Der Herbst hatte einige Highlights in petto. Neben einem geschichtsträchtigen Derby im niederländischen Amateurfußball, gab es auch einen Ausflug nach Bayern um zwei DFB Pokal Spiele zu besuchen. Weitere Grounds in der ersten belgischen sowie niederländischen Liga wurde gesammelt. In Amsterdam sah ich dabei sogar ein Pyroshow der Ultras die ein weltweites Medienecho hervorrief. Auch kleine Highlights waren dabei, in Wuppertal gibt es einen Platz mit einem alten Wagon der Schwebebahn als Tribünenersatz, bei Viktoria Köln gab es eine Invasion der Hansa Rostock Fans und im Kölner Kreispokal ging mit drei Platzverweisen hoch her.
#01 - 3. Oktober 2025 - FC Bayern Alzenau gg SG Barockstadt Fulda-Lehnerz - 1:4
Regionalliga Südwest - 11. Spieltag - MAIREC-Arena, Alzenau - 719 Zuschauer
Der Herbst war da und die Reise ging natürlich weiter. Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, führte mich der Weg nach Alzenau. Der FC Bayern Alzenau liegt geografisch zwar im Freistaat Bayern, spielt aber bereits seit der Saison 1992/93 im Fußballverband Hessen.
Der Feiertag bot die perfekte Gelegenheit, endlich auch die MAIREC-Arena abzuhaken, die mir bislang noch fehlte auf dem nach wie vor noch langen Weg zum erstmaligen Komplettierung der Regionalliga Südwest. Das Stadion liegt am Ortsrand von Alzenau und bietet rund 3.500 Zuschauern Platz. Eine überdachte Haupttribüne, offene Stehplätze auf den anderen Seiten und ein klassischer Rasenplatz sorgen für ein solides Regionalliga-Setting ohne viel Schnickschnack. Alles wirkt kompakt und funktional, genau passend zur Liga.
Gegner an diesem Nachmittag war die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. Die mitgereisten Gästefans sorgten gleich nach dem Anstoß für etwas Farbe, als kurzzeitig Pyrotechnik gezündet wurde. Sportlich war die Partie recht einseitig. Fulda zeigte sich abgeklärt und effizient und gewann am Ende deutlich mit 1:4. Für mich blieb ein weiterer fehlender Ground erledigt und ein sinnvoll genutzter Feiertag, auch wenn das Ergebnis aus Sicht des Gastgebers ernüchternd ausfiel.
#02 - 11. Oktober 2025 - SV Spakenburg gg VV IJssselmeervogels - 1:0
Tweede Divisie - 9. Spieltag - Sportpark De Westmaat - Spakenburg, Bunschoten (Niederlande) - 8.000 Zuschauer (Ausverkauft)
Das „Derby van Spakenburg“ gehört zu den besonderen Fixpunkten im niederländischen Fußballkalender, auch wenn es weit unterhalb der Profiligen angesiedelt ist. In dem kleinen Ort Spakenburg, heute Teil der Gemeinde Bunschoten, stehen sich mit dem SV Spakenburg und den VV IJsselmeervogels zwei Vereine gegenüber, die nicht nur sportlich, sondern auch historisch und kulturell tief miteinander verwurzelt sind. Beide Klubs stammen aus demselben Ort, ihre Sportanlagen liegen direkt nebeneinander, getrennt nur durch einen kleinen Fußweg. Viel näher kann ein Derby kaum sein.
Der SV Spakenburg wurde 1931 gegründet, die IJsselmeervogels folgten ein Jahr später. Schon früh entwickelte sich zwischen beiden Vereinen eine Rivalität, die weit über den Fußball hinausging. Traditionell galt der SV Spakenburg als Klub der protestantisch geprägten Dorfbewohner, während die IJsselmeervogels eher aus einem anderen gesellschaftlichen Umfeld hervorgingen. Diese Unterschiede spielten im Laufe der Jahrzehnte eine immer geringere Rolle, der Derbycharakter aber blieb und wurde von Generation zu Generation weitergetragen.
Sportlich zählen beide Vereine zu den erfolgreichsten Amateurklubs der Niederlande. Besonders die IJsselmeervogels machten sich mit zahlreichen nationalen Amateurmeisterschaften einen Namen, während auch der SV Spakenburg regelmäßig zu den Spitzenmannschaften gehörte. In den vergangenen Jahren traf man sich meist in der Topklasse und später in der Tweede Divisie, der höchsten Amateurspielklasse des Landes. Dadurch blieb das Derby nicht nur emotional, sondern auch sportlich relevant.
