Sonntag, 6. April 2025

Groundhopping - Winter 2024/25

Mein Winter spielte sich größtenteils in BeNeLux ab, fast wöchentlich ging es über die Grenze. Vor allem in Belgien wurden viele Grounds auf dem Weg zur Komplettierung der dortigen ersten Liga angefahren. In Deutschland gesellte ich mich zu einem Hopperauflauf im Hagener Ischelandstadion und sah wie Alemannia Aachen fast im Landespokal gegen ein Dorfverein die Segel streichen musste. Im Anschluss wurde mit dem Trip nach Barcelona der Winter verabschiedet und das Frühjahr eingeleitet.

#01 - 1. Dezember 2024 - SC BVV gg RKSV Boxtel - 2:4
Vierde Klasse Zondag Zuid 1 D - 10. Spieltag - Sportpark De Vliert, 's-Hertogenbosch (Niederlande) - ca. 80 Zuschauer

Das Winterprogramm wurde mit einem Doppler im niederländischen 's-Hertogenbosch eröffnet., Eigentliches Ziel der Reise war das Zweitliga-Spiel des FC Den Bosch im Stadion De Vliert, direkt nebenan fand im Sportpark De Vliert im Vorfeld aber noch ein Amateurkick der Bossche Voetbal Vereniging, kurz BVV statt. Der Rasenplatz verfügt über eine kleine Sitzplatztribüne, welche schon mal für mehr Ausbau sorgte, als auf den meisten Amateurplätzen in Deutschland. Dazu gab es noch ein Vereinsheim mit einer großen Auswahl an Speisen und Getränken. In Kombination mit dem kurz danach stattfindenden Spiel des FC Den Bosch und ein durchaus gern mit genommenes Kreuz in der Statistik.


#02 - 1. Dezember 2024 - FC Den Bosch gg FC Dordrecht - 2:3
Keuken Kampioen Divisie - 17. Spieltag - De Vliert, 's-Hertogenbosch (Niederlande) - 5.773 Zuschauer


Das Stadion De Vliert war einst das drittgrößte Stadion in den Niederlanden, als es 1951 eingeweiht wurde hatten nur das Amsterdamer Olympiastadion du De Kuip in Rotterdam ein höheres Fassungsvermögen. 1997 wurde das ursprüngliche Stadion abgerissen und an gleicher Stelle durch einen Neubau mit einer deutlich verringerten Kapazität ersetzt. Seitdem finden noch 9.000 Zuschauer im Stadion platz, was für den Zuschauerzuspruch in der zweiten niederländischen Liga vollkommen ausreicht. Die Ultras den FC Den Bosch haben ihren Standort nicht etwa auf einer Hinter-Tor-Tribüne, sondern stehen seitlich der Gegengerade. Bei meinem besuchten Spiel gegen den FC Dordrecht waren etwa 200 Ultras im Stadion, welche ihre Mannschaft organisiert unterstützten.

#03 - 8. Dezember 2024 - FC Viktoria Köln gg VfL Osnabrück - 2:0
3. Liga - 17. Spieltag - Stadion im Sportpark Höhenberg, Köln - 3.621 Zuschauer


Mal wieder ein Sonntagabend Spiel in Köln Höhenberg, die Viktoria empfing den VFL Osnabrück und es war das selbe Spielchen wie jedes mal. Etwa 3/4 der Zuschauer waren Auswärtsfans und verwandelten den Sportpark in eine Osnabrücker Festung. gebracht hat es wenig. Der Sieg ging mit 2:0 an Viktoria Köln. In der zweiten Halbzeit suchte ich mir erstmals einen Platz im Stehbereich der Heimmannschaft und konnte somit erstmals ein paar Fotos des Stadions aus einer anderen Perspektive aufnehme, die Fanszene der Viktoria ist in den letzten Jahren zwar leicht gewachsen, die aktiven Fans lassen sich aber nach wie vor fast an einer Hand abzählen. Seit ein paar Monaten wurde übrigens der Name der KVB Haltestelle am Stadion angepasst, nun steigt man nicht mehr an der Frankfurter Straße aus, sondern am Sportpark Höhenberg. Vermutlich kam es bei Auswärtsfans öfters zu Anreiseproblemen mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln, weil es in Köln noch eine zweite Haltestelle mit dem Namen Frankfurter Straße gibt, dieses Problem hat man mit dem neuen Namen der Haltestelle behoben.
#04 - 11. Dezember 2024 - TV Hoffnungsthal gg Alemannia Aachen - 1:4 n.V.
Mittelrheinpokal - Achtelfinale - BELKAW-Arena, Bergisch Gladbach - 2.000 Zuschauer


