Donnerstag, 10. Mai 2018

Historische Grounds #01 - Stadion am Hermann-Löns-Weg in Solingen

Solingen, eine Stadt mit großer Fußball-Geschichte von der heute nicht mehr viel übrig ist und mit dem "Stadion am Hermann-Löns-Weg" wird bald auch die letzte Erinnerung dieser goldenen Zeit dem Erdboden gleich gemacht. In den 80er Jahren stand die SG Union Solingen mehrfach kurz vor dem Aufstieg in die erste Fußball Bundesliga, schlussendlich folgte aber ein beständiger Niedergang und anno 2018 spielt kein Verein aus der 160.000 Einwohner Stadt im Bergischen Land mehr höher als in der Bezirksliga. Dies nehmen wir zum Anlass, um auf die erfolgreiche Solinger Fußball-Zeit zurückzublicken und schenken so auch dem "Stadion am Hermann-Löns-Weg" ein letztes Mal die Aufmerksamheit, bevor es im Juni 2018 zum endgültigen Abriss der Kultstätte kommen soll.
Das "Stadion am Hermann-Löns-Weg" liegt im Solinger Stadtteil Ohligs und wurde 1929 offziell erbaut. Namensgeber war die Straße, an der sich das Stadion befindet, diese ist nach dem Schriftsteller Hermann Löns benannt, welcher zwischen 1866 und 1914 lebte. Das in Fan-Kreisen nur "HLW" genannte Stadion wurde im zweiten Weltkrieg komplett zerstört und benötigte daher eine dringende Instandsetzung. Dies geschah zwischen 1949 und 1950 und wurde am 25. Juni 1950 mit einem Freundschaftsspiel zwischen SC Union Ohligs 06 und der 1. SpVg Gräfrath eingeweiht. 10.000 Zuschauer sollen das Spiel live vor Ort gesehen haben. Union Ohligs spielte damals in der zweiten Liga West, aus der man aber 1953 abstieg.
Aus der SC Union Ohligs wurde im Laufe der Jahre zunächst die OSC Solingen, diese fusionierte dann wiederum mit dem VfL Solingen-Wald zur SG Union Solingen und unter diesem Namen sollten die Solinger in den nächsten Jahren für viel Furore in Fußball-Deutschland sorgen. Im Stadion selbst hatte man 1971 den Aschenplatz durch eine Rasendecke ausgetauscht und hier konnte die SG Union Solingen in ihrer ersten Saison 1974/75 die drittklassige Verbandsliga Niederrhein gleich als Meister beenden. Dadurch qualfizierte man sich für die Aufstiegsrunde in die zweite Bundesliga, in der man sich gemeinsam mit Bayer 04 Leverkusen durchsetzte und damit erstmals in der Vereinsgeschichte in die offizielle zweite Bundesliga aufstieg. Diese war zu diesem Zeitpunkt noch zweigeteilt und man spielte in der Staffel Nord unter anderem mit Borussia Dortmund, FC Sankt Pauli, SC Fortuna Köln, Alemannia Aachen und auch den Erzrivalen vom benachbarten Wuppertaler SV. Das Highlight Spiel gab es für die Solinger in der Saison 1974/75 aber nicht in der zweiten Liga sondern im DFB Pokal, nachdem man in der ersten Runde bereits den damaligen Bundesligisten Kickers Offenbach mit einem 2:0 aus dem Turnier beförderte, brachte das Zweitrundenlos die Frankfurter Eintracht in den Hermann-Löns-Weg. Die Frankfurter waren Titelverteidiger und hatten mit Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein zwei Spieler im Kader die im Sommer mit der Deutschen Nationalmannschaft Weltmeister wurden. Die Solinger hatten die Eintracht am Rande der Niederlage, mussten sich dann aber doch nach Verlängerung mit 1:2 geschlagen geben. Die Eintracht sollte am Ende der Saison den DFB Pokal erneut gewinnen. Zum Frankfurter Gastspiel in Solingen war das "Stadion am Hermann-Löns-Weg" mit 13.000 Zuschauern restlos ausverkauft. Die Verantwortlichen sahen das Potenzial im Verein und ließen das Stadion weiter ausbauen, die Zuschauerkapazität stieg zunächst auf 15.000 und nach dem Bau einer Tribüne mit 2000 Sitzplätzen gar auf 16.000 Zuschauer. Trotzdem gab es in jenen Jahren auch Probleme, diese waren allem vorran dem Rasen geschuldet. Dieser trocknete bei schlechtem Wetter nur sehr langsam ab, im März 1976 versuchte man den geschundenen Rasen durch Sand aufzubessern, dieser war allerdings durch Glassplitter verunreinigt, so dass die Union für ein Spiel ins Walder Stadion im Solinger Stadtteil Wald ausweichen musste. Hierhin zog man dann erneut zu Beginn der Saison 1976/77. Um das Problem mit dem Rasen zu lösen installierte man in einem Zeitraum von vier Monaten eine Drainage und sähte einen neuen Naturrasen.
Zurück im HLW etablierte man sich über die Jahre in der zweiten Liga Nord, in der Saison 1979/80 feierte man mit einem 9:1 Erfolg gegen OSV Hannover den höchsten Sieg der Vereinsgeschichte. Werner Lenz erzielte in diesem Spiel innerhalb von fünf Minuten einen Hattrick, ein deutscher Fußballrekord, welcher erst im September 2015 von Robert Lewandowski gebrochen wurde, dieser schoss gegen den VfL Wolfsburg fünf Tore innerhalb von neun Minuten, für den Hattrick brauchte der Pole nur 3:22 Minuten und unterbot damit den Rekord von Lenz klar.
Zur Saison 1981/82 wurde die zweite Bundesliga eingleisig und die SG Union Solingen war dabei, zu diesem Anlass installierte man die damit verpflichtete Flutlichtanlage im "Stadion am Hermann-Löns-Weg", diese wurde im Dezember 1982 bei einem Freundschaftsspiel gegen Schalke 04 eingeweiht. In der eingleisigen zweiten Bundesliga entgingen die Solinger in den ersten beiden Jahren jeweils nur knapp dem Abstieg, dann aber berappelte man sich und beendete die Saison 1983/84 auf dem fünften Tabellenplatz. Der beste Tabellenplatz der Vereinsgeschichte, Saisonhighlight war der 4:0 Heimsieg gegen den späteren Vizemeister aus Schalke vor 12.000 Zuschauern. Ein Jahr später spielte die Union erneut oben in der Liga mit und beendete diese als sechster und auch im DFB Pokal sorgte man wieder für Furore. Man erreichte hier das Viertelfinale und bekam Borussia Mönchengladbach mit Trainer Jupp Heynckes zugelost. 15.500 Zuschauer sorgten für einen bis heute bestehenden Besucherrekord am Hermann-Löns-Weg. In der selben Saison war mit Muhammad Ali auch ein absoluter Weltstar zu Gast in Solingen, die Boxlegende war auf PR-Tour durch Deutschland unterwegs und führte im September 1984 den Anstoß im zweit Ligaspiel gegen Oberhausen aus.
Dank der anhaltenden guten Leistungen schien der Aufstieg in die Bundesliga nur noch eine Frage der Zeit, doch es folgte ein stetiger Niedergang und schon in der Saison 1988/89 stieg man als abgeschlagener letzter aus der zweiten Bundesliga ab und erreichte diese nie wieder. 1989/90 spielte man dann in der Oberliga Nordrhein, wurde auch hier Tabellenletzter und damit in die Verbandsliga Niederrhein durchgereicht. Die SG Union Solingen ging zeitgleich in den Konkurs und wurde als 1. FC Union Solingen neugegründet. Hier machte man sich als Fahrstuhlmannschaft in den Amateurligen einen Namen. Zuschauer-Potenzial steckte auch in dieser Zeit noch im Verein, bei einem Aufstiegsspiel gegen TuRU Düsseldorf kamen immerhin 8.500 Zuschauer ins HLW.
Neben dem Verein ging es auch mit dem "Stadion am Hermann-Löns-Weg" bergab, das große Stadion zu unterhalten kostete die Stadt Solingen viel Geld, so reduzierte man das Fassungsvermögen des Stadions im Juni 2006 aus Sicherheitsgründen bereits auf 5.000 Zuschauer. Das letzte Spiel am Hermann-Löns-Weg fand am 30. Mai 2010 zwischen Union Solingen und dem KFC Uerdingen statt. 583 Zuschauer sahen eine 3:6 Niederlage der Solinger und ein Tor von Bundesliga Legende Ailton, welcher das zwischenzeitliche 0:1 schoss und damit einer der letzten Torschützen überhaupt im HWL ist. Der Spielbetrieb der Union ging noch bis 2012 weiter bevor der Verein nach einem Insolvenzverfahren aufgelöst wurde.
Das "Stadion am Hermann-Löns-Weg" wurde seit dem letzten Spiel im Mai 2010 sich selbst überlassen und die Natur eroberte über die Jahre hinweg den Platz für sich. Die folgenden Bilder wurden von mir bereits am 25. September 2017 aufgenommen, mittlerweile hat der Abriss des Stadions begonnen. Dieser stand schon mehrere Jahre zu Debatte, wurde aber immer wieder verlegt. Im Juni 2018 soll das "Stadion am Hermann-Löns-Weg" dann für immer verschwinden und auf dem Gelände wird eine neue Wohnsiedlung entstehen.