Was dieses Duell so besonders macht, ist die Kombination aus lokalem Stolz, jahrzehntelanger Rivalität und der Tatsache, dass hier zwei echte Schwergewichte des niederländischen Amateurfußballs aufeinandertreffen. Am Derbytag steht in Spakenburg vieles still, der Fokus liegt auf diesen 90 Minuten. Für viele im Ort ist es mehr als nur ein Fußballspiel. Es ist ein Ereignis, das Identität stiftet und die Geschichte des Dorfes widerspiegelt.
Nach zwei Jahren Pause fand das Derby am 11. Oktober 2025 endlich wieder statt. Der Grund für die Unterbrechung war vergleichsweise nüchtern: SV Spakenburg und die IJsselmeervogels spielten in dieser Zeit nicht in derselben Liga und konnten sich somit weder im Ligabetrieb noch im Pokal begegnen. Erst mit der erneuten sportlichen Zusammenführung in der gleichen Spielklasse war der Weg frei für eine Neuauflage dieses Klassikers.
Dass dieses Derby gefehlt hatte, merkte man im Ort sofort. Spakenburg stand sichtbar unter Strom. Gefühlt an jedem zweiten Haus hing eine Vereinsfahne, mal blau weiß, mal rot weiß. Teilweise sogar direkt nebeneinander, wenn sich die Fronten innerhalb der Straße teilten. Ob Nachbarn mit unterschiedlichen Farben an der Hauswand an diesem Wochenende noch miteinander gesprochen haben, ist nicht überliefert, ausgeschlossen wirkt es aber nicht. Klar war jedenfalls: Der Derbyfieber hatte den Ort komplett im Griff.
Gastgeber war für das Hinspiel war der SV Spakenburg. Gespielt wurde wie immer im Sportpark De Westmaat, wobei beide Vereine dort ihre eigene Anlage haben, die direkt nebeneinander liegen und dennoch denselben Namen trägt. Das Derby war natürlich restlos ausverkauft, rund 8.000 Tickets gingen schnell weg. Neben gefühlt dem kompletten Ort fanden sich auch zahlreiche Groundhopper ein, für viele ist dieses Spiel längst ein Pflichttermin im Kalender.
Zum Einlauf der Mannschaften wurde es dann direkt laut und unübersichtlich. Feuerwerk, Rauchbomben und Kanonenschläge sorgten für einen brachialen Auftakt. Die Heimfans zündeten dabei sogar vom Dach der Tribüne aus, was dem Ganzen noch einmal eine besondere Note gab. Auch auf der Gegenseite war man vorbereitet. Beide Fanszenen hatten große Banner angefertigt, wobei die Anhänger der IJsselmeervogels einen eigenen Weg wählten und ihr Banner nicht auf der Tribüne, sondern mitten auf dem Spielfeld präsentierten. In Spakenburg laufen die Dinge eben ein wenig anders als anderswo.
Das Derby selbst war dann sportlich recht unspektakulär, zumindest was die Torausbeute angeht. Spakenburg setzte sich knapp mit 1:0 durch, der einzige Treffer fiel noch vor der Pause durch Jens Guiting nach einer Ecke. Damit gelang den Blau-Weißen nach fast 11 Jahren endlich wieder ein Derbysieg gegen die IJsselmeervogels, was nach dem Abpfiff besonders im blau-weißen Lager viel Freude auslöste.
In den vergangenen Jahren war es für Spakenburg schwierig, in diesem Duell als Sieger vom Platz zu gehen. Teilweise spielten beide Teams nicht einmal in derselben Liga, was zu mehreren Jahren Pause führte, und selbst als man sich wieder traf, blieben Siege selten. Vor diesem 1:0-Erfolg lag der letzte Derbysieg für den SV Spakenburg tatsächlich schon lange zurück, etwa elf Jahre, was unterstreicht, wie sehr dieser Erfolg im Ort und bei den Fans der blau-weißen gefeiert wurde. Sportlich unspektakulär vielleicht, aber historisch durchaus bedeutsam für die Blau-Weißen auf der Westmaat.
Unschön wurde es dann allerdings nach dem Abpfiff. Fans des SV Spakenburg hissten unmittelbar neben dem Auswärtsblock mehrere Banner von der Tribüne, was die Anhänger der IJsselmeervogels stark provozierte. Die Situation eskalierte schnell, zunächst flogen Rauchbomben zwischen den Lagern hin und her. Vor dem Stadion trafen beide Fangruppen dann nahezu ungehindert aufeinander. Es blieb nicht bei Wortgefechten, auch Fäuste flogen, dazu wurden Fahrräder durch die Gegend geworfen. Ein erkennbares Sicherheitskonzept gab es nicht, die Ordner wirkten völlig überfordert und die wenigen anwesenden Polizisten schauten der Situation zunächst eher ratlos zu, bevor man versuchte, die rivalisierenden Gruppen voneinander zu trennen. Im Chaos nach dem Spiel gelang es den Fans der IJsselmeervogels zudem, ein Banner der Spakenburger zu entwenden, das zuvor an der Tribüne gehangen hatte. Genug Zündstoff also für das Rückspiel am 14. März 2026, wenn die IJsselmeervogels Gastgeber sind.