Auch im Landespokal Mittelrhein das selbe Spielchen wie immer, jeder Amateurklub hofft auf das große Los. Der TV Hoffnungsthal durfte sich über Alemannia Aachen freuen, was am Mittelrhein wohl als goldenes Los bezeichnet werden darf. Standesgemäß wurde es natürlich zum "Spiel des Jahres" ausgerufen, auch wenn man die Partie natürlich nicht am heimischen Bergsegen austragen konnte. Keine Infrastruktur um dort einen Gegner wie Alemannia Aachen zu empfangen. Viele kleine Vereine entscheiden sich dann für einen Tausch des Heimrechts um einmal vor großer Kulisse im großen Tivoli auflaufen zu dürfen, dies kam diesmal allerdings nicht in Frage dann im Aachener Stadion bereits die Vorbereitungen auf das traditionelle Weihnachtssingen liefen und somit der Tivoli nicht zur Verfügung stand. So musste die BELKAW-Arena in Bergisch Gladbach als Ausweichstätte herhalten, knappe 20 Kilometer Anreise für die Hoffnungsthaler Elf welche in der Bezirksliga normalerweise vor überschaubarer Kulisse spielt. In Bergisch Gladbach aber pilgerten 2.000 Zuschauer am Abend ins Stadion, etwa 800 davon aus Aachen. Lange Zeit lag hier tatsächlich die Sensation in der Luft, der TVH ging in der elften Minute in Führung und verteidigte diese Wacker, eher ein Eigentor in der 87. Spielminute doch noch für die Verlängerung sorgte, in welcher der Drittligist aus Aachen die Partie dann aber schnell drehte und nach 120 Minuten doch deutlich mit 1:4 gewann.
Mit dabei war auch die Aachener Karlsbade, welche die zweite Halbzeit mit einer kleinen Pyroshow inklusive Feuerwerk eröffnete.
#05 - 15. Dezember 2024 - FC Teutonia Weiden gg TuS Blau-Weiß Königsdorf - 5:2
Mittelrheinpokal - Achtelfinale - Jupp-Derwall-Stadion (Kunstrasen), Würselen - 120 Zuschauer


Nach dem Spiel in Bergisch Gladbach gab es den Sonntag drauf noch eine weitere Partie des Mittelrheinpokal Achtelfinals welches ich besuchte, es ging nach Würselen wo es zum Duell der beiden Mittelrheinligisten FC Teutonia Weiden und TuS Blau-Weiß Königsdorf kam. Der Gastgeber Teutonia Weiden erreichte zu dieser Saison nach drei Aufstiegen in Folge die Oberliga und da ich die Mittelrheinliga möglichst immer komplett haben möchte, stand der Besuch des Jupp-Derwall-Stadions ohnehin auf meiner Liste. Das Gelände ist noch relativ neu, wurde erst 2021 eröffnet. Es gibt zwei Plätze, einen Kunstrasenplatz auf welchem Teutonia Weiden sämtliche Spiele austrägt plus den Rasenplatz der aber kaum bespielt wurde. Einzig für ein Testspiel gegen Alemannia Aachen rollte hier mal der Ball. Der Kunstrasenplatz des Jupp-Derwall-Stadion ist völlig unspektakulärer Ground mit einen minimalen Ausbau in Form von drei Steinstufen auf der Hauptgerade. Nichts besonderes und bei eisigem Winterwetter mit Nieselregen verirrten sich gerade mal 120 Zuschauer auf das Gelände. Ground gemacht, mehr nicht. Höchstwahrscheinlich werde ich hierhin noch mal zurückkehren, sollte der Rasenplatz bespielt werden. Aber auch der verspricht nicht mehr als einen weiteren Punkt auf der Groundkarte.
#06 - 26. Dezember 2024 - KV Mechelen gg Standard de Liège - 0:0
Jupiler Pro League - 20. Spieltag - AFAS-Stadion Achter de Kazerne, Mechelen (Belgien) - 15.895 Zuschauer


Genau wie im letzten Jahr ging es am zweiten Weihnachtstag nach Belgien wo ganz nach englischer Tradition der Boxing Day Spieltag zelebriert wird. Ziel diesmal war das AFAS Stadion in Mechelen, welches ziemlich zentral nicht weit entfernt vom Stadtkern liegt. In der Vorplanung erkundigte ich mich glücklicherweise auch nach Parkmöglichkeiten, weil im direkten Stadionumfeld gibt es kaum Möglichkeiten sein Auto einigermaßen legal abzustellen. Ein Parkhaus etwa 1,5 Kilometer vom Spielort entfernt war da noch die beste Gelegenheit und war auf Grund des Feiertages sogar noch kostenfrei nutzbar. Ein bisschen Glück gehörte auch dazu, den zum Ankunftszeitpunkt waren praktisch alle Parkplätze schon belegt, bis dann aus Zufall einer frei wurde und direkt in Beschlag genommen wurde. Es folgte ein Fußmarsch zum Stadion, welches ziemlich modern daher kommt weil es in seiner heutigen Form erst seit 2019 besteht. Durch die damalige Modernisierung hat der Ground heute eine Kapazität von 16.672 Plätzen, welche zum Spiel gegen Standard Lüttich auch weitestgehend alle besetzt waren. Ich saß im Oberrang einer Kurve und war wohl in einzigen Block des Stadions mit einer kleinen Sichteinschränkung, den genau in der Kurve wird das Stadiondach durch zwei Pfosten abgestützt. Die Stimmung beim Spiel war für belgische Verhältnisse in Ordnung, lies aber im Spielverlauf stark ab. Das Endergebnis von 0:0 gab aber auch keine bessere Stimmung her.
#07 - 12. Januar 2025 - K Beerschot VA gg Royal Antwerp FC - 1:1
Jupiler Pro League - 21. Spieltag - Olympisch Stadion, Antwerpen (Belgien) - 11.256 Zuschauer