Die Kassenhäuschsen in den Union Farben - Gelb & Blau
Block A & D sind die ehemaligen Stehplätze
Ein Blick auf den Rasen
Der lezte Ball rollte hier im Mai 2010
Blick von der Gegengerade auf die Tribüne
Zwischenzeitlich lebte eine Schafsherde auf dem Rasen
Der Gästeeingang
Der Zustand lässt zu wünschen übrig
Tickets werden hier keine mehr verkauft
Auch die letzte Wurst ist bereits lange gegrillt
Block B führt zur Tribüne
Die Sponsoren Tafel am Rande der Tribüne ist noch vorhanden
Von der Tribüne aus ließ sich das Spielfeld durch Bäume nur noch erahnen
Die Bäume wurden im März 2018 gefällt, der erste Schritt des Abrisses
Der Abriss der Tribüne soll im Juni 2018 vollzogen werden
Am oberen Ende der Tribüne erinnert noch ein Schriftzug an die Union...
... Solingen
Die Tribüne bot 2000 Zuschauern Platz
Auch der Stadionsprecher kommentierte die Spiele von der Tribüne aus
Der Zustand der Tribüne ist im Vergleich mit dem Rest des Stadions
erstaunlich gut
Auch auf den meisten der ehemaligen Stehplätze
sind über die Jahre Bäume gewachsen
Ein letzter Blick, das Stadion am Hermann-Löns-Weg in Solingen
Panoramaaufnahme des Stadions

Wir mehr Informationen über das Stadion am Herman-Löns-Weg will, wird im Buch "Es war einmal ein Stadion …: Verschwundene Kultstätten des Fußballs"* von Werner Skrentny fündig. Das Solinger Stadion diente hier sogar als Cover-Shoot.
Zusätzlich wurden über die Jahre auf Youtube verschiedene Videos veröffentlicht, welche das HLW vorstellen.

 
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