#03 - 12. Oktober 2025 - Ahrweiler BC gg SG Vordereifel - 2:0
Rheinlandliga - 11. Spieltag - Apollinaris-Stadion, Bad Neuenahr - Ahrweiler - 286 Zuschauer
Einen Tag nach dem intensiven Derby in Spakenburg ging es bewusst wieder eine Nummer ruhiger weiter. Nächster Halt war Bad Neuenahr Ahrweiler und das Apollinaris Stadion, wo in der Rheinlandliga der Ahrweiler BC auf die SG Vordereifel traf. Der sportliche Teil rückte an diesem Nachmittag fast ein wenig in den Hintergrund, denn der eigentliche Fokus lag klar auf dem Stadion selbst.
Das Apollinaris Stadion liegt oberhalb der Ahr am Rand von Bad Neuenahr und ist landschaftlich ziemlich schön eingebettet. Benannt ist die Anlage nach der nahegelegenen Apollinaris Quelle, die vielen eher als Mineralwassermarke bekannt ist. Normalerweise bietet das Stadion eine klassische Mischung aus Haupttribüne mit Sitzplätzen und offenen Stehbereichen rund um die Laufbahn. Kein spektakulärer Ground, aber ein ehrlicher Fußballplatz mit Charakter.
Besonders präsent war hier natürlich noch die Geschichte der Flutkatastrophe von 2021. Das Stadion wurde damals stark beschädigt und war über längere Zeit nicht bespielbar. Umso bemerkenswerter ist es, dass hier inzwischen wieder regulärer Spielbetrieb möglich ist. Man merkt an einigen Stellen noch, dass nicht alles neu ist, aber genau das verleiht dem Ganzen auch eine gewisse Bodenständigkeit. Für den Ahrweiler BC ist die Rückkehr ins eigene Stadion ein wichtiger Schritt gewesen, sportlich wie emotional.
Die Partie gegen die SG Vordereifel passte gut ins Bild eines entspannten Fußballnachmittags. Rheinlandliga Alltag, überschaubare Kulisse, kein großes Tamtam. Nach den Emotionen des Vortags genau das richtige Kontrastprogramm und ein Stadion, das man nicht wegen großer Architektur besucht, sondern wegen seiner Geschichte und dem, was hier in den letzten Jahren passiert ist.
#04 - 19. Oktober 2025 - SC Breite Burschen Barmen gg FC Mettmann 08 - 7:4
Kreisliga A Wuppertal & Niederberg - 10. Spieltag - Sportplatz Rauental, Wuppertal - 300 Zuschauer
Der Besuch bei den SC Breite Burschen Barmen in der Kreisliga A Wuppertal stand schon lange auf der To-Do-Liste und wurde Mitte Oktober endlich verwirklicht. Der Verein selbst wurde erst 1996 gegründet und hat sich in den gut 25 Jahren seines Bestehens zu einem festen Bestandteil der Wuppertaler Amateurfußballszene entwickelt. Entstanden ist der Club aus einer lockeren Gruppe von Fußballern, die zuvor unter dem Namen des TuS Grün-Weiß Blombacherbach gespielt hatten. Nachdem dieser Verein 1995 mit Grün-Weiß Wuppertal fusionierte, nutzten die „Ur-Burschen“ die Chance zur Gründung ihres eigenen Vereins und meldeten ihn am 25. Januar 1996 als SC Breite Burschen Barmen 1996 e. V. beim DFB an.
Sportlich ging es seit der Gründung zunächst in den unteren Kreisklassen voran. 2023 gelang der Mannschaft der historische Aufstieg in die Kreisliga A, was für den Verein ein echter Meilenstein war.
Für viele Groundhopper ist der Platz am Sportplatz Rauental inzwischen ein Pflichtstopp. Die Anlage besitzt einen klassisch bespielten Kunstrasenplatz, der durch einen interessanten Blickfang auffällt: oberhalb des Spielfelds steht ein ausrangierter Wagen der Wuppertaler Schwebebahn. Dieser wurde mit Vereinsgraffiti versehen und dient nicht nur als markantes Fotomotiv, sondern wird auch als erhöhte Aussichtsmöglichkeit genutzt, um das Spiel von oben zu verfolgen.