Neues Jahr, neue Grounds! Und wie könnte man besser in das Groundhopping-Jahr starten als mit einem echten Kracher? Mein erstes Spiel 2025 war direkt das berüchtigte "Derby van 't stad" zwischen K Beerschot VA und Royal Antwerp FC.
Austragungsort: Das legendäre Olympisch Stadion in Antwerpen – eine absolute Kultstätte des belgischen Fußballs. Bevor es ins Stadion ging, ließ ich den Tag entspannt angehen und gönnte mir Frühstück im direkt angrenzenden Viertel. Doch so ruhig blieb es nicht lange. Schon beim Spaziergang in Richtung Stadion hörte ich aus der Ferne die ersten Böllerschläge. Kurz darauf lag ein Hauch von lila Rauch in der Luft – die Beerschot-Fans machten sich bereit! Schon außerhalb des Stadions war die Intensität dieses Spiels zu spüren. Dass es sich hier nicht um ein normales Ligaspiel handelt, sondern um ein echtes Hochrisikospiel, war jedem klar. Polizei in voller Montur, strikte Fantrennung – alles war auf Eskalationsvermeidung ausgelegt. Doch auf den Rängen sollte es ordentlich zur Sache gehen. Als die beiden Mannschaften den Rasen betraten, explodierte das Stadion förmlich in einem Feuerwerk aus Pyrotechnik. Beide Fanlager gaben alles, und der Rauch war so dicht, dass sich der Anstoß erstmal verzögerte. Kaum hatte sich der Rauch verzogen, legte Beerschot los wie die Feuerwehr – und wie! Erste Minute, erstes Tor für die Hausherren! Das Olympisch Stadion stand Kopf, die Fans waren völlig aus dem Häuschen. Ich hatte ja schon einige Spiele in Belgien besucht, aber diese Atmosphäre war mit Abstand die beste, die ich je erlebt habe.
Wie es sich für ein Derby gehört, ging es auf dem Rasen und auf den Tribünen weiter zur Sache. Provokationen auf beiden Seiten, hitzige Zweikämpfe – alles, was man sich von einem Stadtderby wünscht. In der zweiten Halbzeit legten die Royal-Antwerp-Fans nach und zündeten erneut Pyrotechnik. Das Spiel stand kurz vor dem Abbruch – was übrigens in der Geschichte dieses Derbys schon mehrfach vorgekommen ist. Antwerp drückte in der zweiten Halbzeit auf den Ausgleich, und irgendwann war es dann so weit: 1:1. Das Stadion brodelte weiter, beide Fanlager feuerten ihr Team bis zum Schlusspfiff an. Am Ende blieb es bei diesem Unentschieden, aber das Ergebnis war fast schon Nebensache.
Dieses Derby hatte einfach alles: Leidenschaft, Pyro, Emotionen und eine Stimmung, die ich so schnell nicht vergessen werde. Perfekter Auftakt ins neue Jahr – so kann 2025 weitergehen!
#08 - 18. Januar 2025 - Club Brugge KV gg K Beerschot VA - 4:2
Jupiler Pro League - 22. Spieltag - Jan Breydelstadion, Brügge (Belgien) - 18.700 Zuschauer


Trotz zahlreicher Besuche in Belgien – sei es in Brüssel, Lüttich, Gent oder Antwerpen – hatte es mich bislang noch nie nach Brügge verschlagen. Eine echte Lücke, denn die Stadt zählt mit ihren historischen Gassen, Grachten und mittelalterlichen Fassaden nicht umsonst zu den schönsten Europas. Also kombinierte ich an diesem Samstag endlich Sightseeing mit Stadionbesuch – und holte einen Klassiker der belgischen Fußballlandschaft nach.
Das Jan-Breydel-Stadion, benannt nach einem flämischen Freiheitskämpfer, liegt etwas außerhalb des historischen Zentrums. Es bietet Platz für rund 29.000 Zuschauer und wird von zwei Vereinen genutzt: Club Brugge und Cercle Brugge. Ein echtes Oldschool-Stadion mit teilweise überdachten Tribünen, das auf den ersten Blick eher funktional als charmant daherkommt. Trotzdem: Für belgische Verhältnisse eine echte Hausnummer – und bei Club-Spielen meist gut besucht.
Gegner an diesem Abend war Beerschot aus Antwerpen – eine Mannschaft, die ich in der Woche zuvor noch im hitzigen Stadtderby gegen Royal Antwerpen erleben durfte. Belgische Wochen also für mich – und ein schöner Kontrast zum brodelnden Olympiastadion war dieser Abend in Brügge definitiv.
Denn obwohl es ein Samstagabendspiel unter Flutlicht war und Club Brugge ein unterhaltsames 4:2 auf den Rasen legte, wollte keine rechte Stimmung aufkommen. Die Kurve machte hin und wieder etwas Alarm – doch insgesamt war das Publikum erstaunlich ruhig, fast lethargisch. Stimmung kam im Grunde nur bei den Toren auf. Der Rest wirkte wie ein Arena-Erlebnis im Sitzen – viele Eventfans, viele mit Schal, aber wenige mit echter Leidenschaft.
Man fühlte sich ein bisschen wie bei einem Heimspiel von Hoffenheim oder Wolfsburg: sportlich solide, Zuschauerzahlen stimmen, aber die Atmosphäre wirkt eher wie ein Bundesliga-Erlebnis mit Dämpfer. Vielleicht ist man hier einfach zu erfolgsverwöhnt – immerhin ist Club Brugge seit Jahren eine der Top-Adressen im belgischen Fußball. Trotzdem hätte ich bei einem Samstagabendspiel gegen einen attraktiven Gegner wie Beerschot mehr erwartet.
Unterm Strich: Ein weiterer Haken auf der belgischen Fußballkarte, ein tolles Stadterlebnis in Brügge selbst, aber atmosphärisch war der Abend eher enttäuschend. Die drei Punkte dürften die Heimfans trotzdem zufrieden nach Hause geschickt haben – ich zog weiter mit dem nächsten Ground im Blick.
#09 - 19. Januar 2025 - Oud-Heverlee Leuven U23 gg KSK Heist - 1:1
National Division 1 VV - 18. Spieltag - Bergéstadion, Tienen (Belgien) - ca. 100 Zuschauer


