar stand bereits der dritte Erstliga Ground binnen drei Wochen auf dem Programm. Nach Straßburg und Lille führte die Reise diesmal nach Nordfrankreich zum RC Lens ins legendäre Stade Bollaert Delelis.
Das Stadion gehört ohne Zweifel zu den besonderen Fußballorten des Landes. Mitten in der Stadt gelegen, umgeben von alter Bergbaugeschichte und dicht bebauten Wohnvierteln, wirkt hier vieles noch sehr traditionell. Das Stade Bollaert Delelis fasst über 38.000 Zuschauer und wirkt durch seine steilen Tribünen und die enorme Nähe zum Spielfeld deutlich größer und intensiver. Besonders auffällig ist die Haupttribüne. Während in vielen Stadien dort eher die ruhigeren Zuschauer sitzen, befindet sich in Lens genau hier das Zentrum der aktiven Fanszene. Der untere Bereich der Hauptgeraden besteht vollständig aus Stehplätzen und wird von den Ultras dominiert. Ein in Europa eher ungewöhnliches Bild, das dem Stadion aber einen ganz eigenen Charakter verleiht. Vor Spielbeginn wurde hier auch eine Choreographie die sich mit der Gründung des Vereins auseinandersetzte präsentiert. Diesmal allerdings nur in Form von Blockfahnen, Einsatz von Pyrotechnik blieb aus.
Lens spielte zu diesem Zeitpunkt eine starke Saison und galt als erster Verfolger von Paris Saint Germain im Meisterschaftsrennen. Entsprechend gut war die Stimmung rund ums Stadion schon lange vor dem Anpfiff. Die Erwartungshaltung war hoch und die Fans lieferten vom ersten Moment an ordentlich ab. Dauerhafter Support, viele Fahnen und immer wieder lautstarke Wechselgesänge sorgten für eine intensive Atmosphäre, wie man sie in Frankreich nicht überall findet.
Auch sportlich wurde geliefert. Gegen Stade Rennais FC zeigte Lens eine überzeugende Leistung und gewann verdient mit 3:1. Gerade nach den Treffern wurde deutlich, wie sehr die Stadt hinter diesem Verein steht. Das Stade Bollaert Delelis entwickelte dabei genau die Wucht, für die es bekannt ist. Ein Stadion mit Geschichte, einer besonderen Fankultur und definitiv eines der Highlights der Frankreich Tour.
#09 - 8. Februar 2026 - Royal Francs-Borains gg RWDM Brussels - 0:0
Challenger Pro League - 
24. Spieltag - Stade Robert Urbain, Boussu (Belgien) 
- 2.162 Zuschauer


Nach einer Nacht in Lens ging es am Sonntag langsam zurück Richtung Heimat. Ganz ohne Fußball sollte der Rückweg natürlich nicht verlaufen und so wurde noch ein Zwischenstopp in der zweiten belgischen Liga eingelegt. Ziel war das Stade Robert Urbain, Heimat von Royal Francs Borains. Mit dem Besuch konnte wieder ein neuer Ground in Belgien abgehakt werden.
Der Verein stammt aus der Region Borinage im wallonischen Teil Belgiens, einer Gegend mit langer Bergbaugeschichte. Royal Francs Borains gehört zu den traditionsreicheren Klubs der Region und spielte viele Jahre eher im unteren belgischen Fußballbereich, ehe in den letzten Jahren der sportliche Aufschwung gelang und der Verein wieder im Profifußball auftauchte.
Das Stade Robert Urbain passt dabei ziemlich gut zum Gesamtbild. Kein modernes Hochglanzstadion, sondern eine kompakte ältere Fußballanlage mit viel Beton, klassischen Tribünen und typisch belgischem Charme. Alles wirkt etwas in die Jahre gekommen, gleichzeitig aber angenehm bodenständig. Genau solche Stadien machen die unteren belgischen Ligen für Groundhopper oft interessant.
Sportlich blieb die Partie gegen RWDM Brussels allerdings eher überschaubar. Viele Highlights gab es nicht und am Ende stand ein torloses 0:0 auf der Anzeigetafel. Kein Spiel, das lange in Erinnerung bleiben wird, aber darum ging es an diesem Sonntag auch weniger. Ein weiterer Ground in der zweiten belgischen Liga, ein ruhiger Abschluss des Wochenendes und wieder ein neues Kreuz auf der Karte.
#10 - 15. Februar 2026 - Feyenoord gg Go Ahead Eagles - 1:0
Eredivisie - 
23. Spieltag - Stadion Feijenoord, Rotterdam (Niederlande) 
- 47.500 Zuschauer