Rund um den Kunstrasenplatz gibt es zusätzliche Trainingsflächen, ein Feld für den Jugendbereich und sogar ein Beachvolleyball-/Beachsoccerfeld und eine Kletterwand, was die Anlage insgesamt sehr vielseitig macht.
Genau diese Kombination aus kleiner Kreisklassenarena und diesem ungewöhnlichen Wahrzeichen macht den Ground so interessant. Die Mannschaft selbst spielt schnörkellosen Amateurfußball, aber gemeinsam mit dem Umfeld hat dieser Besuch einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
#05 - 26. Oktober 2025 - FC Viktoria Köln gg FC Hansa Rostock - 2:4
3. Liga - 12. Spieltag - Stadion im Sportpark Höhenberg, Köln - 5.750 Zuschauer
Mal wieder führte der Weg in den Sportpark Höhenberg. Wenn Viktoria Köln einen interessanten Gegner empfängt, lohnt sich ein Besuch dort eigentlich immer. An einem Sonntag im Oktober gastierte mit Hansa Rostock ein Verein, der erfahrungsgemäß für ordentlich Atmosphäre sorgt, und genau das wurde auch diesmal geboten.
Der Auswärtssupport aus Rostock war zahlreich erschienen und von Beginn an präsent. Zum Anpfiff gab es im Gästeblock sogar eine kleine Choreografie. Unter dem Motto „Wild auf Hansa“ wurde ein Banner gezeigt, ergänzt durch Motive aus der Tierwelt und ein geschlossenes Fahnenmeer in Blau Weiß Rot. Für Höhenberger Verhältnisse sorgte das schnell für eine ordentliche Geräuschkulisse und unterstrich einmal mehr, warum Spiele gegen traditionsreiche Gäste hier fast immer ihren Reiz haben.
#06 - 28. Oktober 2025 - FC Augsburg gg VfL Bochum - 0:1
DFB Pokal - 2. Runde - WWK ARENA, Augsburg - 20.280 Zuschauer
Mit dem Besuch in der WWK Arena des FC Augsburg stand der vorletzte Schritt zur Komplettierung der Bundesliga auf dem Programm. Anlass war das DFB Pokalspiel gegen den VfL Bochum, das an einem Dienstagabend ausgetragen wurde. Trotz Pokalwettbewerb blieb der Zuschauerzuspruch überschaubar. Auf den Sitzplatzrängen waren zahlreiche Plätze frei, während zumindest die Stehplatzbereiche der aktiven Fanszene gut gefüllt waren. Der klassische Gelegenheitszuschauer ließ sich an diesem Abend jedoch kaum blicken. Sportlich endete der Auftritt aus Augsburger Sicht enttäuschend, da Bochum den Pokaltraum der Fuggerstädter beendete. Im Spielverlauf kam es auf beiden Seiten auch zum Einsatz von Pyrotechnik.
Die WWK Arena wurde 2009 eröffnet und bietet rund 30.000 Zuschauern Platz. Zunächst unter dem Namen SGL Arena bekannt, ist sie ein reines Fußballstadion mit steilen Tribünen und kurzen Wegen, was grundsätzlich gute Sichtverhältnisse ermöglicht. Sie liegt im Süden der Stadt und ist sowohl mit dem Auto als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Für mich war es nicht der erste Stadionkontakt in Augsburg, denn bereits im Sommer 2022 konnte ich das traditionsreiche Rosenaustadion bei einem Spiel der zweiten Mannschaft des FCA besuchen. Das alte Rund steht damit in deutlichem Kontrast zur modernen Arena, markiert aber einen wichtigen Teil der Augsburger Fußballgeschichte.
#07 - 29. Oktober 2025 - FV Illertissen gg 1. FC Magdeburg - 0:3
DFB Pokal - 2. Runde - Vöhlin-Stadion, Illertissen - 4.157 Zuschauer
Einen Tag später stand direkt das nächste DFB Pokalspiel auf dem Programm. Von Augsburg nach Illertissen ist es nur eine kurze Strecke von gut 100 Kilometern, also ideal, um beide Partien miteinander zu verbinden. In Illertissen wartete mit dem FV Illertissen der letzte verbliebene Regionalligist der zweiten Runde. In der ersten Runde hatte man mit dem 1. FC Nürnberg bereits einen Zweitligisten ausgeschaltet und sich damit das Duell mit dem 1. FC Magdeburg verdient.
Im Vorfeld sorgte vor allem die Stadionfrage für reichlich Diskussionen. Das heimische Vöhlin Stadion entsprach den Anforderungen des DFB nur eingeschränkt, weshalb zwischenzeitlich sogar Ausweichspielstätten, unter anderem in Ulm, im Gespräch waren. Am Ende fand die Odyssee doch noch ein positives Ende für Verein und Zuschauer, denn durch die Installation einer mobilen, leistungsstärkeren Flutlichtanlage konnte das Spiel schließlich im Vöhlin Stadion ausgetragen werden.