Auf dem Rückweg aus Brügge legte ich spontan noch einen kleinen Ground-Stopp in Tienen ein – und der hat sich gelohnt. Im altehrwürdigen Bergestadion traf die zweite Mannschaft von Oud-Heverlee Leuven auf KSK Heist. Eine Begegnung der National Division 1 VV, also der flämischen Serie der dritten belgischen Liga.
Das Bergestadion ist ein echtes Schmuckstück für Liebhaber klassischer Grounds: Eine überdachte Haupttribüne mit Charme, große unüberdachte Stehtraversen rundherum, viel Beton, viel Patina – und dazu ein leicht abschüssiger, in die Landschaft eingebetteter Platz. Genau das, was das Groundhopper-Herz höherschlagen lässt.
OHL ist hier allerdings nur Untermieter – der eigentliche Hausherr ist der KVK Tienen, der ebenfalls in dieser Liga spielt. Beim Spiel der U23 von Leuven war davon aber nicht viel zu merken: Gerade mal rund 100 Zuschauer verirrten sich ins Stadion, darunter einige Offizielle, ein paar Angehörige – und vermutlich ich als einziger Tourist. Fußballromantik pur, auch wenn das Spiel selbst (1:1) eher zäh war.
Nach dem glanzlosen, aber erfolgreichen Abend in Brügge war das hier nochmal das komplette Kontrastprogramm – und genau deshalb liebe ich solche Abstecher. Ein Stadion wie aus einer anderen Zeit.
#10 - 26. Januar 2025 - Türkspor Dortmund gg MSV Duisburg - 0:3
Regionalliga West - 19. Spieltag - Ischelandstadion, Hagen - 3.363 Zuschauer


Ende Januar stand mein erster Deutschland-Ground des Jahres 2025 an – und der hatte es direkt in sich. Schauplatz war das Hagener Ischelandstadion, das in der Groundhopper-Szene schon seit Jahren als echter Geheimtipp galt. Nur selten bespielt, lange Zeit im Umbau – und plötzlich wieder regelmäßig Austragungsort für Regionalligafußball. Kein Wunder, dass sich beim Spiel von Türkspor Dortmund gegen den MSV Duisburg ein regelrechter Hopperauflauf entwickelte.
Türkspor hatte zu Saisonbeginn noch in Velbert gespielt, da im Ischelandstadion Baumaßnahmen liefen. Im weiteren Verlauf der Saison zog man dann aber nach Hagen um – ein Wechsel, der sich wie ein Lauffeuer in der Groundhopping-Community verbreitete. Denn das Ischelandstadion ist ein echtes Unikat: Ein klassisches Leichtathletikstadion mit charakteristischem Charme. Die Haupttribüne ist zwar nicht besonders groß, wirkt mit ihrem Runddach und den offenen Seiten aber angenehm retro. Auf der Gegengerade und rund um die Laufbahn gibt es breite Stufenanlagen – perfekte Fotomotive, perfekte Sicht. Betonromantik in Reinform.
Beim Spiel gegen den MSV Duisburg war der Ansturm gewaltig: 3.363 Zuschauer fanden den Weg ins Stadion, davon über 750 Groundhopper – viele mit Kamera, Notizbuch oder Aufkleber in der Hand. Der Rest bestand zum Großteil aus mitgereisten Duisburgern, die das Auswärtsspiel ihres angeschlagenen Traditionsklubs im großen Stil begleiteten. Von Türkspor-Fans hingegen: keine Spur. Keine Fahne, kein Schlachtruf – man hätte denken können, es handle sich um ein Testspiel auf neutralem Boden.
Die Atmosphäre war entsprechend skurril. Auf der einen Seite die aktive Duisburger Fanszene mit Trommeln und Gesängen, auf der anderen Seite hunderte Hopper, die das Spiel mit Interesse, aber ohne Emotion verfolgten. Und mittendrin ein Spiel, das schnell in Richtung der Gäste kippte – Endstand 0:3. Sportlich unspektakulär, stadiontechnisch ein absolutes Highlight.
Im Nachhinein kann ich von Glück reden, dass ich rechtzeitig vor Ort war. Denn wie sich mittlerweile herausgestellt hat, hat sich Türkspor Dortmund aus der Regionalliga zurückgezogen – womit sich das Kapitel Ischelandstadion wohl vorerst wieder geschlossen hat. Umso schöner, dass ich diesen besonderen Tag noch mitnehmen konnte. Für viele war’s ein Pflichttermin – für mich ein unerwartetes Highlight in einem ohnehin starken Fußballmonat.
#11 - 2. Februar 2025 - Union Saint-Gilloise gg K Sint-Truidense VV - 2:1
Jupiler Pro League - 24. Spieltag - Stade Joseph Marien, Forest (Belgien) - 6.105 Zuschauer