Nach den ganzen Frankreich Trips war es Mitte Februar mal wieder Zeit für bekannteres Terrain und trotzdem einen neuen Ground. Ziel war Rotterdam, genauer gesagt De Kuip, wo Feyenoord die Go Ahead Eagles empfing. Gespielt wurde zu einer der kuriosesten Anstoßzeiten im europäischen Fußball. In den Niederlanden gehört das Sonntagsspiel um 12:15 Uhr schließlich fest zum Eredivisie Kalender. Fast schon Frühstücksfußball.
Die Ticketsituation bei Feyenoord ist normalerweise alles andere als entspannt. Gerade in De Kuip sind freie Karten oft schnell vergriffen. Durch die ungewöhnlich frühe Uhrzeit gingen diesmal aber tatsächlich einige Tickets in den freien Verkauf und die Gelegenheit wurde natürlich direkt genutzt.
De Kuip selbst gehört ohne Zweifel zu den legendärsten Stadien Europas. Offiziell heißt die Arena Stadion Feijenoord und wurde bereits 1937 eröffnet. Trotz zahlreicher Modernisierungen hat sich das Stadion seinen alten Charakter bewahrt. Die steilen Tribünen, die markanten Stahlkonstruktionen und die enorme Nähe zum Spielfeld sorgen dafür, dass De Kuip bis heute diesen besonderen Ruf genießt. Viele internationale Finals wurden hier bereits ausgetragen, dazu zahlreiche Länderspiele der niederländischen Nationalmannschaft. Auch wenn inzwischen immer wieder über einen möglichen Neubau diskutiert wird, gehört De Kuip weiterhin zu den ikonischsten Fußballorten des Landes.
An diesem Sonntagvormittag wirkte die Atmosphäre allerdings etwas schläfriger als erwartet. Vielleicht lag es wirklich an der frühen Uhrzeit, jedenfalls brauchte das Stadion spürbar länger, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Der Support war vorhanden, aber längst nicht so intensiv, wie man es von Feyenoord kennt. Erst in der Schlussphase wurde es noch einmal richtig laut, als Feyenoord das entscheidende Tor des Tages erzielte und sich die Tribünen für einen kurzen Moment doch noch in das verwandelten, wofür De Kuip eigentlich bekannt ist.
Sportlich kein Spektakel, atmosphärisch nicht der ganz große Ausnahmezustand, aber trotzdem ein wichtiger und absolut lohnenswerter Stadionpunkt. De Kuip bleibt eben De Kuip.

#11 - 22. Februar 2026 - SSV Bornheim gg SSV Merten - 0:0
Mittelrheinliga - 
16. Spieltag - Sportanlage Wallrafstraße, Bornheim 
- 333 Zuschauer


Bis der erste deutsche Ground im Jahr 2026 besucht wurde, musste es tatsächlich Ende Februar werden. Dann ging es in die Mittelrheinliga zum SSV Bornheim, welcher seit Saisonbeginn erstmals Teil der fünftklassigen Mittelrheinliga ist. Gespielt wird auf der Sportanlage Wallrafstraße, einer klassischen Kunstrasenanlage ohne großen Ausbau und ohne besonderen Schnickschnack. Funktional, bodenständig und genau die Art von Platz, die man im Mittelrhein Fußball regelmäßig antrifft. Der benachbarte Rasenplatz liegt brach und wurde im Laufe der Saison gar nicht bespielt.
Viel spektakulärer als die Anlage selbst war an diesem Nachmittag ohnehin das Wetter. Dauerregen über die kompletten 90 Minuten, dazu tiefer grauer Himmel und entsprechend überschaubare Bedingungen. Trotzdem fanden immerhin 333 Zuschauer den Weg zum Derby gegen den SSV Merten, was für Mittelrheinliga Verhältnisse durchaus ordentlich war.
Sportlich blieb die Partie dagegen eher zäh. Viele Zweikämpfe, wenig Spielfluss und am Ende stand erneut ein torloses 0:0 auf der Anzeigetafel. Kein Spiel für die Highlightclips, aber genau solche Nachmittage gehören eben auch dazu, wenn man die Liga komplett halten möchte. Der Ground war Pflicht und damit konnte auch der nächste Aufsteiger in der Sammlung abgehakt werden.