Sportlich wie atmosphärisch war die Rollenverteilung an diesem Abend klar. Magdeburg dominierte sowohl auf dem Platz als mit knapp 2000 mitgereisten Fans auch auf den Rängen. Über weite Strecken gab es lautstarken Support aus dem Gästeblock, begleitet von wiederholtem Einsatz von Pyrotechnik. Der Stadionsprecher wies zwar regelmäßig darauf hin, dass das Abbrennen von Pyrotechnik verboten sei, doch diese Durchsagen wiederholten sich so oft, dass sie irgendwann eher störten als Wirkung zeigten. Für Illertissen blieb trotz großem Pokalabend am Ende die Erkenntnis, alles versucht zu haben, während Magdeburg seiner Favoritenrolle gerecht wurde.
#08 - 31. Oktober 2025 - PSV Eindhoven gg Fortuna Sittard - 5:2
Eredivisie - 11. Spieltag - Philips-Stadion, Eindhoven (Niederlande) - 34.500 Zuschauer
Am letzten Tag im Oktober führte die Reise in die Niederlande nach Eindhoven, wo im Philips Stadion ein Besuch bei der PSV auf dem Programm stand. Das Stadion liegt außergewöhnlich zentral, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof und der Innenstadt entfernt, eingebettet in das urbane Umfeld rund um das frühere Philips Werksgelände. Genau diese Lage macht den Spielbesuch besonders angenehm, da Anreise, Gastronomie und Stadionbesuch nahtlos ineinander übergehen.
Das Philips Stadion wurde 1913 eröffnet und zählt damit zu den traditionsreichsten Spielstätten des Landes. Es fasst heute rund 35.000 Zuschauer und wurde über Jahrzehnte immer wieder modernisiert, ohne seinen kompakten Charakter zu verlieren. Die steilen Tribünen sorgen für eine gute Nähe zum Spielfeld, gleichzeitig ist das Stadion vollständig überdacht.
Mein Platz befand sich relativ weit oben auf der Tribüne. Die Sicht auf das Spielfeld war zwar frei, allerdings fällt die Dachkonstruktion nach vorne ab, sodass der Blick auf den Auswärtsblock komplett verdeckt war. Ein kleiner Wermutstropfen, der den Gesamteindruck aber nur leicht trübte. Sportlich entwickelte sich eine unterhaltsame Partie gegen Fortuna Sittard, bei der PSV ihrer Favoritenrolle gerecht wurde und am Ende mit 5:2 gewann.
#09 - 1. November 2025 - AFC Ajax Amsterdam gg SC Heerenveen - 1:1
Eredivisie - 11. Spieltag - Johan Cruijff ArenA, Amsterdan (Niederlande) - 54.283 Zuschauer
Von Eindhoven ging es tags darauf weiter nach Amsterdam zur Johan Cruijff ArenA, dem nächsten Stadionpunkt in der Eredivisie. Ajax Amsterdam empfing den SC Heerenveen. Schon die Anreise hinterließ Eindruck, denn das Stadion liegt hervorragend angebunden im Südosten der Stadt, direkt an einem großen Verkehrsknotenpunkt mit Bahn, Metro und Autobahnanschluss. Rund um die Arena gibt es viel Platz, moderne Bebauung und zahlreiche Möglichkeiten zur Verpflegung, alles wirkt durchdacht und auf große Besucherströme ausgelegt.
Auch im Inneren überzeugt die ArenA durch ihre Funktionalität. Breite Umläufe, klare Wegeführung und gute Sichtverhältnisse prägen das Bild. Auffällig und typisch niederländisch ist die Art der Essensausgabe. Statt klassischer Theken gibt es an vielen Stellen diese bekannten Automaten mit kleinen Klappen. Man öffnet ein Fach und holt sich dort seine Frikandel oder andere Snacks heraus, schnell und unkompliziert, auch bei großem Andrang.
Sportlich plätscherte die Partie lange Zeit eher vor sich hin. Ajax tat sich schwer, Heerenveen hielt gut dagegen, echte Höhepunkte waren zunächst rar. Dann kam es jedoch völlig unerwartet zu einer großen und lang andauernden Pyroaktion in der Kurve. Anlass war der Tod eines unter der Woche verstorbenen Ultras, dem mit bengalischem Feuer und Rauch gedacht wurde. Die Aktion sorgte für ein internationales Medienecho und führte zu einer rund zwanzigminütigen Spielunterbrechung.