Anfang Februar führte mich mein Weg erneut nach Belgien – diesmal in die Hauptstadt, genauer gesagt zu einem der charmantesten Stadien des Landes: dem Stade Joseph Marien, Heimstätte von Union Saint-Gilloise. Während ich schon viele belgische Grounds besucht habe, war Union für mich bisher ein weißer Fleck auf der Karte – Zeit, das zu ändern.
Die Anreise gestaltete sich dabei ziemlich clever: Ich stellte mein Auto auf einem Carpool-Parkplatz etwas außerhalb ab und legte die letzten Kilometer per E-Scooter zurück – eine entspannte und vor allem stressfreie Lösung, denn Parken rund ums Stadion kann schnell zur Geduldsprobe werden. Der Weg führt vorbei am Dudenpark, durch enge Straßen und plötzlich steht man vor dem Stadion, das sich genau zwischen Parkidylle und dicht bebautem Stadtviertel erstreckt. Auf der einen Seite Natur und Grün, auf der anderen die typischen Brüsseler Altbauten – eine faszinierende Mischung.
Union Saint-Gilloise ist ein Klub mit einer bewegten Geschichte: Einst belgischer Rekordmeister, dann jahrzehntelanger Dornröschenschlaf. Erst 2021 kehrte man ins Oberhaus zurück – und das nicht etwa als graue Maus, sondern als mutiger, spielstarker Klub, der die Liga aufmischte und sich in Windeseile oben festsetzte. Heute ist Union Stammgast im oberen Tabellendrittel – und auch international mittlerweile ein Thema.
Das Stade Joseph Marien passt perfekt zu dieser Geschichte. Mein Platz befand sich auf der alten Haupttribüne – ein echtes Relikt aus vergangenen Zeiten, mit Holzbänken, engen Reihen und dem Charme eines Stadions, das schon viele Generationen Fußball erlebt hat. Nostalgie pur – wie eigentlich das gesamte Stadion. Union darf in europäischen Wettbewerben leider nicht hier spielen; das Stadion entspricht nicht den UEFA-Anforderungen. Stattdessen weicht man ins Stadion von Konkurrent Anderlecht oder ins König-Baudouin-Stadion aus – sportlich verständlich, emotional ein Verlust.
Die Ultras von Union stehen auf der Gegengerade, auf den Stehrängen unterhalb der Steinmauer. Dort hat sich eine alternative, kreative Fanszene etabliert – links, laut, bunt. Keine klassische Ultra-Maschinerie, aber Stimmung trotzdem gut. Es ist diese Mischung aus Vergangenheit, Aufbruch und Haltung, die Union so besonders macht.
Beim Spiel gegen Sint-Truiden war ich froh, dass es noch ein paar Tickets im freien Verkauf gab – das ist längst nicht bei jedem Spiel der Fall. Auf dem Platz gab’s einen knappen, aber verdienten 2:1-Sieg für Union. Kein Feuerwerk, aber ein Spiel, das zur Atmosphäre passte: intensiv, leidenschaftlich, bodenständig.
Für mich war’s ein echtes Highlight – sportlich, architektonisch und atmosphärisch. Union Saint-Gilloise? Kommt definitiv in meine persönliche Topliste der belgischen Grounds.
#12 - 9. Februar 2025 - FC Swift Hesper gg US Hostert - 3:0
BGL Ligue - 16. Spieltag - Stade Alphonse Theis, Hesperingen (Luxemburg) - 300 Zuschauer


Am 9. Februar führte mich mein letzter Winterbesuch in die luxemburgische BGL Ligue – genauer gesagt zum FC Swift Hesperange ins Stade Alphonse Theis. Luxemburgs erste Liga ist ja bekanntlich eher was für Liebhaber, aber wer dort unterwegs ist, weiß: Hier und da gibt’s echte Perlen – und Swift gehört da durchaus dazu.
Das Stadion in Hesperange ist für luxemburgische Verhältnisse schon fast ein kleines Schmuckkästchen. Auf der Hauptseite thront eine überdachte Sitzplatztribüne mit schönem Blick auf das Spielfeld, gegenüber befindet sich eine Traverse mit Stehplätzen und klassischen Wellenbrechern – oldschool und irgendwie charmant. Insgesamt eine Anlage, die sich definitiv sehen lassen kann, besonders wenn man sie mit dem Minimalismus anderer Grounds im Land vergleicht.
Rund 300 Zuschauer verirrten sich an diesem Tag ins Stadion – darunter vermutlich nur eine Handvoll Auswärtsfans aus Hostert. Auf dem Platz ließ Swift nichts anbrennen und fuhr einen ungefährdeten 3:0-Heimsieg ein. Spielerisch solide, atmosphärisch eher gemütlich – aber genau das erwartet man ja auch in Luxemburg.
Insgesamt ein entspannter Ground, ein kurzer Abstecher – und ein weiterer Haken auf der Stadionliste. BGL Ligue? Immer mal wieder ganz nett.