Nach der Wiederaufnahme fand das Spiel wieder in seinen vorherigen Rhythmus zurück. Viel änderte sich am Geschehen auf dem Platz nicht mehr und so endete die Begegnung insgesamt unspektakulär mit einem 1:1.
#10 - 4. November 2025 - SC Borussia 05 Köln-Kalk gg Borussia Lindenthal-Hohenlind - 2:1
Kreispokal Köln - 3. Runde - Sportanlage Lustheider Straße, Köln - ca. 80 Zuschauer
In der 3. Runde des Kreispokals Köln kam es zu einem echten Pokalabend. Kreisligist Borussia Kalk empfing den zwei Klassen höher spielenden Landesligisten Borussia Lindenthal Hohenlind. Gespielt wurde allerdings nicht auf dem eigentlichen Heimplatz von Kalk, der wegen Sanierungsarbeiten gesperrt war, sondern auf der Anlage des SSV Vingst 05 an der Lustheider Straße. Der Kunstrasenplatz selbst bot nichts Besonderes, war für mich aber ein fehlender Punkt und damit einen Abstecher wert.
Sportlich entwickelte sich die Partie zu einem überraschend intensiven Pokalfight. Kalk ging zunächst in Führung, musste später den Ausgleich hinnehmen und dezimierte sich in der zweiten Halbzeit selbst mit gleich drei Platzverweisen. Trotz klarer Unterzahl gelang es dem Außenseiter, das Spiel erneut zu drehen und den viel umjubelten 2:1 Sieg über die Zeit zu bringen. Damit zog Borussia Kalk völlig unerwartet in die vierte Runde des Kreispokals Köln ein.
#11 - 9. November 2025 - Sportfreunde 1919 Düren gg SpVg Frechen 20 - 1:3
Mittelrheinliga - 11. Spieltag - Oststadion Düren (Nebenplatz), Düren - 150 Zuschauer
Mit den Sportfreunden 1919 Düren stand der erste Besuch bei einem Aufsteiger der Mittelrheinliga auf dem Programm um die Liga auch am Ende dieser Saison wieder komplettiert zu haben. Der Verein aus der Kreisstadt Düren schaffte zur Saison den Sprung in die höchste Verbandsliga am Mittelrhein und spielt seine Heimspiele im Oststadion.
Gespielt wird dort aktuell auf dem Kunstrasenplatz, während der direkt angrenzende Rasenplatz zwar Teil der Anlage ist, im Ligabetrieb aber keine Rolle spielt. Das Oststadion selbst ist eine klassische kommunale Sportanlage ohne großen Ausbau, funktional und schnörkellos. Rund um das Spielfeld prägt vor allem das Umfeld das Bild. Das Stadion liegt eingebettet in ein Neubaugebiet, im Hintergrund reihen sich moderne Wohnhäuser aneinander und bilden das Panorama. Ob das nun Charme hat oder eher nüchtern wirkt, bleibt Geschmackssache, ungewöhnlich ist diese Kulisse allemal.
Die Sportfreunde 1919 Düren gehören zu den traditionsreichen kleineren Vereinen der Stadt, standen lange im lokalen Fußball und haben sich Schritt für Schritt nach oben gearbeitet. Der Aufstieg in die Mittelrheinliga ist für den Klub ein sportlicher Meilenstein und macht das Oststadion nun auch für Groundhopper wieder etwas interessanter. Eine Anlage ohne große Highlights, aber mit einem sehr eigenen, zeittypischen Umfeld, das den Besuch durchaus in Erinnerung bleiben lässt.
#12 - 13. November 2025 - Borussia Mönchengladbach gg K Lierse SK - 1:0
Testspiel - Fohlenplatz, Mönchengladbach - 250 Zuschauer
Die Länderspielpause in der Bundesliga nutzen viele Vereine traditionell für Testspiele mit den Akteuren, die nicht zu ihren Nationalmannschaften abgestellt wurden. Auch Borussia Mönchengladbach griff Mitte November darauf zurück und testete unter der Woche auf dem Fohlenplatz gegen den belgischen Zweitligisten K Lierse SK.
Da ich an dem Tag frei hatte und sich das Wetter für die Jahreszeit erstaunlich freundlich zeigte, bot sich der Besuch nahezu an. Anstoß war bereits um 13 Uhr, was gut zum insgesamt eher entspannten Rahmen eines Testspiels passte. Wie man es von einem Bundesligisten erwartet, ist die Infrastruktur rund um das Stadiongelände entsprechend ausgeprägt. Auf dem Areal des Borussia Parks laden mit dem Restaurant Büchsenwurf und der FohlenSportsBar gleich mehrere Anlaufstellen ein, sodass man vor dem Spiel noch problemlos zum Mittagessen einkehren konnte.
Der Fohlenplatz selbst liegt direkt auf dem Vereinsgelände in unmittelbarer Nähe zum Borussia Park. Er dient in erster Linie den Nachwuchsmannschaften von Borussia Mönchengladbach als Heimspielstätte, wird aber auch regelmäßig für Testspiele der Profimannschaft genutzt. Entsprechend funktional ist der Ausbau gehalten, ohne großen Schnickschnack, dafür mit kurzen Wegen und guter Sicht von allen Seiten.
Sportlich war es am Ende genau das, was man von einem Testspiel erwartet. Viel Rotation, einige Experimente und wenig Bedeutung für das große Ganze. Für mich zählte in erster Linie der neue Stadionpunkt. Testspiel abgehakt, Fohlenplatz gesehen und weiter ging die Reise.
#13 - 18. November 2025 - DJK Raspo Brand gg SC Fortuna Köln - 0:8
Mittelrheinpokal - Achtelfinale - Sportanlage Wolferskaul, Aachen - 1.234 Zuschauer
Der Einzug ins Achtelfinale des Mittelrheinpokals war für die DJK Raspo Brand bereits ein großer Erfolg. Nach Siegen gegen den TV Konzen und Teutonia Weiden wartete mit Fortuna Köln nun erstmals ein Gegner mit deutlich mehr Zugkraft. Entsprechend groß war das Interesse am Flutlichtspiel im Aachener Stadtteil Brand. 1.234 Zuschauer fanden den Weg zur Sportanlage Wolferskaul und sorgten für einen Rahmen, wie man ihn dort nicht alle Tage erlebt.
Die Sportanlage Wolferskaul ist klassisch und funktional gehalten. Gespielt wird auf einem Kunstrasenplatz, der von viel Grün umgeben ist und sich harmonisch in das Wohngebiet einfügt. Auffällig ist der breite Grashang auf einer Längsseite, von dem aus man einen erhöhten und sehr guten Blick auf das Spielfeld hat. Gerade bei gut besuchten Spielen bietet sich hier viel Platz zum Stehen, ohne dass es gedrängt wirkt. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich die üblichen Vereinsbauten mit Kabinen und Funktionsräumen, dazu einige befestigte Bereiche für Zuschauer. Insgesamt wirkt die Anlage übersichtlich, bodenständig und genau so, wie man es von einem ambitionierten Amateurverein erwartet.
Sportlich war der Klassenunterschied dann allerdings deutlich zu sehen. Raspo Brand hatte dem Regionalligisten aus Köln wenig entgegenzusetzen und geriet früh ins Hintertreffen. Am Ende stand eine klare 0:8 Niederlage, die den Pokaltraum beendete. Unabhängig vom Ergebnis blieb es für den Verein und den Stadtteil jedoch ein besonderer Abend mit Flutlicht, großem Gegner und einer Zuschauerzahl, die die Sportanlage Wolferskaul für ein paar Stunden in den Mittelpunkt rückte.
#14 - 23. November 2025 - SDOUC gg FC Winterswijk - 3:1
Eerste Klasse G - 9. Spieltag - Sportpark De IJsselweide, Ulft (Niederlande) - ca. 120 Zuschauer
Totensonntag bedeutet in Nordrhein Westfalen bekanntlich Fußballpause. Keine Spiele, keine Ausweichmöglichkeiten im Inland also ging es kurzerhand über die Grenze in die Niederlande. Ziel war der SDOUC aus Ulft, nur wenige Minuten von der deutschen Grenze entfernt. Groundhopping lebt eben auch davon, flexibel zu bleiben.
Der Sportpark De IJsselweide liegt ruhig am Ortsrand von Ulft und ist schnell erreicht. SDOUC ist ein klassischer niederländischer Amateurverein, bei dem schon der Name zeigt, wie traditionsreich viele Klubs dort aufgestellt sind. Das Kürzel SDOUC wird seit Jahrzehnten geführt und ist fest mit dem Ort verbunden, auch wenn der vollständige Vereinsname im Alltag kaum noch ausgeschrieben wird. Gespielt wird hier im regulären Ligabetrieb des niederländischen Amateurfußballs.
Die Anlage selbst entspricht ziemlich genau dem, was man in den Niederlanden häufig sieht. Ein ordentlicher Kunstrasenplatz, eine kleine Sitzplatztribüne an der Längsseite und viel freier Raum drumherum. Alles ist offen, übersichtlich und funktional. Man steht nah am Spielfeld, kann sich frei bewegen und hat von fast überall eine gute Sicht. Keine großen Aufbauten, kein Schnickschnack, sondern Fußball in seiner einfachen Form.