Sonntag, 2. März 2025

Visca el Barca - Frühjahr 2025

Barcelona ist eine Stadt, die weltweit für ihren Fußballverein bekannt ist. Der FC Barcelona ist mehr als nur ein Klub – „Més que un club“ steht nicht umsonst auf den Tribünen des legendären Camp Nou, das aktuell umgebaut wird und noch lange nicht fertig zu werden scheint. Doch wie lebt sich der Fußball in einer Stadt, die sportlich so viel mehr zu bieten hat? Und wie schlägt sich Barcelona im Vergleich zu Madrid, das ich ein Jahr zuvor besucht habe und eindeutig als „Fußballstadt“ wahrgenommen habe?
Mein Groundhopping-Trip begann nicht etwa mit dem Fußball, sondern mit den anderen Abteilungen des FC Barcelona. Der Verein ist nicht nur im Fußball, sondern auch in Sportarten wie Rollerhockey, Futsal und Handball vertreten – allerdings mit sehr unterschiedlichem Zuschauerinteresse. Während das Rollerhockey-Spiel nur eine kleine Kulisse anzog, waren bei Handball und Futsal zwar mehr Fans in der Halle, doch auch hier blieb sie spürbar unter ihrer möglichen Kapazität. Die Fußballabteilung überstrahlt deutlich alles. Ich tauchte in die Welt des Vereins ein und besuchte die oben genannten Abteilungen, bevor es schließlich zum Fußballspiel in der Ausweichstätte Olympiastadion ging.
Doch Barcelona hat nicht nur den FC Barcelona. Mit Espanyol Barcelona gibt es einen zweiten Erstligisten, der zwar im Schatten des großen Nachbarn steht, aber dennoch eine eigene Identität und im Vergleich zum FCB eine fast leidenschaftliche Fanszene besitzt. Also war auch ein Besuch bei Espanyol Pflicht, um die Fußballkultur der Stadt noch besser kennenlernen zu können.
Dreh- und Angelpunkt der ersten Tage war die "La Rambla del Barça“ – und damit ist nicht die berühmte Promenade im Zentrum gemeint, sondern das Vereinsgelände des FC Barcelona rund um das alte Camp Nou. Auch wenn das Stadion wegen des Umbaus derzeit nicht nutzbar ist, bleibt das Gelände der zentrale Treffpunkt für Fans und Mitglieder. Hier befindet sich der Palau Blaugrana, die Mehrzweckhalle für verschiedene Sportarten, die ich in meinen ersten drei Tagen in Barcelona täglich besuchte.
Zunächst einmal schockierte mich aber der aktuelle Zustand des Camp Nou – der Verein wird mit dem Umbau-Großprojekt sichtbar nicht fertig. Zwischenzeitlich hatte man angepeilt, für die Rückrunde der laufenden Saison wieder in das legendäre Stadion zurückzukehren, doch beim Blick auf die Baustelle war dies wohl eher Wunschdenken. Von der einst imposanten Arena steht derzeit kaum mehr als das Grundgerüst. Die Ränge sind größtenteils abgetragen, und statt eines Fußballtempels blickt man auf eine riesige Baustelle mit Kränen, Gerüsten und offenen Betonflächen. Die Dimension des Projekts wird erst vor Ort richtig greifbar, und es scheint fraglich, ob Barça in absehbarer Zeit hier wieder spielen kann.
An meinem ersten Abend stand in der Palau Blaugrana das Rollerhockey-Spiel zwischen dem FC Barcelona und Pati Vic auf dem Programm. Barça gewann souverän und stellte mit dem 8:3-Sieg sogar einen spanischen Rekord auf – es war der 18. Sieg in Folge, was zuvor noch keinem Team gelungen war. Umso überraschender war es, dass die Partie quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Ich wusste nicht, was mich erwartet, aber als ich etwa eine Stunde vor Spielbeginn auf dem Gelände ankam, war es schon verdächtig ruhig. Auch in der Halle selbst war kaum etwas los. Letztlich verirrten sich maximal 150 Zuschauer an diesem Donnerstagabend in die Palau Blaugrana, was sich natürlich auch auf die Atmosphäre auswirkte. Für mich war es der erste Besuch eines Rollerhockey-Spiels – quasi Eishockey ohne Eis. Die Spieler bewegen sich auf Rollschuhen, und das Spiel ist in zwei Hälften unterteilt, die jeweils nur 25 Minuten dauern und damit kürzer sind als beim Eishockey. Durch die kompakte Spielzeit und das hohe Tempo wirkt die Partie noch intensiver, mit schnellen Angriffen und wenig Unterbrechungen. Trotz der geringen Zuschauerzahl war es durchaus unterhaltsam und bot ein temporeiches Spektakel.
Ebenfalls kurzweilig ging es am nächsten Abend weiter, als an gleicher Stelle die Futsal-Abteilung des FC Barcelona im Einsatz war. Gegen die Gäste vom FS Valdepeñas musste Barça jedoch eine 1:2-Niederlage hinnehmen – die einzige Pleite einer Barça-Abteilung, die ich während meines Aufenthalts miterlebte. Die Zuschauerresonanz war deutlich höher als am Abend zuvor, und erstmals kam in der Halle so etwas wie echte Heimspiel-Atmosphäre auf. Eine kleine Ultragruppe sorgte während der gesamten Spieldauer für Stimmung und unterstützte das Team lautstark – ein klarer Kontrast zum nahezu gespenstischen Rollerhockey-Abend.
Den Abschluss meiner kleinen Hallenreise bildete am folgenden Tag der Besuch der Handball-Abteilung des FC Barcelona. Gegner war CD Bidasoa Irún, und anders als in den beiden Spielen zuvor wurde es diesmal richtig spannend. Barça lag lange Zeit zurück, schaffte aber in der Schlussphase die Wende und siegte am Ende mit 32:30.  Besonders beeindruckend war die Atmosphäre während der Aufholjagd. Obwohl die Halle erneut nicht ausverkauft war und es diesmal keine organisierte Ultragruppe gab, entwickelte sich stellenweise ein kleiner Hexenkessel. Die Fans wurden mit jeder erfolgreichen Aktion lauter, und als Barcelona schließlich die Führung übernahm, war die Euphorie deutlich spürbar. Ein gelungener Abschluss meiner Erkundung der verschiedenen Sportarten des Vereins – doch nun wurde es Zeit für das große Finale: den Fußball.