Atmosphärisch ging es entsprechend ruhig zu. Ein paar Zuschauer, kurze Gespräche am Spielfeldrand, hier und da ein Fahrrad, das neben dem Zaun abgestellt wurde. Genau diese Selbstverständlichkeit macht solche Besuche aus. Kein Highlightspiel, kein großes Ereignis, aber ein solider neuer Punkt auf der Karte und eine passende Alternative an einem Tag, an dem auf deutscher Seite nichts ging.
#15 - 29. November 2025 - SV Zulte Waregem gg Cercle Brugge KSV - 1:1
Jupiler Pro League - 16. Spieltag - Elindus Arena, Waregem (Belgien) - 7.128 Zuschauer
Ein weiterer Haken auf der Belgien Liste und zugleich der vorletzte Schritt zur Komplettierung der ersten Liga. Ende November führte mich der Weg nach Westflandern, genauer gesagt nach Waregem, wo der SV Zulte Waregem seine Heimspiele in der Elindus Arena austrägt. Ein klassischer Groundhopping Termin an einem grauen Spätherbsttag, wie er besser kaum passen könnte.
Die Elindus Arena, vielen noch unter dem alten Namen Regenboogstadion bekannt, ist tatsächlich eine interessante Mischung aus alt und neu. Von außen und in der Grundstruktur wirkt vieles noch nach klassischem belgischem Fußballplatz, während die Tribünen in den vergangenen Jahren modernisiert wurden und heute einen durchaus zeitgemäßen Eindruck machen. Alles ist kompakt, nah am Spielfeld und ohne große Umwege erreichbar. Gleichzeitig merkt man an einigen Stellen, dass das Stadion schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Besonders im Inneren zeigt sich der Kontrast deutlich. Während die Tribünen ordentlich und funktional sind, wirken die Sanitäranlagen eher nach dem Motto lange nicht angefasst, was irgendwie aber auch wieder zum Gesamtbild passt.
Zulte Waregem ist seit vielen Jahren ein etablierter Name im belgischen Profifußball. Nach dem Abstieg 2023 gelang dem Klub der direkte Wiederaufstieg, sodass man inzwischen wieder zur Jupiler Pro League gehört. Auch in den Jahren zuvor war Zulte Waregem über lange Zeit fester Bestandteil der ersten Liga und konnte sich dort regelmäßig im gesicherten Mittelfeld behaupten. Höhepunkte dieser Phase waren mehrere Teilnahmen an der Europa League und dem UEFA Cup. Der Profianspruch ist am Spieltag weiterhin deutlich spürbar, sei es durch die gut organisierte Infrastruktur rund um das Stadion oder durch die insgesamt routinierten Abläufe. Zulte Waregem versteht sich klar wieder als Erstligist und tritt auch entsprechend auf.
Atmosphärisch ging es typisch belgisch zu. Kein Hexenkessel, aber ein solides Grundrauschen, viel Gesprächskultur auf den Rängen und eine gewisse Gelassenheit, selbst wenn es sportlich nicht immer nach Wunsch läuft. Genau solche Stadien machen für mich einen großen Teil des Reizes aus. Nicht alles geschniegelt und durchgestylt, sondern ehrlich, etwas sperrig und mit Ecken und Kanten. Ein weiterer wichtiger Punkt auf dem Weg zur Komplettierung und ein Besuch, der sich genau deshalb richtig angefühlt hat.
#16 - 30. November 2025 - Koninklijke Diegem-Sport gg KVK Tienen - 2:1
1e Afdeling VV - 14. Spieltag - Gemeentelijk Sportstadion Diegem, Machelen (Belgien) - ca. 300 Zuschauer
Auf dem Rückweg von Waregem wurde am nächsten Tag noch ein Zwischenstopp in Diegem eingelegt. Koninklijke Diegem Sport empfing in der dritten belgischen Liga den KVK Tienen. Gespielt wird im Gemeentelijk Sportstadion Diegem, das in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Brüssel Zaventem liegt. Die Lage prägt den Spielbesuch deutlich, im Minutentakt ziehen Flugzeuge im Landeanflug direkt über das Stadion hinweg und übertönen regelmäßig das Geschehen auf dem Platz.
Die Anlage selbst ist funktional gehalten. Ein klassischer Rasenplatz, auf einer Seite eine kleine überdachte Sitzplatztribüne, gegenüber einfache Stehbereiche. Alles wirkt bodenständig und typisch für den belgischen Unterbau, ohne großen Ausbau, aber mit klarer Ausrichtung auf den Spielbetrieb. Die Nähe zur Stadt und zum Flughafen verleiht dem Stadion dennoch einen eigenen Charakter. Sportlich setzte sich Diegem in einer umkämpften Partie mit 2:1 gegen Tienen durch und rundete den Zwischenstopp zufriedenstellend ab.