Zum Gesamtpaket meiner Barça-Erfahrung gehörte natürlich auch ein Besuch im Vereinsmuseum, das sich ebenfalls auf der „La Rambla del Barça“ befindet. Durch mein Spielticket hatte ich den Zutritt bereits inbegriffen – also warum nicht mal reinschauen? Das Museum ist eine einzige große Lobeshymne auf den FC Barcelona. Titel ohne Ende, goldene Schuhe, alte Trikots und Bilder von legendären Momenten – hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Besonders ins Auge fällt die eigene Ecke von Lionel Messi, in der seine Ballon d’Or-Trophäen und andere persönliche Auszeichnungen ausgestellt sind. Kein Wunder, schließlich hat wohl kein Spieler die moderne Vereinsgeschichte so geprägt wie er. Trotz des aktuellen Umbruchs wird hier weiter der Anspruch vermittelt, ein Klub der Weltspitze zu sein. Ob das in den nächsten Jahren so bleibt, wird sich zeigen – aber im Museum lebt die große Vergangenheit des FC Barcelona auf jeden Fall weiter.


Mein Besuch in Barcelona krönte ich mit dem Spiel des FC Barcelona gegen Rayo Vallecano im Estadi Olímpic Lluís Companys – dem Olympiastadion von 1992. Dieses Stadion stand ohnehin auf meiner Liste, daher freute ich mich, dass Barça während der Umbauphase des Camp Nou hier seine Heimspiele austrug. Ursprünglich war geplant, dass der Verein genau zum Zeitpunkt meines Besuchs ins Camp Nou zurückkehrt, doch die Verzögerungen machen das Olympiastadion weiter zur aktuellen Spielstätte mindestens bis zum Saisonende.
Im Vergleich zu Real Madrid gestaltete sich der Ticketkauf bei Barça unkompliziert. Über die Vereinswebsite konnte ich bereits vor der genauen Terminierung des Spiels Tickets erwerben. Allerdings wählt man dabei nur die Kategorie; den konkreten Sitzplatz erfährt man erst wenige Tage vor dem Spiel, wenn das Ticket als PDF zugeschickt wird. Die exakte Spielansetzung in La Liga erfolgt oft erst kurzfristig, meist maximal drei Wochen vorher.
Das Olympiastadion liegt auf dem Montjuïc-Hügel und wurde ursprünglich für die Weltausstellung 1929 erbaut. Es war Austragungsort der Olympischen Spiele 1992 und fasst heute rund 55.000 Zuschauer. Tagsüber kann man das Stadion übrigens kostenlos besichtigen, was für Groundhopper eine nette Gelegenheit ist.
An einem Montagabend traf Barça auf Rayo Vallecano. Mit 45.296 Zuschauern war das Stadion gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Die Atmosphäre war enttäuschend: Überwiegend Touristen, kaum echte Fangesänge. Nur beim einzigen Tor des Abends, einem Elfmeter von Robert Lewandowski, kam kurz Stimmung auf. Vereinzelt hallten nostalgische "Messi, Messi"-Rufe durch das Rund. In der ersten Halbzeit blieb ich auf meinem zugewiesenen Platz. In der zweiten Hälfte erkundete ich das Stadion und machte Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Ordner hatten damit kein Problem – es schien, als wäre das Spiel eher eine Touristenattraktion.
Auffällig war die Abwesenheit der Ultras. Der FC Barcelona hat seit 2003 offiziell Stadionverbot für seine Ultras, die "Boixos Nois", ausgesprochen. Der Grund dafür liegt in der gewaltbereiten Vergangenheit der Gruppe, die in den 1980er- und 1990er-Jahren immer wieder mit rechtsextremen Tendenzen, Hooliganismus und gewalttätigen Auseinandersetzungen auffiel. Besonders unter dem damaligen Präsidenten Joan Laporta wurde ein harter Kurs gegen die Gruppe gefahren, weshalb sie aus dem Stadion verbannt wurde. Zudem soll es Unmut über die Ausweichspielstätte geben, was zu einem Boykott seitens der organisierten Fans führt. Die fehlende Stimmung im Olympiastadion ist also eine Mischung aus der ohnehin restriktiven Haltung des Vereins gegenüber Ultra-Gruppen und der allgemeinen Unzufriedenheit mit der vorübergehenden Spielstätte auf dem Montjuïc.
Das Spiel im Olympiastadion war für mich als Groundhopper definitiv ein interessantes Erlebnis. Die Stimmung war zwar absolut mau, aber immerhin konnte ich mir das Stadion mal bei einem Pflichtspiel anschauen. Klar, Barça ohne echtes Heimspiel-Feeling ist irgendwie seltsam, aber am Ende zählt: Ein weiterer Ground besucht, ein weiteres Fußballspiel mitgenommen – genau darum geht’s ja.

17. Februar 2025 - FC Barcelona gg Rayo Vallecano - 1:0
La Liga - 24. Spieltag - Estadi Olimpic Lluis Companys, Barcelona - 45.296 Zuschauer

Nach dem eher ernüchternden Erlebnis beim Barça-Spiel im Olympiastadion lohnt sich ein Blick zurück auf den Vortag – denn schon am Sonntag stand mit Espanyol Barcelona der zweite große Klub der Stadt auf meinem Plan. Spannenderweise hatte auch Espanyol früher im Olympiastadion gespielt, bevor der Verein 2009 endlich sein eigenes Zuhause bekam. Das RCDE Stadium, auch bekannt als Estadi Cornellà-El Prat, liegt etwas außerhalb im Süden der Stadt und fasst rund 40.000 Zuschauer. Ein echtes Fußballstadion, das zwar nicht die Strahlkraft des Camp Nou hat, aber dafür ein klareres Profil als Heimstätte von Espanyol besitzt.
Für mein Barcelona-Wochenende hatte ich mir extra ein Datum ausgesucht, an dem beide Teams ein Heimspiel haben würden. Die feste Terminierung kam dann aber erst drei Wochen vor dem Spiel und brachte einen kurzen Zittermoment mit sich – zum Glück wurde Espanyol auf den Sonntag angesetzt, während das Barça-Spiel auf den Montagabend fiel. So konnte ich beide Klubs in nur 48 Stunden live erleben.
Die Ticketbeschaffung für das Spiel gegen Athletic Bilbao verlief problemlos über die Vereinswebsite, wobei ich meinen Sitzplatz hier direkt auswählen konnte. Am Spieltag selbst war das Stadion mit 26.645 Zuschauern zwar nicht ausverkauft, aber die Atmosphäre war trotzdem ordentlich. Im Vergleich zum Barça-Spiel waren hier deutlich mehr Einheimische als Touristen anwesend, was sich positiv auf die Stimmung auswirkte. Besonders hervorzuheben war die Hymne vor dem Spiel, die von den Fans a cappella zu Ende gesungen wurde und dabei definitiv für Gänsehaut sorgte. Die restliche Stimmung war zwar gut, aber jetzt auch nicht überragend – dennoch war es deutlich lebendiger als beim großen Nachbarn. Während des Spiels sorgten die Espanyol-Anhänger für eine lebhafte, wenn auch nicht überwältigende Atmosphäre. Die Unterstützung für ihr Team war spürbar, und die Fangesänge hallten regelmäßig durch das Stadion. Im Vergleich zum Spiel des FC Barcelona war die Stimmung hier deutlich authentischer und leidenschaftlicher.
Insgesamt bot mir das Wochenende in Barcelona einen interessanten Kontrast zwischen den beiden großen Fußballvereinen der Stadt. Während der FC Barcelona derzeit in einer Übergangsphase steckt und dies auch die Spielatmosphäre beeinflusst, präsentierte sich Espanyol als bodenständiger Klub mit einer engagierten Fanbasis. Für Groundhopper und Fußballromantiker ist ein Besuch bei Espanyol definitiv empfehlenswert.
Im Anschluss an das Spiel von Espanyol tauchte ich dann noch in den spanischen Amateurfußball ein. Direkt neben dem RCDE Stadium liegt das Nueva Municipal Cornellà, Heimat von UE Cornellà, und dorthin führte mich mein Weg für ein weiteres Fußballerlebnis. Hier trafen UE Cornellà und CE Sabadell FC in der Segunda División RFEF aufeinander, hierbei handelt sich um die 4. Liga des spanischen Fußballs.
Das Spiel selbst war ein munteres 2:2, vor allen Dingen in der Schlussphase mit einigen hektischen Szenen auf dem Platz. Das Nueva Municipal Cornellà ist ein überschaubares Stadion mit einer Haupttribüne, deren äußerer Teil durch Flatterband abgesperrt war und als Auswärtsblock diente – hier hatten sich etwa 50 Fans von Sabadell eingefunden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Tribüne war die Heimkurve vertreten, eine Ultragruppe von Cornellà, die nicht nur mit lautstarken Gesängen auf sich aufmerksam machte, sondern auch eine Zaunfahne mit der Aufschrift „Hooligans“ präsentierte. Ein spannendes Spiel, das noch mal einen ganz anderen Einblick in die Fußballkultur Spaniens gab. Abseits der großen Ligen merkt man erst recht, das hier fast mehr Leidenschaft im Fußball steckt als bei den großen Vereinen.

16. Februar 2025 - Espanyol Barcelona gg Athletic Bilbao - 1:1
La Liga - 24. Spieltag - RCDE Stadium, Barcelona - 26.645 Zuschauer

16. Februar 2025 - UE Cornellà gg CE Sabadell FC - 2:2
Segunda Division RFEF - 23. Spieltag - Nueva Municipal Cornellà, Barcelona - ca. 600 Zuschauer

Die Woche in Barcelona war auf jeden Fall vielfältig und hat mir viele interessante Eindrücke vom spanischen Fußball verschafft, von den großen Vereinen bis hin zu den Amateurspielen. Ich konnte den FC Barcelona in mehreren Sportarten erleben, von Rollerhockey über Futsal bis hin zum Handball, was ein rundes Bild des Vereins und seiner riesigen Sportkultur bot. Trotzdem muss ich sagen, dass Barcelona für mich im Vergleich zu Madrid nicht ganz diese allgegenwärtige Fußballatmosphäre hatte, die ich in der spanischen Hauptstadt so stark gespürt habe.Würde ich mich also noch einmal entscheiden müssen, würde ich ohne zu zögern nach Madrid reisen. Madrid hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sei es durch die Atmosphäre der Stadt, die Fußballszenen oder die unzähligen Sehenswürdigkeiten, die einen dort erwarten. Barcelona hat dagegen eine andere, ruhigere Seite, die ebenfalls ihren Charme hat. Es war mein erster Besuch dort, und obwohl der Fußball hier nicht immer die gleiche Durchschlagskraft wie in Madrid hatte, war es definitiv eine Reise wert. Und wenn das neue Camp Nou irgendwann fertiggestellt wird, dann werde ich auf jeden Fall wiederkommen – um die Magie dieses Vereins an einem noch größeren Ort zu erleben. Aber bis dahin bleibt Madrid meine erste Wahl, wenn es um den spanischen Fußball geht.